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Darf ich an eine Zweitkarriere denken?

Gerade aus dem England-Urlaub heimgekehrt, kommt mir manches an meiner deutschen Heimat seltsam vor. Die Profilierungssucht im Straßenverkehr, die Rüpelhaftigkeit vielerorts – was sagt das über uns Deutsche, wenn wir uns geben wie pubertierende Halbstarke?

Stutzig wurde ich auch bei einem Anruf eines Klienten, der mich äußerst verunsichert fragte, „darf man das, an eine Zweitkarriere denken?“

Man kann ja grundsätzlich seit Erfindung des Gehirns an alles mögliche denken. Gedanken sind frei, heißt es. Aber darum ging es meinem Klienten nicht. Seine Frage zielte auf die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber einer beruflichen Neuorientierung. In anderen Worten, „was werden meine Nachbarn denken, wenn ich mir einen beruflichen Neustart leiste?“

Nicht umsonst gibt es hierzulande das Wort „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Entsprechend bringt die Suche nach dem Begriff „Zweitkarriere“ im Internet durchweg drollige Ergebnisse… von der Zweitkarriere von Weihnachtsbäumen bis zum Abstieg einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten, die jetzt „putzt“, ist alles dabei. Ernst nehmen kann man das nicht.

Ganz anders die Resultate bei „second career“. Da gibt es private und staatliche Initiativen zu dem Thema, allerdings in Kanada, den USA und England. In diesen Ländern ist auch die Erwartungshaltung gegenüber dem beruflichen Neustart in der Lebensmitte eine andere: Er bedeutet keinen „Karriereknick“, sondern ist die erwartbare und erforderliche Anpassungsleistung von Berufstätigen an einen beweglichen Arbeitsmarkt. Anders gesagt: Das ist NORMAL! Schlecht wäre es, diese Leistung nicht bringen zu können.

Aber wie will man das einem Volk von pubertierenden Halbstarken beibringen…?

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Dr. Wiebke Sponagel
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