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5.4.09

Coachingfrage: Entscheiden bei Stress und Tunnelblick?

Ich habe das Gefühl, ich arbeite so viel, dass ich gar nicht mehr klar denken kann, sagte mein Coaching-Klient. In der Tat zeigte sein Wochenplan, dass bei diesem Zeitmanagement abends gerade noch die Nahrungsaufnahme und, wie er das nannte, ein Absacker vor dem Fernseher möglich war. Gesprächig war er dann nicht mehr, berichtete er, seine Frau kannte das schon.

Nun hatte er aber eine wichtige Entscheidung zu treffen, über eine Beförderung, die ihm angeboten wurde. Ich sage Ihnen, ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll. Mal denke ich, mach es, dann wieder, mach es nicht, ich habe überhaupt kein Gefühl mehr dafür, was richtig ist.

Wie meinem Klienten geht es den meisten Stressgeplagten: Sie können nicht mehr Prioritäten setzen, haben kein Bauchgefühl mehr. Sie kennen nur noch eins: Den Tunnelblick, der ihnen sagt, weitermachen, egal wie.

Wer nicht rechtzeitig die Reißleine zieht und Abstand gewinnt, um nachzudenken und zu fühlen, wird ziemlich sicher eine Fehlentscheidung treffen. Entscheidungen mit Tragweite brauchen Zeit. Stressgeplagte können nicht entscheiden, weil sie extrem fremdgesteuert sind und die Kontrolle über ihre eigene Zeit größtenteils verloren haben. Lassen Sie es nicht so weit kommen, liebe Leser - bleiben Sie Ihr eigener Zeitsouverän und retten Sie sich kleine Ruheinseln!

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17.2.08

Karrieretipp: Weiterbildung für Eilige

"Keine Zeit für Weiterbildung" ist auch im stressgeplagten mittleren Management keine Ausrede mehr. Es gibt längst Bildungs-Konzepte, die in minimaler Zeit Wissensmodule vermitteln. In dem immer grösser werdenden Markt für Berufstätige mit kleinem Zeitbudget schwimmt das Angebot der Open University ganz vorn mit. 1969 als staatliche Universität in UK gegründet, operieren die OU und ihr Ableger OU Business School inzwischen in ganz Europa.

Für das Segment der "Kompakt-Lerner" bietet die OU zum Beispiel ein 30 Stunden-Online-Programm an, bei dem mit persönlichem Tutor gelernt werden kann. Im sogenannten CPD-Programm (Continuing Professional Development) gibt es Kurse zu den Themen Führungsverhalten, Personalentwicklung, Finanzwirtschaft, IT, Gesundheitswesen - you name it, they have it, und anfangen kann man jederzeit. Mehr dazu hier .

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13.10.07

Zeitmanagement: Über Zeitfenster und anderen Blödsinn unsrer Zeitkultur

Bestimmt sind Ihnen auch schon diese Neusprechler begegnet, die, mit ihren BlackBerries verwachsen, klein und kleiner werdende Zeitfenster beklagen, oder sich bei der Terminabsprache nach Ihren "Zeitfenstern" erkundigen.

Was ist das eigentlich, so ein "Zeitfenster"? Sind wir schon Mutanten eines allgegenwärtigen Computerprogramms, die sich selbst morgens "anklicken" und wahlweise nach Icons funtionieren? Gibt es dann auch ein "Sinn-Fenster" und ein "Freizeit-Fenster?" Oder werden Zeitfenster gelegentlich geöffnet, um mehr Zeit einströmen zu lassen? Und wieso werden die eigentlich immer kleiner?

Sie meinen, das sind philosophische, also unnütze Fragen?

Finde ich nicht. Sprache spiegelt das, was in der Gesellschaft und der Arbeitswelt los ist. Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Zeitfenster. Da hatte man Zeit oder man hatte keine, was an sich ja auch Blödsinn ist. Schliesslich besitzen wir die Zeit nicht, eher umgekehrt. Die Uhr tickt. Wer früher stirbt, ist länger tot - erst dann "hat" man keine Zeit mehr.

Aber lassen Sie sich nicht irritieren, liebe Leser. Wenn Sie Zeit haben, prima: Dann machen was draus oder schauen Sie einfach mal zu, wie sie vergeht... oder brauchen Sie vielleicht dafür ein Zeitfenster?

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14.7.07

Wie kann ich Stress abbauen? - Übung: Hören, wie der Moment klingt.

Geht es Ihnen manchmal so, dass Sie nach der "Abwicklung" eines möglichst reibungslosen Tagesablaufs abends gar nicht mehr wissen, wohin die Zeit gegangen ist?

Wenn Sie sich dann wünschen, sich und Ihre Zeit zu "sammeln", probieren Sie mal diese kleine Übung:
  • Suchen Sie sich einen ruhigen Ort zum innehalten und schliessen Sie die Augen. Konzentrieren Sie sich auf den Moment und auf sich.
  • Fragen Sie sich, in welcher Beziehung Sie momentan zu Ihrer Umwelt stehen und wer und was Sie jetzt gerade sind. Achten Sie auf Ihren Atem, auf die Geräusche um Sie herum. Gehen Sie mit Ihren Ohren ein bisschen in der Nachbarschaft spazieren und geben Sie sich dem Augenblick hin.

Wunderbar, wie gut so ein Moment klingen kann...

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15.6.07

Es geht um Ihre Zeit - Neues zum Downshifting

Ich schalte das Radio ein, hr2 bringt einen Themenabend über "Meine Firma, mein Leben." Es geht um Unternehmen, deren Mitarbeiter von A bis Z gepampert werden - da gibt es eine Krabbelstube, eine Massage zwischendurch, günstige Fitness-, und Reiseangebote, gemeinsame "Events", Gesundheitschecks, einen Einkaufs-, Wasch-, und Bügelservice. Motto: Wir kümmern uns, verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit Nebensächlichem, geben Sie sie uns. Dieser Pakt, der eine totale Identifikation mit den Unternehmenszielen fordert, hat zwei Folgen: Die Mitarbeiter arbeiten bis zum Umfallen, weil sie meinen, sie hätten gegenüber soviel Freundlichkeit eine Bringschuld. Und ganz nebenbei verlieren sie ihre Urteilskraft, denn wer sich so umfassend identifiziert, hat keine Distanz mehr.

Andere Baustelle: Das OLG München (AZ 25 0 19798/03) urteilte kürzlich, dass eine Versicherung eine Berufsunfähigkeitsrente an einen Manager zu zahlen habe, der genau das getan hat: Arbeiten bis zum Umfallen. Nach 20 Jahren rund-um-die Uhr-Arbeit für einen Finanzdienstleister, der jährlich 14 Milliarden Euro umsetzt, erlitt er 2001 einen Zusammenbruch. Die Versicherung, bei der er eine Berufsunfähigkeits-Police abgeschlossen hatte, weigerte sich, zu zahlen. Die Sache ging durch die Instanzen, jetzt hat der Manager Recht erhalten: Er bekommt rückwirkend 148.00 Euro Rente ausbezahlt und 65.000 Euro Versicherungsbeiträge zurückerstattet.

Und schliesslich noch ein Puzzlestück zum Thema. Was, meinen Sie, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zur grössten Gesundheitsgefahr für das 21. Jahrhundert erklärt? HIV? Die Vogelgrippe, den Rinderwahn, sonstige Seuchen? Nein, die Antwort lautet Stress. Die volkswirtschaftlichen Folgen von stressbedingten Krankheiten und Ausfällen sind enorm. Und was lernt die Volkswirtschaft daraus?

Solange die Gleichung "je grösser der Zeitmangel, desto wichtiger die Person" gilt, recht wenig, fürchte ich. Aber viele haben erkannt, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist, und das nicht erst seit es das Label "Downshifting" gibt. Sie schalten zurück und nehmen weniger Einkommen in Kauf, für mehr Zeit, Selbstverantwortlichkeit und Sinn in ihrem Leben.
Auch ein Pakt, der eine Überlegung wert ist, finden Sie nicht?

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12.4.07

Coachingthema Zeit: Sagen Sie "nein" zu multitasking!

Liebe Leser aus der Blogosphäre, letzte Woche schrieb Ihr Internet-Coach hier über das downshifting, den Trend zum einfachen Leben mit mehr Zeit für sich. Diese Woche geht es mir auch um Ihre Zeit, nämlich um das vermeintliche Zeitsparen durch "Multitasking".

Gleichzeitig mehrere Dinge tun, das nannte man früher miesepetrig "sich verzetteln". In der heutigen Berufswelt ist das nicht nur schick, sondern ein "must" unserer Gegenwarts-tauglichkeit geworden. Sie haben zwei Ohren und können Sie nicht gleichzeitig an zwei Telefonen reden und dabei in den Computer häckern? Sind Sie etwa ein Dinosaurier?

Selbst da, wo man sich ehedem "Zeit liess", nämlich beim Kennenlernen und Verlieben, ist neuerdings Multitasking angesagt: Speed-Dating heisst die Vorliebe moderner Paarungswilliger, an einem Abend 20 bis 30 Gleichgesinnte zu treffen, um mit möglichst wenig Zeitverlust einen geeigneten Kandidaten für das Lebensglück zu finden.

Zuviel Rennerei und zuwenig Zauber, sagen Sie? Willkommen im Klub der Dinos.
Nach einer im Januar erschienenen Studie sind wir, wenn?s um die Abläufe im Gehirn geht, wirklich eher Dinosaurier. Neurowissenschaftler der Vanderbilt-University zeigen, dass unser Gehirn gleichzeitig sich stellende Aufgaben nacheinander "abarbeitet", indem es sie in einer "neural queue", also einer neuronalen Anstell-Schlange organisiert. Dies bedeutet allerdings "Zeitverlust", beziehungsweise eine verlangsamte Reaktionszeit.

Die Nachricht schlug ein im Herkunftsland der Multitasker: Newscoverage selbst in der New York Times. Artikel darüber wurden sofort mit dem üblichen Warnschuss der "Management-Berater" garniert: Wirtschaftsbosse, überforderte Multitasker kosten Euch Milliardenverluste!!

Wem nutzt´s? Ihnen, liebe Leser, bestimmt. Denn Sie wissen jetzt: Sequenzielles Arbeiten ist besser und nebenbei auch stressfreier. Lassen Sie sich aber nicht zuviel Zeit damit, dieses Wissen auch umzusetzen..!

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5.4.07

Downshifting - einfacher leben als Wert

Machen Sie das auch so gern, einen heissen Espresso schlürfen und dabei Zeitung lesen? So einfach, so schön ist das, ein autoerotischer Moment, der anderswo in unserer Konsumwelt gnädig unter "Du darfst" firmiert.

Das Glück, sich etwas Einfaches zu gönnen, hat schon viele Namen bekommen, der Neueste heisst "downshifting" und kommt ? Sie erraten es, aus den Staaten. Dort hatte man im letzten Jahrhundert den "workaholic" erfunden, den Menschen, der zwanghaft arbeitet und nichts mehr kennt als Arbeit. Grund: Mit sich selbst kann er nur wenig anfangen - er oder sie weiss eigentlich nicht, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist und wie man sie sinnvoll füllt.

48 Prozent der Amerikaner gaben laut DER SPIEGEL bei einer Umfrage an, dass sie eine Beförderung abgelehnt, eine Verminderung ihrer Arbeitszeit erwirkt oder gar vollkommen aussteigen sind aus der Überstundenmühle. Sie brechen auf in ein einfaches Leben, verzichten auf die vormals hohen Gratifikationen und nehmen sich Zeit. Sie erkunden, was für sie sinnvoll ist im Leben, bevor sich der Sargdeckel schliesst.

Gut, wenn workaholics auf die Art die Notbremse ziehen noch zu "Sinnen" kommen.
Bedauerlich allerdings, dass Zeit ein Luxusartikel geworden ist, den zu "besitzen" nur dem erlaubt sein soll, der vorher bis zur Selbstverleugnung gearbeitet hat.
Eine erholsame Osterzeit wünscht Ihnen
Wiebke Sponagel

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20.10.06

Coachingthema Zeitmanangement: Mensch, nimm Dir Zeit!

"Tut mir leid," höre ich manchmal in meinen Beratungen, "da bin ich nicht zu gekommen".
Kombiniert mit einem freundlichen Dackelblick und ebensolchen Worten heisst das oft im Klartext, "Coach, kannst Du das für mich machen?"

Delegation ist prima, Delegation entlastet, und wenn ich als Coach bestimmte Dienstleistungen anbiete, die über die Beratung hinausgehen, ist das okay. ABER, liebe Leser, nicht okay ist es, wenn Sie als Klienten nur noch Ihrer eigenen Zeit "hinterher" rennen, nur noch "funktionieren" als Rädchen im Getriebe und kaum noch einen eigenen Gedanken fassen wollen oder können.

Immer wieder gibt es bestürzende Meldungen über die Zeit, die in Partnerschaften zum Miteinander Reden genutzt wird: Je nach Untersuchung variiert das von täglich sechs bis neun Minuten. Elektronische Zeitplaner verfügen über uns, nicht wir über sie: Jede Minute ist verplant, das gute alte Gespräch als Gedankenaustausch passt wohl nicht mehr ins Konzept. Es ist gekommen, wie Hannah Arendt es vor 50 Jahren in ihrer "vita activa" vorhergesagt hat: Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, die sich in Arbeit und Konsum erschöpft. Ein bisschen "vita contemplativa", zur Wiederherstellung unserer geistigen Integrität würde uns manchmal gut stehen.
Also, liebe Leser, denken Sie mal darüber nach und nehmen Sie sich Zeit dafür...

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20.9.06

Ein Jahr Coachingnews, frisch eingebloggt

Jetzt im September, liebe Leser, ist mein weblog ein Jahr alt. Anfangs dachte ich, es wird schwierig sein, regelmässig so über Coaching- und Karrierethemen zu schreiben, wie ich das vorhatte. Viele meiner Kollegen machen das ja auch, aber da ist mir Einiges zu "ratgeberisch", Manches zu persönlich, Manches nicht persönlich genug und Vieles ohne Unterhaltungswert.

Mein Blog sollte anders sein. Ich wollte Ihnen schmackhafte Miniaturen zum Thema Beratung bieten, aus meinem persönlichen Blickwinkel und mit einer Prise Ironie, dazu ein paar Informations-Happen, die für Sie nützlich sein könnten.

Inzwischen laufe ich mit Blog-Antennen durch die Gegend: Ideen für meine Postings begegnen mir überall, denn überall gibt es Veränderungen und Raum für neue Sichtweisen. Meine Webeinträge sind ein Ausguck geworden - egal, ob ich mir da alltagsweltliche Frauen und Männer (Merkel, Klinsmann) anschaue oder arbeitsweltliche Themen wie Zeitmanagement, Karriereentscheidungen und verallgemeinerbare Probleme aus meinen Beratungen.

Ich danke Ihnen, liebe Leser, dass Sie hier immer wieder vorbei schauen und mir teils persönlich, teils per e-mail Rückmeldungen und Anregungen zu meinen Veröffentlichungen geben. Neulich fragte jemand, wollen Sie das nicht mal ordnen nach Themengebieten? Darüber denke ich gerade nach - was meinen Sie, wäre mehr Ordnung hilfreich oder ist es gut, sich weiter von einer bunten Mischung überraschen zu lassen?

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8.5.06

Coaching: Zeitgeschenke an Arbeitgeber und die Sinnfrage

Am Wochenende traf ich bei einer Feier einen IT-Projektmanager, mit dem gut Plauschen war über die gegenwärtigen Wandlungsprozesse in deutschen Unternehmen. Es dauerte nicht lang, bis wir feststellten, dass wir vollkommen unterschiedliche Wahrnehmungen dieser Prozesse haben: Die Mitarbeitersicht und die des Unternehmens. Und was meinen Sie, wann der Streit so richtig losging?

Als ich meinte, Zeit ist zum Luxusgut geworden, und was dem Einzelnen meisten fehlt, ist sinnvoll gefüllte Zeit. Da schäumte mein Gegenüber, der vorher berichtet hatte, dass er bis Nachts um eins sein neues Notebook konfiguriert hatte. Da sei ja der Hund begraben - der Deutsche an sich sei einfach nicht motiviert, und Arbeit zu haben sei doch Sinn genug...!

Ist es nicht ulkig, dass ich nun heute über die Meldung stolpere, dass Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich zweieinhalb Stunden mehr pro Woche arbeiten als vertraglich vorgesehen?
Diese Überstunden werden meist nicht bezahlt: In 2005 sind nur noch 15 Prozent aller geleisteten Überstunden bezahlt worden, zu Beginn der 1990er Jahre waren es noch die Hälfte der Überstunden, auch Freizeitausgleich gibt es kaum. Kurz, wir schenken unseren Arbeitgebern das Kostbarste, was wir haben: Lebenszeit, denn Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Übrigens leiden Mitarbeiter der IT-Branche bis zu vier Mal häufiger als andere Beschäftigte an stressbedingten Beschwerden und Burnout. Ist es sinnvoll, soviel zu arbeiten, bis psychosomatische Erkrankungen uns endlich das Arbeiten "verbieten"?

Die Sinnfrage selbst scheint Luxus geworden sein - gut, dass immer mehr Menschen sie stellen...!

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27.4.06

Karriere: Arbeitszeit im Wandel: Binge-Working

Was haben wir nicht alles der anglo-amerikanischen Fähigkeit zu verdanken, vielversprechende Managementkonzepte zu ersinnen und zu verkaufen:

Die System-Gastronomie, damit wir systematischer essen, work-life-balance, weil Ausgeglichenheit uncool klingt, JIT, damit mehr Laster unseren Strassenverkehr und Toll Collect bereichern.

Seit geraumer Zeit gibt es nun wieder einen schönen Begriff für unser Management-Vokabular, binge-working. Hoppla, sagen die Anglophilen unter Ihnen, das kannte ich doch bisher nur als binge-drinking, zu deutsch Koma-Saufen! Richtig assoziiert, aber hier geht es um Arbeit bis zum Umfallen, um maximalen Arbeitsaufwand mit - später! - maximalem Freizeitausgleich.

Zum Beispiel, manche von Ihnen kennen das aus der Projektarbeit, man arbeitet ein halbes Jahr dauernd, 12-14 Std. täglich, auch an Samstagen, und hat dann ein halbes Jahr frei. Oder, man arbeitet nur an drei Tagen die Woche 12 Std. und hat dafür ein verlängertes Wochenende, oder, oder, oder.

Offensichtlich gibt es quer durch unterschiedliche Altersgruppen eine Nachfrage nach solchen "flexiblen" Arbeitskonzepten, die periodisch extremen Arbeitseinsatz fordern. Firmen, heisst es, "kommen dem entgegen" und schaffen diese Arbeitsmodelle. Oder war es umgekehrt?

Flexibel sein ist eine Forderung unserer Zeit. Sie hat durchaus gute Seiten, wenn sie uns befähigt, aktiv am Wandel teilzunehmen.

Aber beim binge-working muss ich mein Coach-Haupt schütteln - das ist bedingungslose, temporäre Selbstaufgabe. Der Rhytmus arbeiten-schlafen-arbeiten bringt nur eins, er züchtet Maschinenmenschen ohne Sozialkontakte und ohne Bezug zu den eigenen Bedürfnissen.

Und was macht man, wenn die ganze work-life-balance eh beim Teufel ist? Binge-drinking. Vielleicht finden sich ein paar andere anonyme workaholics dafür....

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13.4.06

Coaching-Thema Stress: Wir sind Platzeck. Moderne Opfer-Kulte.

Kurz vor Ostern, dem Fest der Erlösung, ist Matthias Platzek aus gesundheitlichen Gründen als SPD-Chef zurückgetreten. Angeblich schwamm eine Träne in seinem Auge, und allen war klar, freiwillig macht er das nicht. Die Ärzte, hiess es, haben ihm dazu geraten.

Bedauerlich.
Nicht, dass mir der SPD-Vorsitz mit Platzeck so am Herzen läge, nein: Bedauerlich, dass Platzeck nicht selbst drauf gekommen ist, dass er die Signale seines Körpers nicht verstanden hat, dass er erst antrat, um kurz darauf auf Weisung anderer wieder abtreten zu müssen.

Zweifelsohne war auch das Antreten nicht so ganz selbstbestimmt. Erinnern Sie sich, liebe Leser, noch an die Anekdote, die Platzeck bei der Amtsübernahme medial streute? Sein Vater habe ihm schon mit auf den Weg gegeben, er solle Parteivorsitzender werden. Stolz lächelnd fügte er hinzu, der Vater habe wohl den Ortsvorsitz gemeint. Der Mann hatte also einen Auftrag - mal abgesehen von den 98 Prozent seiner Parteigenossen war es der Auftrag seines Vaters, den Platzeck (über-) erfüllte.

Jetzt fragen Sie sich, warum erzählt die das, und Sie ahnen: Im Coaching geht es um das, was uns zum Handeln motiviert, um das, was uns antreibt. Oft sind das "Aufträge", die andere uns gegeben haben. Im Fall Platzeck waren das sicherlich etliche Aufträge, die in Stress umgeschlagen sind. Der Fall Platzeck muss nicht heissen, dass solche Aufträge notwendigerweise scheitern, sondern nur, dass es gut ist, wenn man sie kennt.

Viele Menschen sind von Stress betroffen. Dieser Rücktritt könnte Signalcharakter für alle Platzecks in deutschen Unternehmen haben, denn er zeigte eine Möglichkeit, auf Stress zu antworten, nein zu sagen.

Leider hat der SPD-Mann uns auch vorgeführt, dass scheinbar nur Krankheit eine allgemein akzeptierte Entschuldigung dafür ist, "nein" zu sagen zu Aufträgen, die einen überfordern. Wozu das führen kann, wissen wir aus Japan: Im Fach der konsequenten Selbst-Ignoranz scheinen die Japaner Weltmeister zu sein, denn sie haben schon seit den 70-er Jahren ein Wort für den stressbedingten Tod, Karoshi.

Lesson learnt? Wäre es nicht erfreulich, wenn in Deutschland keine krankheitsbedingten Abschieds-Rituale gefeiert werden müssten, vor denen alle in Ehrfurcht erstarren. Man sollte doch meinen, die Zeit der Opfer-Kulte ist vorbei...

Stressfreie Osterfeiertage wünscht Ihnen
Wiebke Sponagel

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