Sie sind ein echter Wadenbeißer, sagte ein Vorgesetzter seinem Mitarbeiter und meinte das anerkennend. Warum? Weil dieser beharrlich auf dem zugesagten aber regelmäßig vertagten Zielvereinbarungsgespräch bestand. Er wollte eine Verbindlichkeit herstellen, der sein Chef aus dem Weg ging.
Beharrlichkeit führt zum Ziel, so die landläufige Meinung. Wie bei allen Volksweisheiten ist da etwas Wahres dran, aber nicht immer und nicht überall. Möglich wäre ja auch, dass der Wadenbeißer seinem Vorgesetzten mit diesem Verhalten so nachhaltig auf den Wecker geht, dass er nur das Gegenteil von dem erreicht, was er will.
Sich ein Ziel zu setzen und immer dran zu bleiben, ist meistens hilfreich. Aber wenn das Ziel unrealistisch ist oder nur zu einem geringen Teil selbst kontrolliert werden kann, beisst man sich mit Hartnäckigkeit allein auch schnell die Zähne daran aus.
Aus Sicht eines Karriereberaters scheint es gar nicht so schwer, Klienten beim Jobwechsel zu begleiten: Es ist nützlich, bei den Bewerbungsunterlagen ein paar Regeln zu beachten, das USP des Klienten herauszuarbeiten und das Vorstellungsgespräch gut vorzubereiten. Das bedeutet etwas Aufwand und Arbeit, ist aber meistens erfolgreich, wenn, ja wenn der Klient darüber hinaus weiß, was er mit der neuen Stelle bezwecken will und was er überhaupt beruflich braucht.
Viele Wechselwillige verbinden mit dem Jobwechsel so große Bewährungsängste, dass sie kaum darauf kommen, auf ihre eigenen Belange zu achten. Das betrifft beispielsweise Fragen wie diese: Wollen Sie einen neuen Karriereschritt machen oder wollen Sie andere Ziele mit dem Jobwechsel erreichen? Brauchen Sie ein Büro für sich oder reicht Ihnen Ihr Laptop unter dem Arm? Welche Boni/ welche Gehaltsvorstellungen brauchen Sie? Wollen Sie Überstunden, sind Sie an Stress gewöhnt? Wollen Sie reisen? Vieles andere ist zu klären, bevor Sie auf Stellenangebote antworten. Erst dann können Sie im Bewerbungsgespräch die richtigen Fragen stellen, die Sie davor bewahren, beruflich in einer Fallgrube zu landen. Viel Erfolg dabei!
Wenn Sie momentan daran denken, sich beruflich neu zu orientieren, gibt es viel zu tun: Ihr Portfolio gilt es zu überprüfen, um eine Zwischenbilanz ziehen zu können und eventuell vorhandene Schätze oder verborgene Fähigkeiten zu finden. Sie sollten sich ein erreichbares Ziel setzen und herausfinden, was Sie alles tun müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Sind Hindernisse zu überwinden?
Aber vor allem: Gibt es Ballast, den Sie vor Ihrem Neuanfang besser los werden sollten? Dafür kommen eine ganze Reihe von Einstellungen in Frage, die Sie vielleicht belasten. Ein Beispiel: Menschen, die mit ihrer Vergangenheit hadern. Eine berufstätige Mutter sagt, sie habe eigentlich nichts richtig gemacht: Weder das Mutter-Sein, denn dann hätte sie mindestens sechs Kinder bekommen, noch den Beruf, denn dann hätte sie richtig Karriere gemacht. Eine zweite, sehr erfolgreiche Klientin sagt, eigentlich hätte sie auch gern Kinder gekriegt, aber das hätte sich nicht vereinbaren lassen. Eine dritte Frau, die den Beruf für ihre Familie aufgegeben hat, meint, sie hätte so gern beides verbunden...
Das Glück, so scheint es, liegt immer am anderen Ufer. Dabei könnte die erste Frau sich beglückwünschen, dass ihr die Gratwanderung zwischen Beruf und Familie gelungen ist. Die zweite könnte stolz sein auf ihre Erfolge im Beruf und die dritte auf ihre Errungenschaften als Vollblut-Mutter. Denn erst wenn es Ihnen gelingt, Ihr bisheriges Leben gut zu finden, können Sie ohne den Ballast des Selbstzweifels Ihre Neuorientierung anpacken.
Die klassische Bewerbungsmappe ist out. Immer mehr Unternehmen wollen Papierstapel vermeiden und wünschen ausdrücklich eine online-Bewerbung.
Auch Bewerber haben es dadurch auf den ersten Blick einfacher - keine Kosten mehr für Porto und Mappen, ein Mausklick, und die Bewerbung ist weg. Das kann freilich dazu verleiten, als Kandidat weniger sorgfältig vorzugehen: Einfach das Anschreiben umadressieren und fertig ist die Laube.
Aber denken Sie mal eine Sekunde an den Empfänger dieser Botschaft: Ein Standard-Anschreiben ist schnell als solches entlarvt und ein Rumpf-CV, der nicht auf die Anzeige zugeschneidert ist, auch. Unter Eigenschaften kann der Empfänger sowieso meist nachschauen, wann das Dokument entstanden ist und wie oft es überarbeitet wurde.
Die Empfehlung für online-Bewerbungen ist also einfach: Gestalten Sie sie mit genauso viel Achtsamkeit wie die gute alte Papier-Bewerbung, Ihre Karriere wird es Ihnen danken. Schließlich soll Ihre Bewerbung auf Stapel A landen, nicht im - elektronischen - Papierkorb.
Kaum zu glauben, bald geht es wieder ?bergab? in den Winter: Ab September wird die Zeit noch einen Tick schneller vergehen, und schwuppdiwupp ist wieder Weihnachten, und Neujahr, dabei war das doch eben erst, oder?
Hatten Sie sich nicht ?eben erst?, also beim letzten Neujahr, gute Vorsätze fürs Neue Jahr vorgenommen? Und, wie steht es damit? Haben Sie inzwischen Ihr Ziel erreicht? Der Hochsommer ist doch eine gute Zeit, um mal Zwischenbilanz zu ziehen, meinen Sie nicht? Wenn alles wie gewünscht geklappt hat, gratuliere ich Ihnen!
Falls nicht, können Sie vielleicht noch nachjustieren mit den folgenden Tipps:
Setzen Sie sich erreichbare Ziele. Nicht Ihr Nachbar oder Kollege, sondern Sie streben dieses Ziel an. Beziehen Sie Zwischenziele ein, bei deren Erreichung Sie sich mit irgendetwas, was Ihnen Freude macht, belohnen.
Setzen Sie sich Ziele, die unter Ihrer Kontrolle sind. Abteilungsleiter werden zu wollen, ist zum Beispiel ein Ziel, das nur teilweise unter der Kontrolle eines Angestellten ist ... da haben einige andere mitzureden.
Stellen Sie sich immer wieder vor, wie es sein wird, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben ? motivieren Sie sich mit so einem inneren Film!
Versuchen Sie, das Ziel messbar zu machen und prüfen Sie, ob es mit Ihren inneren Werten übereinstimmt .
Und denken Sie daran: Kleine Rückschritte sind verzeihlich, solange Sie das große Ziel im Auge behalten: Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.
Coachingthema: Erfülltes Leben und Ziele erreichen
Ganz zufällig, im Bahnhof bei der Umsteigepause, war meinem Coachingklienten diese Postkarte aufgefallen. Wer mit vierzig nur arbeitet, hat mit siebzig nie gelebt, stand da drauf. Eigentlich habe er was gegen solche Sinnsprüche, sagte er. Aber der da habe eine Lawine losgetreten in seinem Kopf.
Er arbeitete nämlich ziemlich viel. Er war es gewohnt, sich Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen. So war das immer gewesen. Auf dem Weg zum Ziel war der Blick nach vorn gerichtet, was im Moment passierte, diente der Zielerreichung. Deshalb war er immer unterwegs. Dass er den Moment auch schätzen könnte, weil er ihm so nie wieder begegnen würde, war ihm völlig neu. Er hatte sich immer gesagt, das Verweilen, das Innehalten, das hebt er sich auf fürs Rentner-Dasein.
Aber dann ist er siebzig, nicht mehr zweiundvierzig, wie jetzt. Lebt es sich mit siebzig noch wie mit vierzig? Wird man dann überhaupt verweilen wollen, oder vielleicht eher mal wieder arbeiten? Und wird man überhaupt siebzig? Wäre es nicht klüger, auch jetzt mal zu leben, statt nur zu arbeiten? Fragen über Fragen. Mein Klient hat gerade begonnen, darüber nachzudenken.
Karrierethema: Falsche Versprechungen im Bewerbungsgespräch
Wenn ein Bewerber im Vorstellungsgespräch nachweislich lügt, kann das für ihn üble Konsequenzen haben. Was aber passiert, wenn dem Kandidaten vom Unternehmen falsche Versprechungen gemacht werden? - Meistens nichts. Es kommt gar nicht so selten vor, dass dem Kandidaten Zusagen gemacht werden, die sich nach der Einstellung nicht oder anders materialisieren: Der Dienstwagen fällt dann zwei Nummern kleiner aus, oder an zugesagte Boni kann sich keiner mehr erinnern. Die Gründe können vielfältig sein, Umstrukturierungen sind einer davon. Manchmal sind die Vorgesetzten, die solche Zusagen machen, wenig später schon nicht mehr im Unternehmen. Manchmal will man aber auch einfach nur Bewerber ködern. Wie man kann sich als Bewerber davor schützen? Einmal natürlich dadurch, dass er auf der Schriftform für solche Absprachen besteht. Es sind Ihre Ziele, und Sie legen Wert darauf, sie zu erreichen. Zum anderen, indem er bei der zweiten Runde des Vorstellungsgesprächs möglichst viele Fragen stellt, die solche Enttäuschungen ausschließen. Instant-Vertrauen gibt es schließlich nur bei Flirt-Portalen im Internet!
Karriereknick wegen fehlender Vorgesetzten-Pflege?
Die Entscheidung kam aus heiterem Himmel - Andreas P. bekam einen neuen Chef vor die Nase gesetzt, die sonstigen Strukturen blieben gleich. Ganz klar, das war ein Karriereknick. Er fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen, und hatte schlaflose Nächte, in denen er sich fragte, was er trotz aller Überstunden und positiver Beurteilungen falsch gemacht hatte.
Dabei hatte er von Anfang an eine Ahnung. Wenn das Ganze etwas mit ihm und nicht mit undurchsichtigen und unabänderlichen Umstrukturierungen zu tun hatte, lief es nur auf eins hinaus: Er hatte das versäumt, was man neudeutsch manage your boss nennt. Ein paar Warnsignale hatte er wohl empfangen: Einladungen zu meetings, die er wegen der überbordenden Arbeit ausgeschlagen hatte. Im Kreis der Alphatiere hatte er sich zu selten gezeigt, auch die Kommunikation mit seinem bisherigen Vorgesetzten aufs Fachliche beschränkt. Sonst hätte er merken können, dass da manchmal Gesprächsbedarf bestand, der über das Tagesgeschäft hinaus ging - dass der Chef sich Entlastung wünschte, die er hätte organisieren können, oder wer weiß was für Erwartungen hatte. Wäre der Draht besser gewesen, dann hätte er dem Chef auch besser vermitteln können, wie hart er arbeitet, welche Erfolge er erzielt hat und welche Ziele er erreichen will.
Dass zu den vielen Tagesaufgaben, die der Job mit sich bringt, nun auch noch der Auftrag der Vorgesetztenpflege kommt, war ungewohnt für Andreas P. Das ist ja Stress pur, sagte er. Schon möglich, aber das ist es auch, wenn man Fahrrad fahren lernt. Irgendwann kann man es und fällt nicht mehr auf die Nase.
Downshifting: Ziele erreichen, die für Sie passen.
Führungsposition, Firmenwagen, Geschäftsreisen, irgendwie ist mir das alles gar nicht mehr wichtig, sagt mein Klient. Vor drei, vier Jahren wollte ich es noch allen beweisen, aber inzwischen brauche ich das nicht mehr. Was ich brauche, ist mehr Zeit für mich und Zeit für Freunde und Familie.
Eine klare Ansage. Geht es Ihnen auch so, dass Sie merken, meine Werte haben sich geändert, aber draußen im Alltag ist alles noch gleich? Dass Sie gern Ihr Innen und Außen wieder ins Gleichgewicht bringen möchten?
Im neuen Sprachgebrauch nennt man das Downshifting oder Runterschalten auf das Wesentliche. Es wird gern missverstanden als Mittel gegen Stress - was auch stimmt, aber nur im Nebeneffekt. Runterschalten bedeutet, dass Sie erkennen, was Ihnen im Leben wichtig ist. Sie fragen also nicht mehr, passe ich in diese Firma?, sondern umgekehrt, passt diese Firma unddieser Job zu mir? Wenn Sie dabei konsequent sind, werden Sie sowieso weniger Stress erfahren, denn dann ist Ihr Innen und Außen im Einklang und Sie haben mehr selbstgesteuerte Zeit.
Ein Luxusproblem in diesen Zeiten, sagen Sie? Man hat ja keine Wahl mehr? Genau das ist der Punkt. Wenn Sie das glauben, haben Sie auch keine andere Wahl mehr. Wer tagtäglich in der sogenannten Mühle steckt, hat einen Tunnelblick. Da ist es hilfreich, mal Abstand zu nehmen und auf die Suche nach dem eigentlich Wichtigen zu gehen. Sich Ziele zu setzen, die für Sie passen - gerade in diesen Zeiten!
Immer beliebter scheint das Assessment-Center zu werden: Um sich auf sogenannt objektive Art von Menschen zu trennen, die in umstrukturierten Firmen keinen Platz mehr haben, oder um auf sogenannt objektive Art Bewerber anzuheuern. Die Methode soll fair und objektiv sein, übrigens geht sie auf Rekrutierungsverfahren der deutschen Wehrmacht und später der US Army zurück.
Das Verfahren ähnelt sich in allen größeren Unternehmen, aber worum es bei den einzelnen Übungen genau gehen soll, wird den Teilnehmern nicht mitgeteilt. Ist der Sinn und Zweck der Gruppendiskussion beispielsweise, Überzeugungskraft zu zeigen, also Führungskompetenz, oder die Fähigkeit, zuzuhören? Oder etwa Teamfähigkeit oder Schlagfertigkeit oder....? Für Teilnehmer ist das wie ein Hundertmeter-Lauf, bei dem derjenige siegt, der den besten Hüftschwung hat.
Wissenschaftlich ist die Methode umstritten ? siegen wirklich die Besten oder nur Streber, die sich gut vorbereitet haben? Würde ein Firmenchef oder eine Firmenchefin in einem solchen Test gut abschneiden? Vermutlich nicht. Wenn Sie an einer solchen Prüfung teilnehmen sollen, hilft nur eins: Gut vorbereiten und gute Miene machen zum undurchsichtigen Spiel!
Gratulation. Sie haben den Arbeitsvertrag. Nur ein Ziel ist jetzt noch zu erreichen: Die Probezeit überstehen. Aber bedenken Sie: Es ist eine Probezeit für beide Seiten: Auch Sie als Firmen-Neuling oder Abteilungs-Neuling bekommen die Gelegenheit, zu testen, ob dieses Umfeld für Sie stimmt und ob es die gewünschten Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Für die Probezeit gibt es ein paar einfache Tipps - so einfach, dass sie bisweilen ignoriert werden.
Achten Sie auf die Sach- und auf die Beziehungsebene. Es kommt zum Beispiel nicht gut an, fachlich zu brillieren, also die übrigen Kollegen alt aussehen zu lassen und nur den Vorgesetzten zu beeindrucken. Wo viele Kollegen zusammen arbeiten, ist es wichtig, sich gut ins Team zu integrieren, um nicht gleich als Streber dazustehen.
Klären Sie möglichst früh die unausgesprochenen Erwartungen an Sie: An wen sollen Sie berichten? Welche Informationskanäle gibt es? Gibt es Konfliktparteien, zwischen deren Fronten Sie geraten könnten? Was ist für Sie ein ausgewogenes Arbeitspensum? Welche stillschweigenden Regeln gibt es? Wie ist die Firmensprache - eher locker oder eher förmlich?
Lassen Sie sich während der Probezeit Rückmeldungen vom Vorgesetzen geben, und nicht erst am Ende. So können Sie noch gegensteuern, falls etwas aus dem Ruder läuft.
Beobachten Sie die Mikropolitik und die sozialen Vernetzungen in der Firma. Gibt es Menschen, die viel Einfluss haben und die Sie in der Einarbeitungszeit - und bei Ihrer weiteren Karriere - unterstützen können?
Im neuen Jahr wird alles anders. Wir werden gesünder, gelassener, glücklicher - zumindest versuchen können wir es ja, diese Ziele zu erreichen. Sollte es zu Ihren Vorsätzen für das Neue Jahr gehören, am Arbeitsplatz weniger Stress zu haben, brauchen Sie sich eigentlich nur an ein paar wenige Leitgedanken zu halten, dann gelingt das:
Öfter nein sagen, und die Konsequenzen aushalten.
Meditieren
Bewegung.
So einfach ist das im Prinzip, da können Sie sich die "Time-Management-Kompendien" sparen. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn wer gewohnheitsgemäss über zehn Stunden täglich arbeitet, ist ein workaholic, ein Süchtiger. Er kann nicht anders, und schon gar nicht kann er "nein" sagen. Das würde nämlich bedeuten, von einem Tag auf den anderen als "Kollegenschwein" dazustehen und ausserdem "Freizeit" zu haben. Die meisten Arbeitssüchtigen wissen nicht, was sie mit Freizeit anfangen sollen. Work-life-balance ist ein Fremdwort für sie. Also bleiben sie beim vertrauten Muster: Arbeiten bis zum Umfallen. Neudeutsch heisst das "burnout". Wenn Sie testen möchten, ob Sie den Stress beherrschen oder umgekehrt, klicken Sie hier. Alles Gute für Ihre Stressbewältigung!
Der neue Arbeitsvertrag ist unterzeichnet, die Freude ist gross. Daran, dass das Arbeitsverhältnis schon nach kurzer Zeit enden könnte, mag man in dem Moment nicht denken.
Carte blanche für den florierenden Ratgebermarkt, online oder in Buchform: Berufseinsteiger, passt auf, sagen die Karriere-Experten, das Damoklesschwert Probezeit hängt über Euch! Macht Euch beliebt, kauft die richtigen Klamotten, seid nicht besserwisserisch, arbeitet auch mal länger...
Alles Rezepte, die irgendwie nach Muttern klingen. Eine Klientin von mir wollte alles richtig machen und hatte sich strikt an sie gehalten. Auch an den Ratgeber-Tipp, neue Aufträge von Vorgesetzten mitzuschreiben, damit sie nicht immer Rückfragen stellen müsste. Im Abschlussgespräch nach nicht bestandener Probezeit sagte man ihr, dass ihre Neigung zu Notizen irritieren würde, und warum sie nicht mal eine Frage gestellt habe?
Sie ahnen, worauf es ankommt, wenn Sie die Probezeit bestehen wollen? Vergessen Sie die Null-Acht-Fünfzehn-Ratschläge. Finden Sie heraus, wie der "psychologische Vertrag" in Ihrem Unternehmen aussieht: Welche Erwartungen hat man an Sie - in Bezug auf Ihre Leistung, Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. Beobachten Sie aufmerksam die Firmenkultur und wie Sie dazu passen. Wenn zu wenig passt, können Sie ja innerhalb der Probezeit kündigen...
Mein Klient, knapp über dreissig, im mittleren Management einer Bank, hatte das "Goldene-Käfig-Gefühl": Er hatte einen Arbeitsplatz mit ausgezeichneten Rahmenbedingungen und guten Bezügen, merkte aber, dass seine Karriere wie eingefroren war, und dass er kaum mehr Spass an der Arbeit hatte. Er käme in dem Laden nicht mehr weiter, meinte er. Er hatte nun die Wahl, sich aktiv auf Jobsuche zu machen oder sich bei einem Online-Netzwerk wie Xing, experteer, LinkedIn o.ä. zu registrieren und abzuwarten.
Da er unter keinem akuten Zugzwang stand, entschied er sich für letzteres. Und siehe da, ein paar Wochen später rief ein Personaler an und bot ihm eine wie auf ihn zugeschnittene Stelle an, mit mehr Verantwortung - der erhoffte Karriereschritt war da. Die neuen Führungsaufgaben lässt er aber nicht "auf sich zukommen" - die bespricht er mit seinem Coach in einem Begleit-Coaching. Das Goldene-Käfig-Gefühl soll so schnell nicht mehr aufkommen.
Als Autonarren haben wir Deutschen einen Trend mitgeprägt, der sich an den meisten Neuwagen zeigt: "Mehr Sicherheit" durch weniger Verantwortung. Das Navi erreicht sein Ziel automatisch, das Einparksystem steuert in die Parklücke, das ESP verhindert, dass der Wagen seitlich ausbricht, und Prallkissen aus fünf Richtungen dämpfen selbst das äusserste Unsicherheits-Szenario, den Un-Fall.
Auch für Karriere und Beruf gibt es automatisierte Luftsack-Einheiten. Immer mehr Unternehmen praktizieren eine neue Form der Verantwortung für ihre Mitarbeiter: Sie haben interne Fitness-Programme, um die "Performance" der MA zu sichern, sie entwickeln Gesundheitskonzepte. Längst werden den einzelnen Mitarbeitern jährlich Ziele gesetzt. Manche Firmen bieten vom Umzugs- zum Hemdenbügel-Service alles an, um den Mitarbeiter "zu entlasten".
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich frage mich manchmal, können die Menschen in diesen vollautomatisch sicheren Autos überhaupt noch fahren?
Ist Coaching gut für mich? Was Klienten mitbringen sollten, damit ein Coaching gelingt
Die Frage oben höre ich manchmal im Kennenlern-Gespräch. Schwierig, schwierig zu dem Zeitpunkt, weil Coach und Interessent sich dann ja naturgemäss zum ersten Mal sehen.
Beide Seiten wollen wissen, ob sich die Investition lohnt: Der Interessent, der sein Geld in seine persönliche Entwicklung stecken will, und der Coach, der sich fragt: Wird mein Handwerk fruchten oder sitzt da ein "Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass-Kandidat?"
Wissenschaftler der City University in London haben untersucht, welche Faktoren auf Klientenseite dazu beitragen, das Coaching erfolgreich zu machen. 110 Berufstätige, quer durch die Hierarchien, waren dabei. Das Ergebnis ist einfach und bestechend. Hier sind die "magic three", die Klienten demnach von Coachings profitieren lassen: Gewissenhaftigkeit, Offenheit und Mut. Gewissenhaften Menschen gelingt das "Selbst-Management" besser, Offenheit ist Voraussetzung für Selbst-Reflektion und Mut braucht?s, um die "Comfort-Zone", also die Wohlfühl-Zone zu verlassen und sich auf zu machen zu neuen, unbekannten Territorien. Mehr dazu hier: www.business.brookes.ac.uk/research/areas/coaching&mentoring/volume/stewart.pdf
"Hiermit bewerbe ich mich ...". So begannen im vorigen Jahrhundert Bewerbungen, und drum ist die Floskel jetzt "out.". Eine Bewerbung hat nicht nur adressatenorientiert zu sein, sondern auch zeitgemäss: In der Werbebranche bewirbt man sich kreativ bis bunt, in der Bankenbranche seriös-dezent, immer mit aktuellem Wortschatz.
Was kann schief gehen? Z.B., dass das Anschreiben nur aus ich-Botschaften besteht. Nicht nur über den Bewerber will der Arbeitgeber lesen, sondern auch ein paar Zeilen über "sich selbst". So weiss der Adressat, dass der Kandidat sich mit dem Wunschunternehmen beschäftigt hat.
Und noch etwas: Achten Sie bei Ihren Ich-Botschaften auf den Tatsachengehalt. "Ich bin kommunikativ" ist beispielsweise eine Selbsteinschätzung, ebenso könnten Sie schreiben, "ich bin die Beste". Wenn Sie aber schreiben, "meine kommunikative Stärke wurde bei schwierigen Vertragsabschlüssen geschätzt", liefern Sie eine Aussen-Perspektive auf sich - wirkt gleich viel überzeugender.
Aber Stilblüten und auffällige Wendungen finden sich nicht nur in Bewerbungs-Briefen. Jedesmal, wenn ich in den Antworten der Personal-Abteilungen das voran gestellte und damit markierte "gerne" lese, denke ich, "gerne würde ich jetzt meinem Brechreiz folgen..."
Haben Sie mein letztes Posting gelesen, da wo et um Aufschieberitis ging? Ich hatte meinen Lesern da u.a. die Empfehlung gegeben, eine Art individuellen Mantra-Spruch an den Spiegel zu kleben. Neee, kam bald darauf ein Einspruch von einer geschätzten und aufmerksamen Klientin: So geht das nicht. Sobald der Spruch ein paar Tage hängt, meinte sie, wird das Ding zur Dekoration. Man sieht es schlicht und einfach nicht mehr. Viel besser ist es, sagte sie, sich einen individuellen Strategie-Plan zu machen, und den jeden Tag oder bewusst zu einer bestimmten Zeit durchzugehen. Da ist was dran, oder?
Wenn Sie sich also selbst zu Ihren Zielen steuern oder coachen wollen, brauchen Sie zweierlei: Klarheit über Ihre Ziele und Vertrauen in Ihre Selbst-Steuerungskräfte. Das heisst ím Umkehrschluss, Sie dürfen auf Fremdsteuerung weitgehend verzichten. Also haben Sie mit einem Mal eine Menge Rechte:
Sie dürfen sich entscheiden, ohne sich zu rechtfertigen.
Sie dürfen Fehler machen, wenn Sie bereit sind, die Verantwortung für die Fehler zu übernehmen.
Sie dürfen Fragen nicht beantworten.
Sie dürfen sich vom guten Willen anderer unabhängig machen.
Sie dürfen "logische Argumente" ablehnen, wenn es um die Lösung Ihrer eigenen Probleme geht.
Sie dürfen darauf verzichten, auf Ansprüche oder Bedürfnisse anderer Menschen zu reagieren.
Sie haben das Recht, sich mit Ihren Charakterfehlern abzufinden und von Ihren Mitmenschen zu erwarten, dass sie das auch tun.
Und wenn ich all das tue, höre ich da einen Zyniker unter Ihnen sagen, bin ich am Ende allein. Tja, liebe Leser, ganz klar: Wie bei dem "Spiegel-Trick" oben geht es bei solchen "Selbst-Steuerungs-Regeln" immer auch um eine situativ angemessene Dosierung, sonst wird alles irgendwie zur sinnlosen Dekoration...
Lieber morgen als heute - was tun bei Aufschieberitis?
Mein Coaching-Klient lächelt mich zerknirscht an. Die Hausaufgaben habe er nicht geschafft, sagt er - ich wisse ja, er leide unter "Aufschieberitis". Der Wunsch ist klar: Coach, erlöse mich von dem Übel, sagen die Augen, und sie wissen gleichzeitig: Nur er selbst kann das. Aber wie???
Zaubern kann ich nicht, aber es gibt ein paar allgemeine Tipps, hier sind sie:
Gewinnen Sie Klarheit darüber, was Sie wirklich wollen und warum Sie es wollen. Vielleicht hilft es, sich einen "Mantra-Satz" an den Spiegel zu kleben, um daran erinnert zu werden. Oder weihen Sie Freunde, Partner, Mitbewohner oder Ihren Coach ein.
Setzen Sie sich nur Ziele, die für Sie auch erreichen können, planen Sie, wie Sie das Ziel in verdauliche Zwischenetappen einteilen können.
Überlegen Sie vorher, was Sie an der Zielerreichung hindern könnte und welche Blockaden es zu überwinden gilt.
Setzen Sie sich einen Termin und einen Anreiz: Wenn Sie es bis dahin schaffen, belohnen Sie sich!
Wenn nicht, überlegen Sie, woran es gelegen hat: Hatten Sie keinen Antrieb, oder "ist soviel dazwischen gekommen", d.h. Sie haben sich abbringen lassen von Ihrem Ziel? Was für einen Nutzen hatten Sie davon, ihr Ziel doch nicht zu erreichen? Ist der vielleicht wertvoller als der Anreiz, den Sie sich in Aussicht gestellt hatten?
Geben Sie sich auf jeden Fall eine neue Chance. Niemand ändert sich von jetzt auf gleich, lassen Sie sich Zeit.
Am wichtigsten ist natürlich, dass Sie die Ursache für Ihr Aufschiebe-Verhalten finden. Sind Sie ausgebrannt, sehen Sie keinen echten Nutzen in dem, was Sie sich vornehmen, gehört das neue Ziel "eigentlich" gar nicht zu Ihnen? Und wenn Sie "den Wald vor lauter Bäumen" nicht sehen, holen Sie sich Unterstützung für Ihre Ursachen-Forschung!
Beim Flirten ist es essentiell, das Gegenüber aufmerksam wahrzunehmen. Zu sehen und zu fühlen, wer da ist und was diese Person einzigartig macht. Genauso ist es, wenn Sie eine neue Position antreten, und um so mehr, wenn es eine Führungsposition ist.
Viele neue Führungskräfte gehen mit einer Art naivem Pragmatismus ans Werk. Sie sagen sich, mein Ziel ist erst mal erreicht, und das wird schon, wenn ich erst mal die Ärmel aufkremple. Dann werden die neuen Aufgaben mit viel Begeisterung angepackt und plötzlich klemmt es überall. Widerstände machen sich bemerkbar, Hindernisse, Verzögerungen - vollkommen unerwartet. (?)
Ist doch eigentlich komisch. Vor Bewerbungsgesprächen scheuen Kandidaten kaum Kosten und Mühen, um sich optimal vorzubereiten. Beim Antritt der ersten Führungsposition im Leben aber gilt mehrheitlich das Beckenbauer-Prinzip "schaun mer mal."
So mancher Karriereknick könnte vermieden werden, wenn die oder der "Neue" den ungewohnten Führungsaufgaben mehr Aufmerksamkeit und Vorbereitung widmen würde. Zum Beispiel sollte sich die neue Führungskraft vorher einen Fragenkatalog erarbeiten, die um eigene Erwartungen und die von Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern kreisen. Sie sollte auch überlegen, welche Erfolgskriterien in dem System möglicherweise relevant sind.
Einfacher ist es freilich, sich wie vor der Bewerbung auch dafür einen Profi zu holen, der mitdenkt und begleitet. Einen Begleitcoach für die neue Führungsposition. Der hat vielleicht noch ein paar Tipps in der Schublade, damit aus Ihrem Flirt mit der neuen Stellung eine dauerhafte Beziehung wird...
Die mail wurde irgendwann am späten Nachmittag nordamerikanischer Zeit abgeschickt "danke für Ihre Unterstützung", hiess es darin, "ich habe den Job"!
Meine Klientin hatte ihr Ziel erreicht. Sie hat eine umkämpfte Stelle in den USA bekommen. Obwohl sie hochqualifiziert ist, hatte sie Bedenken - ob sie den dortigen Anforderungen gerecht wird, wie sie die Trennung vom Lebensgefährten bewältigen kann, ob die Sprachkenntnisse reichen, ob sie mit der Mentalität klar kommt. Sie hat diesen Hemmnissen oder möglichen Blockaden ins Auge geschaut und sich mit ihnen auseinander gesetzt.
Systemisch betrachtet hat sie die "schwachen Glieder" in ihrer Selbstbewusstseinskette während dem Coaching wahrgenommen und gestärkt. Ein System wächst solange, bis es durch einen Engpass begrenzt wird, sagt die "Theory of Constraints". Mehr dazu hier. Deshalb gilt es, Engpässe zu "weiten" - erst dann kann das "System", egal ob Mensch oder Unternehmen, wieder ungehindert "fliessen". Als aufmerksamer Leser bemerken Sie, dass ich hier nicht "funktionieren" schreibe, obwohl das zum Wortfeld des Systems besser passen würde. Ich habe halt etwas gegen Technokratendeutsch. Alles ist im Fluss, liebe Leser. Erkennen Sie Ihre Blockaden und kommen Sie gut an Ihre Ziele!