Mittwoch, 25. Januar 2012
Was ist erwartbar im Bewerbungsgespräch?
Hunderte von Ratgebern gibt es zu dieser Frage, und doch höre ich sie immer wieder. Klar, das Genre „Jobinterview“ ist thematisch vorbestimmt durch gegenseitige Erwartungen – über das Sexualleben der Stubenfliege wird man sich vermutlich nicht unterhalten, es sei denn, es ist das Fachgebiet des Kandidaten.
Dennoch, innerhalb des gemeinsamen Erwartungshorizonts gibt es immer noch viel Spielraum – nicht nur über die Inhalte, sondern auch zur Struktur des Gesprächs. Die meisten Bewerber überlassen in dieser Hinsicht dem Gastgeber oder Interviewer die Initiative: Der oder diejenige hat schließlich Erfahrung in diesen Dingen.
Gerade diese Routine birgt jedoch auch Fallstricke – manche Fehler entstehen gerade deshalb. Karl Westhoff von der Uni Dresden (“Das Entscheidungsorientierte Gespräch als Eignungsinterview”) sieht auf Seiten der Personaler beispielsweise eine Vorliebe für Suggestivfragen, die die erwünschte Antwort schon mitgeben. Auch von Warum-Fragen rät der Psychologe ab, da die Antworten darauf nur Informationen über „später erdachte Erklärungen“ geben würden.
Was will uns das sagen? Auf beiden Seiten des Tisches sitzen Menschen, beide können Fehler machen. Deshalb ist es für Kandidaten ratsam, nicht nur „gute Antworten“ parat zu haben, sondern auch mit eventuellen Fehlern des Gegenübers umgehen zu können. Zuviel verlangt für einen Bewerber, der eh schon im Stress ist? Mag sein – aber auch da gilt: Alles eine Frage der Vorbereitung. Und wer gut vorbereitet ist, hat keinen Stress.
Wiebke Sponagel | Bewerbung, Entscheidung, Jobwechsel | Keine Kommentare | #
Mittwoch, 18. Januar 2012
Coaching ist doch eine Dienstleistung – oder nicht?
Die Stimme am anderen Ende der Leitung wurde lauter. „Na hören Sie mal, als Dienstleister hätte ich etwas mehr Entgegenkommen von Ihnen erwartet!“
Rechtlich ist Coaching eine Dienstleistung: Eine natürliche Person erbringt in einem bestimmten Zeitrahmen eine Leistung zur Deckung eines Bedarfs. Ergo ist der Coach ein Dienstleister.
Aber wie „dienstbar“ muss ein Coach sein, um eine gute Beratung abzuliefern?
It takes two to tango, heißt es so schön. An einem Coaching sind immer zwei beteiligt, der Klient oder Auftrag-, und Geldgeber und der Coach als Auftrag-, und Geldnehmer.
Wes Geld ich nehm, des Lied ich sing?
Das Verhältnis zwischen den beiden Akteuren im Coaching ist gut als Waage vorstellbar, als ausbalancierte Waage: Eine Beziehung „auf Augenhöhe“, also geprägt von Anerkennung und gegenseitigem Respekt. In einem so definierten Verhältnis wird keiner der beiden Beteiligten in irgendeiner Form vom anderen „Unterordnung“ fordern. Beide dürfen unbequem sein, aber der Coach muss bisweilen auch konfrontieren und Unangenehmes spiegeln. Das ist Teil des „Dienstes“, den ein Coach erbringt. Oder hatten Sie etwas anderes erwartet?
Wiebke Sponagel | Coaching | Keine Kommentare | #
Donnerstag, 12. Januar 2012
Auf der Suche nach… dem Bauchgefühl
Als ich meinen Klienten kennen lernte, war er sichtbar zur Gelassenheit entschlossen. Sein Lachen war einen Tick zu laut, seine Körperhaltung etwas zu locker, sein Blick eher antrainiert gerade. Er sei eigentlich, sagte er, total entspannt, was seine berufliche Situation beträfe. Mit Mitte fünfzig hatte er eine verantwortungsvolle Position in einer Bank. Nur eins fehle ihm: Die Perspektive. Sollte das jetzt bis zur Pensionierung so weiter gehen oder sollte er noch mal “ranklotzen“ und sich eine neue Herausforderung suchen? Zurück in das Vielflieger-Leben, das er früher so gern geführt hatte? Um genau zu sein, meinte er, habe er nämlich etwas ganz wichtiges verloren: Sein Bauchgefühl.
Früher habe er eine innere Kompassnadel gehabt, die ihn immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort brachte. Aber jetzt? Es gebe ja viele interessante Stellenanzeigen momentan, aber irgendwie wisse er im Moment nicht recht, was oben und was unten ist.
Irgendwann in seinem anspruchsvollen Berufsleben hatte sich seine Intuition unbemerkt verabschiedet. Wir kann man so was wieder finden? Gibt es da einen Erfahrungswert, a la recherche du Bauchgefühl? Kann man so was Unterbewusstes überhaupt bewusst ansteuern?
Ein Zeitschritt nach vorn. Kürzlich hatten wir unsere Abschluss-Sitzung. Das Coaching, meinte er, habe ihm viel gegeben, am besten: Sein Bauchgefühl sei wieder da. Es habe sich ja schon so eine Tendenz in unseren Sitzungen ausgeprägt, aber nun sei er sicher. Erstaunt hörte ich von einem unglaublich realistischen Traum, den er sich notiert hatte. Da ging es um unterschiedliche Wege in einen hellen, lichten Raum und um einen Beraterkoffer, der darauf wartete, mitgenommen zu werden. Jetzt kenne er seinen Weg, sagte er mit einem echt entspannten Lächeln. Vielflieger-Dasein? Das hatte er ja zur Genüge.
Wiebke Sponagel | Allgemein | Keine Kommentare | #