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frisch eingebloggt

Donnerstag, 25. August 2011

“Werde was Ordentliches, werde Jurist!”

 

Diesen Appell ihrer Eltern haben manche Volljuristen noch im Ohr. Sie sind ihm gefolgt, teils aus Mangel an eigener Orientierung, teils, weil das Berufsbild „Rechtsanwalt“ Ansehen verspricht. Aber schon während des Studiums kristallisiert sich heraus, dass diese Entscheidung falsch war. Trotzdem, sie beißen sich durch und bringen das Studium „ordentlich“ zu Ende.  Im Berufsleben sieht ja manches anders aus… oder doch nicht?

Schlimmer geht immer, lautet ein Sprichwort. Und tatsächlich treffe ich in der Beratung immer wieder auf Juristen, die mit sich und dem Fassadendasein in ihrem Beruf hadern. Die morgens kaum aus den Federn kommen, weil der Tag, der vor ihnen liegt, so durchgetaktet und ordentlich wie er ist, sie abturnt. Auch Erfolge lassen immer öfter auf sich warten. Die bange Frage beschäftigt sie, „darf ich mir eine berufliche Veränderung erlauben?“

Die Welt der Juristen ist geprägt von einer rigiden Wirklichkeitskonstruktion. Es gibt richtig oder falsch, Gesetze sind zu befolgen, Rangordnungen einzuhalten. Man spricht einen Insider-Jargon, man kennt sich und die ungeschriebenen Gesetze des Umgangs. Entweder man gehört dazu oder nicht. Gibt es jenseits davon überhaupt noch eine Welt?

Es gibt sie. Aber die Erlaubnis, sie zu betreten, ist weder von Eltern noch von irgendwem „draußen“ zu erwarten. Sie kommt von innen oder gar nicht.

Mittwoch, 10. August 2011

Mein Kollege ist mein Konkurrent

“Mein Kollege hat mir offen den Kampf angesagt”, berichtet mein Klient. In einem unbeobachteten Moment habe der ihm zugeraunt: “Die Beförderung kannst Du vergessen, wirst bald merken, warum.” Was ist nun von sowas zu halten: Ist das heisse Luft oder doch eine Forderung zum Duell? Und ist der Gegner überhaupt satisfaktionsfähig?

Obwohl das Unternehmenssprech vom Teamgeist ja Konflikte gern glattbügelt, Konkurrenz gehört zum Spiel. Mit welchen Waffen allerdings es gespielt wird, ist nicht immer klar – es bedarf etwas Abstand, um das klar zu sehen.

Um in dem gegenseitigen Hauen und Stechen nicht den Überblick zu verlieren, sollte man durchaus mal einen Schritt zur Seite  treten und die Situation überdenken. Zum Beispiel muss man nicht alle Spiele mitspielen, um siegreich aus ihnen hervor zu gehen. Sie sind am Zug.

Mittwoch, 03. August 2011

Darf ich an eine Zweitkarriere denken?

Gerade aus dem England-Urlaub heimgekehrt, kommt mir manches an meiner deutschen Heimat seltsam vor. Die Profilierungssucht im Straßenverkehr, die Rüpelhaftigkeit vielerorts – was sagt das über uns Deutsche, wenn wir uns geben wie pubertierende Halbstarke?

Stutzig wurde ich auch bei einem Anruf eines Klienten, der mich äußerst verunsichert fragte, „darf man das, an eine Zweitkarriere denken?“

Man kann ja grundsätzlich seit Erfindung des Gehirns an alles mögliche denken. Gedanken sind frei, heißt es. Aber darum ging es meinem Klienten nicht. Seine Frage zielte auf die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber einer beruflichen Neuorientierung. In anderen Worten, „was werden meine Nachbarn denken, wenn ich mir einen beruflichen Neustart leiste?“

Nicht umsonst gibt es hierzulande das Wort „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Entsprechend bringt die Suche nach dem Begriff „Zweitkarriere“ im Internet durchweg drollige Ergebnisse… von der Zweitkarriere von Weihnachtsbäumen bis zum Abstieg einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten, die jetzt „putzt“, ist alles dabei. Ernst nehmen kann man das nicht.

Ganz anders die Resultate bei „second career“. Da gibt es private und staatliche Initiativen zu dem Thema, allerdings in Kanada, den USA und England. In diesen Ländern ist auch die Erwartungshaltung gegenüber dem beruflichen Neustart in der Lebensmitte eine andere: Er bedeutet keinen „Karriereknick“, sondern ist die erwartbare und erforderliche Anpassungsleistung von Berufstätigen an einen beweglichen Arbeitsmarkt. Anders gesagt: Das ist NORMAL! Schlecht wäre es, diese Leistung nicht bringen zu können.

Aber wie will man das einem Volk von pubertierenden Halbstarken beibringen…?

 

Hier erreichen Sie mich:

Dr. Wiebke Sponagel
PERSPECTIVE COACHING
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