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Coaching ist doch eine Dienstleistung – oder nicht?

 

Die Stimme am anderen Ende der Leitung wurde lauter. „Na hören Sie mal, als Dienstleister hätte ich etwas mehr Entgegenkommen von Ihnen erwartet!“

Rechtlich ist Coaching eine Dienstleistung: Eine natürliche Person erbringt in einem bestimmten Zeitrahmen eine Leistung zur Deckung eines Bedarfs. Ergo ist der Coach ein Dienstleister.

Aber wie „dienstbar“ muss ein Coach sein, um eine gute Beratung abzuliefern?

It takes two to tango, heißt es so schön. An einem Coaching sind immer zwei beteiligt, der Klient oder Auftrag-, und Geldgeber  und der Coach als Auftrag-, und Geldnehmer.

Wes Geld ich nehm, des Lied ich sing?

Das Verhältnis zwischen den beiden Akteuren im Coaching ist gut als Waage vorstellbar, als ausbalancierte Waage: Eine Beziehung  „auf Augenhöhe“, also geprägt von Anerkennung und gegenseitigem Respekt. In einem so definierten Verhältnis wird keiner der beiden Beteiligten in irgendeiner Form vom anderen „Unterordnung“ fordern. Beide dürfen unbequem sein, aber der Coach muss bisweilen auch konfrontieren und Unangenehmes spiegeln. Das ist Teil des „Dienstes“, den ein Coach erbringt. Oder hatten Sie etwas anderes erwartet?

Jobwechsel jetzt – und lauter dumme Ratschläge dazu

Momentan herrscht prima Klima für den Jobwechsel. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem nie gekannten Tief angelangt und endlich werden die sonst so sesshaften Deutschen zu Nomaden. Eine Entwicklung, über die man sich wundert bei karriere.de :  Laut einer Umfrage des Global Workforce Index wiederum planen sogar mehr als zwei Drittel der Deutschen deshalb einen völligen Neustart: raus aus dem bisherigen Beruf, alles auf Null setzen und etwas ganz anderes machen, heißt  es da.

Völlig verdutzt fragt der Autor weiter, „nur, warum?“

Für mich als Karriereberaterin und Coach kommt dieser „plötzliche Wechselwille“ alles andere als überraschend. Lange genug habe ich durch die Augen meiner Klienten hinter die Kulissen unsrer Arbeitskultur geblickt, in Abgründe, sage ich Ihnen!

Scherz beiseite. Natürlich kommen nur diejenigen zu mir, die Grund zur Klage haben… Aber wer sich mit den hiesigen Arbeitsbedingungen einigermaßen gründlich befasst, muss einfach zu dem Schluss kommen, dass da eine deutliche Schieflage zwischen Personaldecke und Arbeitslast entstanden ist.

Der Schluss des Karriere.de-Autors lautet anders: Frust sei ein schlechter Ratgeber, schreibt er, und Flucht nie eine kluge Lösung. Im Volksweisheiten-Ton geht’s weiter, man solle sich gründlich fragen, ob das Gras nebenan wirklich grüner sei etc…

Sapperlot nochmal. Hat der Mann Provision von deutschen Arbeitgebern bekommen, die jetzt einen rapiden Wissensverlust befürchten? Frust ist ein nämlich ausgezeichneter Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Wer ihn monate-, und jahrelang „runterschluckt“, wird daran ersticken. Und weiter: Flucht ist ein über Jahrtausende im Stammhirn verankertes, bewährtes Verhalten, um uns Keulenschwingern den Hintern zu retten, wenn die Mammutherde doch zu groß ist, und die andere Option – Angriff – nicht fruchtet.

In anderen Worten: Trauen Sie sich zu flüchten, um sich selbst zu retten! Wenn Sie außer dem Stammhirn auch noch das Großhirn dazu schalten und bessere Konditionen raushandeln, um so besser…!

Nein, ja, oder doch nicht? Auf der Suche nach der richtigen Entscheidung

Forrest Gump erfuhr schon früh von seiner Mama, dass das Leben wie eine Pralinenschachtel ist, bei der man nie weiß, was man bekommt. Das Pralinenschachtelige am Leben zeigt sich auch in meinen Beratungen immer wieder, wenn es darum geht, die Entscheidungen meiner Klienten zu begleiten.

Soll ich das Beförderungs-Angebot annehmen? In eine neue Stadt ziehen, hier Freunde und Familie zurücklassen? Soll ich die oder die Weiterbildung machen? Wohin will ich kommen mit meiner Entscheidung? Wird es gelingen?

Heinz von Förster sagt, im Prinzip können wir im Moment des Entscheidens überhaupt nicht sagen, ob sie richtig oder falsch ist. Erst im Rückblick ist das möglich. Eine Entscheidung ist ein Schritt ins Ungewisse und immer auch der Ausschluss von vielen anderen Möglichkeiten. Mit einer Entscheidung komme ich von der vita contemplativa, also vom Überlegen und zurückgezogenen Leben in die vita activa – ins aktive Handeln. Ich übernehme Verantwortung, und möglicherweise auch „Schuld“ – ein Grund, warum Entscheiden nicht immer wirklich gewollt wird.

Zur Vita contemplativa gibt es jetzt überraschende neue Erkenntnisse: Das Grübeln von Depressiven wird neuerdings von der psychologischen Forschung als förderlich fürs Entscheiden gesehen. Demnach führe eine gründliche Analyse letztlich zu besseren Entscheidungen.

Das freilich widerspricht den Forschungen eines Urgesteins auf dem Gebiet des Entscheidungsverhaltens. Nach Gerd Gigerenzer, der am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung  fast seit Jahrhunderten mit der Materie befasst ist,  sind Bauchentscheidungen die wirklich tragfähigen im Leben. Womit wir wieder bei der Pralinenschachtel wären…

 

Hier erreichen Sie mich:

Dr. Wiebke Sponagel
PERSPECTIVE COACHING
Ginnheimer Hohl 38, 2. OG
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Tel: 069 - 60 60 97 22
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