Donnerstag, 27. Januar 2011
Rückschläge verarbeiten – aber wie?
Rückschläge verarbeiten – aber wie?
Auf das Vorstellungsgespräch haben Sie sich ausführlich vorbereitet, sind mit gutem Gefühl hinein gegangen und dabei blieb es im Verlauf. Dann die Hiobs-Botschaft: Das Panel hatte einen ganz anderen Eindruck. Die Stelle wird an einen anderen Kandidaten gehen. Was ist da geschehen? Wie kam es dazu, dass Fremd-, und Selbstbild so voneinander abwichen? Und vor allem: Wie kann man das verdauen?
Menschen, die Rückschläge gut verarbeiten, nennt man landläufig „Stehaufmännchen“. In Soziologie und Psychologie spricht man von Resilienz als der Fähigkeit, Krisen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu meistern. In meinem Buch „Runterschalten!“ nenne ich das die „Schiffbruch-Kompetenz“. Dort bespreche ich auch die Stadien, durch die eine Verarbeitung von Rückschlägen geht. Denn Reden ist nicht alles – aber ein erster Schritt. Erfolge feiert man mit Freunden, Schiffbrüche durchsteht man erst mal mit sich selbst. Rückzug ist eine verständliche erste Reaktion, aber wer sich mit seinem Schiffbruch raus traut, ihn mit Freunden oder anderen Schiffbruch-Kompetenten betrachtet, geht in die richtige Richtung. Das Reden hilft in vieler Hinsicht: Es entlastet, Gedanken klären sich und der Schiffbruch wird dabei zu (einer) Geschichte. Er wird Vergangenheit, dabei kann die Wunde vernarben, und ausserdem wird man hören, so banal das ist, dass viele schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Ereignis wird sich relativieren. Und wenn Sie ein wahrer Schiffbruchkünstler sind, werden Sie in der Lage sein, die versteckte Botschaft Ihres Schiffbruchs zu erkennen. Denn jeder Schiffbruch will dem Schiffbrüchigen etwas sagen. Wer diese Botschaft versteht, wird den Schiffbruch meistern und kann zu neuen Ufern aufbrechen… auch wenn unterwegs neue Gefahren lauern.
