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Mittwoch, 23. November 2011

Neues aus Deutschland: Die Frau als Hauptverdienerin?

Kennen Sie eine Internetseite, die „Familienernaehrer.de“ heißt und bei der es um die Rolle des Mannes als Haupt-Brötchenverdiener geht?

Nein? Kein Wunder – so eine Seite gibt es auch nicht.

Schließlich gilt es in Deutschland immer noch als „normal“, daß der Mann die Familie finanziell ernährt. Die Frau schmeißt Haushalt und Familie und verdient vielleicht noch ein „Zubrot“ als schlecht bezahlte Teilzeitkraft.

Dieses  Rollenmodell ist jedoch in Bewegung gekommen, das konnte ich längst beobachten. Mir sitzen oft „starke Frauen“ gegenüber, die in ihrer Partnerschaft oder gar für die Familie den Löwenanteil erwirtschaften.  

Einfach ist das nicht. Mit so einem „Rollentausch“ (!!) erleben beide Partner nicht nur  Akzeptanzprobleme in ihrer Umwelt. Bei Männern wie Frauen nagt das Modell am Selbstverständnis und bei Frauen nagt es insbesondere am Geldbeutel: Denn immer noch verdienen sie in D bei gleicher Position bis zu 24 Prozent weniger als Männer. Da zahlt es sich immer noch aus, die „traditionelle Variante“ zu wählen…

Wundern wir uns also nicht darüber, dass es die Seite http://www.familienernaehrerin.de/ gibt. Immerhin, im fünfköpfigen Vorstand des DGB, der die Seite verantwortet, sitzen zwei Frauen…

Donnerstag, 17. November 2011

Freigestellt… und was nun?

 

Es ist wie eine Vollbremsung nach rasanter Fahrt. Eben noch war man Tag für Tag „eingespannt“, hat nachts Jobprobleme gewälzt, sich morgens aus dem Bett gequält, dann  seinen Job gemacht, danach im vollen Supermarkt eingekauft, sich über den Feierabendverkehr geärgert, um dann, endlich zuhaus, vor laufendem Fernseher einzunicken.

Jahrelang lief das so. Manchmal war man sogar zu schlapp, sich abends noch mit Freunden  zu verabreden, oder gar ans Telefon zu gehen.

Doch plötzlich ist alles anders.

Man kann tagsüber einkaufen. Kein Wecker mehr, der einen frühmorgens aus den Federn holt. Ein unbekanntes Territorium tut sich auf: Zeit! Gestaltlos liegen Tage und Wochen vor einem: Was wollen die eigentlich von mir? Wie soll ich sie anpacken? Was soll ich anfangen mit dem Zeitüberschuss?

Immer wieder erlebe ich bei meinen freigestellten Klienten, dass sie sich unwohl fühlen mit dem plötzlichen Zeitgeschenk. Stimmt, sagen sie, eigentlich ist es ja ein Geschenk. Was hat man sich immer gesehnt nach freier Zeit; auf einmal hat man sie, und weiß gar nicht, was anfangen damit. Zeit im Überschuss ist den Meisten keine Kostbarkeit mehr, sie wird zur zähen Masse, die die eigene Sinnhaftigkeit in Frage stellt.

 Zeit soll „genutzt“ werden, suggeriert die Mehrheitsmeinung. Sie einfach zu verbringen, ohne in Aktionismus auszubrechen, ist sündig, vermittelt Schuldgefühle. Die Mehrheitsmeinung meldet sich regelmäßig in Form von anteilnehmenden Freunden und Familie, die fragen, hast Du schon einen neuen Job. In anderen Worten: Hast Du schon einen neuen Zeitvernichter?

Eigentlich schade, dass das, was man ist, so verbunden ist mit dem, was man beruflich ist. Dass Freizeit nur neben Unfreizeit existiert. Einfach Mensch sein ist nicht… oder doch?

Eine Klientin berichtet, dass sie rückblickend froh ist über die freie Zeit, die sie hatte, bevor sie ihren neuen Job gefunden hat. Sie hat nämlich endlich etwas für sich getan, wofür sie sonst „nie Zeit“ hatte: Sie hat Yoga erlernt, und das wird ihr den Einstieg in den neuen Job  und überhaupt den Umgang mit Zeitvernichtern erleichtern….

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Jobwechsel jetzt – und lauter dumme Ratschläge dazu

Momentan herrscht prima Klima für den Jobwechsel. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem nie gekannten Tief angelangt und endlich werden die sonst so sesshaften Deutschen zu Nomaden. Eine Entwicklung, über die man sich wundert bei karriere.de :  Laut einer Umfrage des Global Workforce Index wiederum planen sogar mehr als zwei Drittel der Deutschen deshalb einen völligen Neustart: raus aus dem bisherigen Beruf, alles auf Null setzen und etwas ganz anderes machen, heißt  es da.

Völlig verdutzt fragt der Autor weiter, „nur, warum?“

Für mich als Karriereberaterin und Coach kommt dieser „plötzliche Wechselwille“ alles andere als überraschend. Lange genug habe ich durch die Augen meiner Klienten hinter die Kulissen unsrer Arbeitskultur geblickt, in Abgründe, sage ich Ihnen!

Scherz beiseite. Natürlich kommen nur diejenigen zu mir, die Grund zur Klage haben… Aber wer sich mit den hiesigen Arbeitsbedingungen einigermaßen gründlich befasst, muss einfach zu dem Schluss kommen, dass da eine deutliche Schieflage zwischen Personaldecke und Arbeitslast entstanden ist.

Der Schluss des Karriere.de-Autors lautet anders: Frust sei ein schlechter Ratgeber, schreibt er, und Flucht nie eine kluge Lösung. Im Volksweisheiten-Ton geht’s weiter, man solle sich gründlich fragen, ob das Gras nebenan wirklich grüner sei etc…

Sapperlot nochmal. Hat der Mann Provision von deutschen Arbeitgebern bekommen, die jetzt einen rapiden Wissensverlust befürchten? Frust ist ein nämlich ausgezeichneter Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Wer ihn monate-, und jahrelang „runterschluckt“, wird daran ersticken. Und weiter: Flucht ist ein über Jahrtausende im Stammhirn verankertes, bewährtes Verhalten, um uns Keulenschwingern den Hintern zu retten, wenn die Mammutherde doch zu groß ist, und die andere Option – Angriff – nicht fruchtet.

In anderen Worten: Trauen Sie sich zu flüchten, um sich selbst zu retten! Wenn Sie außer dem Stammhirn auch noch das Großhirn dazu schalten und bessere Konditionen raushandeln, um so besser…!

 

Hier erreichen Sie mich:

Dr. Wiebke Sponagel
PERSPECTIVE COACHING
Ginnheimer Hohl 38, 2. OG
60431 Frankfurt/Main
Tel: 069 - 60 60 97 22
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