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24.12.09

Genussprogramm zu Weihnachten

Genießen Sie! Das raunten uns, einem Marschbefehl gleich, bei einem Festessen unsere Tischnachbarn Herbert und Rosi zu. Übrigens glaubten sie an die Wiedergeburt. Sie wagten es nicht, eine Stubenfliege zu erschlagen, die sich immer wieder auf ihrem Minz-Sorbet niederließ. Schließlich hätte es Tante Hilde sein können.

Gestern beim Einkaufen musste ich an Herbert und Rosi denken. Nordseekrabben und Lachs waren aus, die Einkaufswagen überbordend gefüllt. Auf den entschlossenen Gesichtern meiner Mitmenschen stand zu lesen: Wir werden genießen, ab morgen!

Tja. Heute mach ich mir nichts zu essen, heut mach ich mir Gedanken, soll Wolfgang Neuss mal gesagt haben. Ziemlich uncool, so was heutzutage. Essen ist banal, Gedanken sind Luxus. Auf der anderen Seite: Wer kennt Neuss überhaupt noch? Und schon gar keiner wollte seinem Beispiel folgen. Dann machen wir es doch lieber wie Herbert und Rosi und geniessen. Schöne Feiertage, liebe Blog-Leser!

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3.10.09

Coachingthema Schein-Kultur

Ziemlich oft lerne ich im Coaching Menschen kennen, die eine sagenhafte Karriere hingelegt haben, und dennoch überzeugt sind, einen Makel zu haben: Sie meinen, ihnen fehlten Scheine oder Qualifikationsnachweise.

Sie haben sich in einem mittelständischen Unternehmen hochgearbeitet, in kürzester Zeit, weil sie das Vertrauen des Inhabers hatten. Oder sie haben selbst eine Firma gegründet, die zu einem ansehnlichen Betrieb gewachsen ist. Aus irgendwelchen Gründen sind sie in eine Krise gekommen und fragen sich, ob sie jetzt nicht besser in den sogenannt sicheren Hafen des Angestellten-Daseins wechseln sollten. Und im gleichen Atemzug fragen sie: Aber wer nimmt mich da? Ich habe keine Nachweise für das, was ich kann.

Traurig, aber wahr: Deutschland ist eine Schein-Kultur geworden. Für alles und jedes werden - zum Schein? - Zertifikate verteilt, ein riesiger Markt ist das. Haben Sie genügend Führungs-Seminare belegt? Gratuliere, dann können Sie führen.

Wer Scheine vorlegt, genügt dem Schein der Misstrauens-Kultur, die solches verlangt.
Immerhin gibt es noch, vergleichsweise klein hierzulande, eine Gegenkultur mit anderen Werten: Die der Selbstständigkeit, in der eine gute Idee, ein gutes Konzept, Mut und Ausdauer und die Kräfte des Marktes darüber entscheiden, ob das Pflänzchen gedeiht oder nicht. Wer einmal die Luft dieser Kultur geschnuppert hat, wird anderswo kaum mehr Wurzeln schlagen können...

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27.9.08

Gehalt als Schmerzensgeld? Fehlende berufliche Anerkennung

Mein Gegenüber ist Mitte vierzig, schlank, asketisch, selbstreflektiert. Er habe die Firma in fast 20 Jahren von einer Klitsche zu einem mittelständischen Unternehmen aufbauen helfen. Eine Menge Herzblut sei da drin, sein Herzblut. Seit es aber in der Unternehmensführung einen neuen Kopf gebe, sei das alles wertlos geworden. Seine Leistung werde nicht mehr anerkannt, im Gegenteil, man zeige ihm deutlich, dass er der neuen Politik eigentlich im Wege stehe. Das einzig Gute sei noch sein Gehalt - er nannte es mittlerweile sein Schmerzensgeld.

Die Erkenntnis, dass Leistung Anerkennung braucht, ist mittlerweile fast ein Jahrhundert alt.
Sie kommt aus dem Land, das die Welt mit Managementkonzepten überschwemmt und mit fatalem Mis-Management die globalen Finanzmärkte erschüttert, den USA. Dort hatte man den Taylorismus erfunden, um die Produktivität zu steigern. Im Zuge dieses Ansatzes wurde der Mensch zur Maschine und Emotionalität zum Störfaktor. Eher zufällig entdeckte man 1927 bei den sogenannten "Hawthorne-Experimenten", dass nicht Verbesserungen der Arbeits-, und Lohnbedingungen, sondern solche im sozio-emotionalen Bereich zu "unerklärlichen" Produktivitätssteigerungen führten. Man konnte die Arbeiter fast im Dunkeln werkeln lassen; die Tatsache, dass sie zu einer "Beobachtungs-Gruppe" für eine Harvard-Studie gehörten, genügte, um ihren Output zu erhöhen. Seither gibt es den Begriff HR, Human Relations, immer im Dienste der Effizienz, versteht sich.

Und noch eine Erkenntnis ist inzwischen Allgemeingut: Fehlende Anerkennung macht krank. Unzählige Studien zeigen, dass Männer und Frauen, die von "beruflichen Gratifikationskrisen betroffen" sind, ein signifikant höheres Risiko haben, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, Diabetes, Alkoholabhängigkeit oder Angststörungen zu bekommen.

Aber zurück zu meinem Klienten. Er hat die Möglichkeit, auf eine miese Leistungs-Anerkennungs-Bilanz mit Krankheit zu reagieren, rechtzeitig erkannt. Gesünder ist die Kündigung, findet er. Er ist stolz auf seine Leistungen und sein nächstes Gehalt wird kein Schmerzensgeld mehr sein.

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13.1.08

Sind Sie glücklich am Arbeitsplatz?

Mal ehrlich, sind Sie es, und wenn ja, warum? Haben Sie eine Affaire mit einem/einer Kollegen/in, gerade eine Gehaltserhöhung bekommen oder blüht der Kaktus auf der Fensterbank?

In ihrem Buch "Ich kann, was ich will" packen die Autoren Lazarus und Fay die Frage nach dem Glücklichsein von einem unorthodoxen Blickwinkel aus an. Sie behaupten, dass Verhaltensweisen, die seelisches Leid auslösen, irgendwann mal gelernt und folglich auch wieder "verlernt" werden können.

Eine junge Frau, die in einer Hamburger Werbeagentur arbeitete, betrachtete sich selbst als wertlos gegenüber den attraktiven, strahlenden und wohlhabenden Leuten, denen sie täglich begegnete. Ihre eigenen Persönlichkeitswerte - nämlich dass sie lebhaft, freundlich und zuverlässig war - fand sie "normal" und ging deshalb davon aus, dass diese Eigenschaften weniger wichtig wären. Auf der anderen Seite, auch das Klagen und der Trost, den man dabei findet, kann ja eine befriedigende Sache sein...kommt halt drauf an, wie man Glück definiert...

Na, wie auch immer - was glauben Sie, welche Gruppe unter den deutschen Arbeitnehmern sich selbst als am glücklichsten einschätzt? Es ist die, über deren angebliche Faulheit endlos Witze kursieren: Die Beamten. Auf einer Skala von eins bis zehn bewerteten sie ihr Glück nach einer Befragung der Bertelsmann-Stifung 7,9 Punkten. Im Umkehrschluss heisst das wohl, die Deutschen träumten davon, Beamte zu sein: Häuschen im Grünen, die Bienen summen um die Adenauerschen Rosen, die Pension ist sicher und alle können in Ruhe Fettringe ansetzen. Ach jaaaa. Ich werd auf einmal soo müde...

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1.1.08

Zum Neuen Jahr

Wo biste geblieben,
2007?
Kaum hat?s gekracht,
Ist schon 2008!


Tja, liebe Posting-Leser, auch meine dichterischen Anstrengungen helfen nicht darüber hinweg: Schon wieder haben wir einen Jahresring angesetzt (?), neue Krähenfüsse fabriziert, Neues gelernt, Altes vergessen. Schad wärs, wenn bei all den Jahresrückblicken Ihre individuelle Jahreschronik auf der Strecke bliebe und aus dem Jahr 2007 dann irgendwann ein dusseliges "Knut-Jahr" würde. Woran möchten Sie sich erinnern, wenn Sie an das Jahr 2007 denken? Halten Sie es fest, irgendwann im Lehnstuhl freuen Sie sich darüber.


Und wie steht es mit Ihren "guten Vorsätzen" für das Neue Jahr: Wollen Sie dicker oder dünner werden, mehr oder weniger arbeiten, den nächsten Karriereschritt verwirklichen, umziehen, aufbrechen zu neuen Ufern?


Was immer Sie vorhaben, ich wünsche Ihnen gutes Gelingen dabei und die besten Perspektiven für 2008!
Ihre Wiebke Sponagel

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19.4.07

Grundfrage im Coaching: Ist mein Coach ein Scharlatan?

Eine Frage wird mir im Erstgespräch nie gestellt: Sind Sie ein Scharlatan? Klar, die Frage ist potentiell gesichtsverletzend und deshalb kaum erwartbar. Aber möglicherweise kursiert sie in den Köpfen vieler Coaching-Interessenten. Und wenn man bedenkt, dass es, trotz oder wegen der Existenz von mittlerweile 24 Coaching-Verbänden, für Coaching keine standardisierten Qualitätskriterien gibt, ist das eine legitime Frage.

In der letzten Ausgabe des Manager Magazins (03/07) wurde über die schwarzen Schafe in der Coaching-Branche berichtet. Als typische Merkmale, auf die man als Klient achten sollte, nannte Autor Klaus Werle:
  1. Überhöhte und vage Honorarauskünfte, nachträglich in Rechnung gestellte aber vorher als kostenfrei angekündigte Erstgespräche, Drängen auf weitere Sitzungen.
  2. Guru-Gehabe: Coach gebärdet sich als allwissender Meister, eine gegenseitige Akzeptanz auf Augenhöhe ist nicht gegeben.
  3. Seelenstriptease: Coach verlangt vom Klienten, intime Dinge preiszugeben und Dinge zu tun, die dieser nicht möchte.

Welche Prinzipien eines soliden Coachings werden hier mit Füssen getreten? Die Transparenz der Prozessgestaltung, gegenseitiges Vertrauen und Freiwilligkeit des Klienten - sie alle sind nötig für den Erfolg der Beratung.

Wenn Sie als Klient Zweifel an der Lauterkeit oder Professionalität Ihres Beraters haben, sollten Sie die ansprechen. Vielleicht werden sie ausgeräumt, vielleicht auch bestätigt - auf jeden Fall gewinnen Sie darüber Klarheit.

Oder sind Sie einer der Klienten, die Scharlatane brauchen? Auch das steht in dem Artikel: Der Markt beantwortet die Nachfrage. Offensichtlich gibt es ein zunehmendes Bedürfnis nach Schaumschlägern und Wundertätern. -Wenn es hilft...

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5.4.07

Downshifting - einfacher leben als Wert

Machen Sie das auch so gern, einen heissen Espresso schlürfen und dabei Zeitung lesen? So einfach, so schön ist das, ein autoerotischer Moment, der anderswo in unserer Konsumwelt gnädig unter "Du darfst" firmiert.

Das Glück, sich etwas Einfaches zu gönnen, hat schon viele Namen bekommen, der Neueste heisst "downshifting" und kommt ? Sie erraten es, aus den Staaten. Dort hatte man im letzten Jahrhundert den "workaholic" erfunden, den Menschen, der zwanghaft arbeitet und nichts mehr kennt als Arbeit. Grund: Mit sich selbst kann er nur wenig anfangen - er oder sie weiss eigentlich nicht, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist und wie man sie sinnvoll füllt.

48 Prozent der Amerikaner gaben laut DER SPIEGEL bei einer Umfrage an, dass sie eine Beförderung abgelehnt, eine Verminderung ihrer Arbeitszeit erwirkt oder gar vollkommen aussteigen sind aus der Überstundenmühle. Sie brechen auf in ein einfaches Leben, verzichten auf die vormals hohen Gratifikationen und nehmen sich Zeit. Sie erkunden, was für sie sinnvoll ist im Leben, bevor sich der Sargdeckel schliesst.

Gut, wenn workaholics auf die Art die Notbremse ziehen noch zu "Sinnen" kommen.
Bedauerlich allerdings, dass Zeit ein Luxusartikel geworden ist, den zu "besitzen" nur dem erlaubt sein soll, der vorher bis zur Selbstverleugnung gearbeitet hat.
Eine erholsame Osterzeit wünscht Ihnen
Wiebke Sponagel

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14.8.06

Coachingthema Wert(e)arbeit

Im Coaching geht es immer auch um Werte: Welche Werte bestimmen das Leben meiner Klienten, wie beieinflusst der allgemeine Wertewandel uns als Einzelne, Werte-Arbeit eben.

Unter "deutscher Wertarbeit" verstehen wir freilich etwas anderes, nämlich die Qualität und Wertbeständigkeit der Resultate unsrer Arbeit. Besonders wir Deutschen, heisst es immer, sind bereit, den Wert guter Arbeit anzuerkennen - wir legen gern etwas drauf für ökologische Produkte, für nachhaltig erzeugte Holzprodukte, für gute Dienstleistungen usw.

Schade nur, dass kaum jemand bereit zu sein scheint, die Wert-Arbeiter selbst angemessen zu honorieren und ihre Arbeitsplätze zu sichern. Eine ganze hochqualifizierte "Generation Praktikum" (Der Spiegel 31/06) arbeitet zu Minimalpreisen, ohne je eine Festanstellung zu. bekommen. Löhne und Gehälter in Deutschland stagnieren oder entwickeln sich nur schwach. Es heisst, einfache und mittlere Angestellte könnten froh sein, überhaupt noch Arbeit zu haben. Als Dankeschön erhalten Unternehmen regelmässig Geschenke von von ihrer Belegschaft: Überstunden, von denen nur noch 15 Prozent gezahlt werden.

Die Verantwortlichen für diese Prozesse haben inzwischen für sich eine "Anpassung an internationale Managergehälter" erreicht: Nach Angaben der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. sind die Gehälter der DAX-Vorstände von 2003 bis 2005 von 401 auf 486 Millionen Euro gestiegen. Das entspricht einer Steigerung um 21 Prozent. Einzelne Stimmen, z.B. Prof. Joachim Schwalbach von der Humboldt-Universität, mahnen an, dass es nur zwei Indikatoren für die Angemessenheit von Vorstandsgehältern gebe: Das Verhältnis zur Leistung der Unternehmen und das zu den restlichen internen Firmen-Gehältern - von beidem sind diese Zahlungen "abgekoppelt". Mit anderen Worten: Schizophren ist normal geworden.

Warum erzähle ich Ihnen das? Sie, meine Klienten und Leser, wissen das ja längst: Es sind genau diese Prozesse, die Sie dazu bewegen, Beratung in Anspruch zu nehmen und inmitten widersinniger Verhältnisse neue Perspektiven zu suchen. Ich glaube, ich wollte Ihnen einfach mal sagen, dass ich in dieser Hinsicht parteiisch, nämlich auf Ihrer Seite bin.

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13.7.06

Coaching durch Vertrauen - Wir sind Klinsmänner

Kaum ein Auge blieb trocken, als Klinsmann gestern auf allen Kanälen seinen Abschied erklärte. Er murmelte etwas von Burn-Out, sagte immer wieder "danke" ans Team, an die Nation. Da war auch dem Letzten klar: Der ist einer von uns, wir sind Klinsmänner.

Jeder deutsche Teamleiter hatte in den vergangenen Wochen eine Projektionsfläche für's eigene berufliche Freud und Leid: Der Betrieb wurde zum Spielfeld, die Vorgesetzten zu grantelnden DFB-Herren. Der schafft noch nicht mal die Vorrunde, hiess es, als die Weltmeisterschaft begann, und dann "fliegt" er. Genau jene Art von Misstrauen, die viele in ihrem Arbeitsumfeld erleben, ohne dass es einer offen ausspricht.

Der schwäbelnde Familienvater schaffte, wovon alle träumen: Er hatte Erfolg, Sympathien und am Ende noch absolute Entscheidungsfreiheit. Wieso? Vermutlich, weil er seinen "Jungs" vertraute, ihnen einen absoluten Erfolgs-Kredit gab - Vertrauen verleiht Flügel.

Was wäre also die lesson to be learnt fürs deutsche Management? - Bleibt Klinsmänner und vertraut Euren Mitarbeitern, anstatt Angst-Management zu betreiben und mit Entlassungen und anderen Repressalien zu drohen.
Der schwäbelnde Traum kuriert jetzt seinen Burn-Out aus. Und die Teamleiter in deutschen Unternehmen...?

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22.5.06

Karriereentscheidung: Lehre bevorzugt, Rentnerproblem gelöst

Nach Untersuchungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln bleibt die Lehre in Deutschland das beliebteste Ausbildungsmodell - wenn sie denn verfügbar ist, möchte man anfügen. Dagegen entwickelt sich unser Land zur Diaspora für Akademiker: Im Jahr 2003 hatte nur jeder dritte 19-jährige ein Abitur, in den OECD-Ländern dagegen jeder Zweite diesen Alters.

Was will uns das sagen?

Eine Menge über die Werteorientierung unserer Gesellschaft, aber sparen wir uns mal das Lamento zu diesem Thema.

Vor dem Hintergrund jedoch, dass Akademiker laut einer Schweizer Studie deutlich länger als geringer Qualifizierte leben, kam ich zu einem überraschenden Ergebnis: Ohne dass es jemand gemerkt hätte, haben die Deutschen eine Lösung für ihr demographisches Problem gefunden - jedenfalls für die Generation, die jetzt in den Beruf einsteigt: Viele von ihnen werden erst gar nicht alt genug, um die Rentenkassen über Gebühr belasten....

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8.5.06

Coaching: Zeitgeschenke an Arbeitgeber und die Sinnfrage

Am Wochenende traf ich bei einer Feier einen IT-Projektmanager, mit dem gut Plauschen war über die gegenwärtigen Wandlungsprozesse in deutschen Unternehmen. Es dauerte nicht lang, bis wir feststellten, dass wir vollkommen unterschiedliche Wahrnehmungen dieser Prozesse haben: Die Mitarbeitersicht und die des Unternehmens. Und was meinen Sie, wann der Streit so richtig losging?

Als ich meinte, Zeit ist zum Luxusgut geworden, und was dem Einzelnen meisten fehlt, ist sinnvoll gefüllte Zeit. Da schäumte mein Gegenüber, der vorher berichtet hatte, dass er bis Nachts um eins sein neues Notebook konfiguriert hatte. Da sei ja der Hund begraben - der Deutsche an sich sei einfach nicht motiviert, und Arbeit zu haben sei doch Sinn genug...!

Ist es nicht ulkig, dass ich nun heute über die Meldung stolpere, dass Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich zweieinhalb Stunden mehr pro Woche arbeiten als vertraglich vorgesehen?
Diese Überstunden werden meist nicht bezahlt: In 2005 sind nur noch 15 Prozent aller geleisteten Überstunden bezahlt worden, zu Beginn der 1990er Jahre waren es noch die Hälfte der Überstunden, auch Freizeitausgleich gibt es kaum. Kurz, wir schenken unseren Arbeitgebern das Kostbarste, was wir haben: Lebenszeit, denn Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Übrigens leiden Mitarbeiter der IT-Branche bis zu vier Mal häufiger als andere Beschäftigte an stressbedingten Beschwerden und Burnout. Ist es sinnvoll, soviel zu arbeiten, bis psychosomatische Erkrankungen uns endlich das Arbeiten "verbieten"?

Die Sinnfrage selbst scheint Luxus geworden sein - gut, dass immer mehr Menschen sie stellen...!

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13.4.06

Coaching-Thema Stress: Wir sind Platzeck. Moderne Opfer-Kulte.

Kurz vor Ostern, dem Fest der Erlösung, ist Matthias Platzek aus gesundheitlichen Gründen als SPD-Chef zurückgetreten. Angeblich schwamm eine Träne in seinem Auge, und allen war klar, freiwillig macht er das nicht. Die Ärzte, hiess es, haben ihm dazu geraten.

Bedauerlich.
Nicht, dass mir der SPD-Vorsitz mit Platzeck so am Herzen läge, nein: Bedauerlich, dass Platzeck nicht selbst drauf gekommen ist, dass er die Signale seines Körpers nicht verstanden hat, dass er erst antrat, um kurz darauf auf Weisung anderer wieder abtreten zu müssen.

Zweifelsohne war auch das Antreten nicht so ganz selbstbestimmt. Erinnern Sie sich, liebe Leser, noch an die Anekdote, die Platzeck bei der Amtsübernahme medial streute? Sein Vater habe ihm schon mit auf den Weg gegeben, er solle Parteivorsitzender werden. Stolz lächelnd fügte er hinzu, der Vater habe wohl den Ortsvorsitz gemeint. Der Mann hatte also einen Auftrag - mal abgesehen von den 98 Prozent seiner Parteigenossen war es der Auftrag seines Vaters, den Platzeck (über-) erfüllte.

Jetzt fragen Sie sich, warum erzählt die das, und Sie ahnen: Im Coaching geht es um das, was uns zum Handeln motiviert, um das, was uns antreibt. Oft sind das "Aufträge", die andere uns gegeben haben. Im Fall Platzeck waren das sicherlich etliche Aufträge, die in Stress umgeschlagen sind. Der Fall Platzeck muss nicht heissen, dass solche Aufträge notwendigerweise scheitern, sondern nur, dass es gut ist, wenn man sie kennt.

Viele Menschen sind von Stress betroffen. Dieser Rücktritt könnte Signalcharakter für alle Platzecks in deutschen Unternehmen haben, denn er zeigte eine Möglichkeit, auf Stress zu antworten, nein zu sagen.

Leider hat der SPD-Mann uns auch vorgeführt, dass scheinbar nur Krankheit eine allgemein akzeptierte Entschuldigung dafür ist, "nein" zu sagen zu Aufträgen, die einen überfordern. Wozu das führen kann, wissen wir aus Japan: Im Fach der konsequenten Selbst-Ignoranz scheinen die Japaner Weltmeister zu sein, denn sie haben schon seit den 70-er Jahren ein Wort für den stressbedingten Tod, Karoshi.

Lesson learnt? Wäre es nicht erfreulich, wenn in Deutschland keine krankheitsbedingten Abschieds-Rituale gefeiert werden müssten, vor denen alle in Ehrfurcht erstarren. Man sollte doch meinen, die Zeit der Opfer-Kulte ist vorbei...

Stressfreie Osterfeiertage wünscht Ihnen
Wiebke Sponagel

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4.4.06

Karriere: Schriftliche Bewerbung, eindeutig mehrdeutig.

Der Wunsch nach Eindeutigkeit ist so alt wie die Menschheit. Wieviele Auseinandersetzungen entzünden sich täglich an dem, was "gemeint" ist, egal ob das politische, religiöse oder alltagsweltliche Inhalte sind.

Und nachdem sogenannte Kommunikationsratgeber uns weismachen, es gebe ein Gleichung, die da lautet "ein Satz = eine Bedeutung", überrascht es nicht, dass Klienten in der Karriereberatung den Wunsch äussern, am Ende des Beratungsprozesses z.B. einen "eindeutigen Lebenslauf" zu haben.

Was meinen Sie, liebe Leser, lässt sich das machen?

Ich glaube kaum, denn so ein Lebenslauf ist ist ein persönlicher Entscheidungsweg und jede Entscheidung für etwas ist auch eine gegen etwas, mindestens.

Jemand macht eine Bankausbildung, obwohl er vom Abschluss her auch Jura, Pharmakologie oder sonst etwas hätte studieren können. Seine Wahl mag unterschiedliche Gründe haben, die sich nicht unbedingt aus dem CV erschliessen. Vielleicht hat ein Schulfreund dasselbe gemacht, vielleicht hat ein Bekannter den Ausbildungsplatz vermittelt, vielleicht lockte die Aussicht auf "eigenes Geld", vielleicht hatte der Kandidat ein echtes Interesse am Banking. Oft wird die "Motivation", einen bestimmten Beruf zu ergreifen, im Bewerbungsgespräch thematisiert, und natürlich erwartet der potentielle Arbeitgeber hier was? - Eine eindeutige Entscheidung für den eingeschlagenen Weg. Vagheit oder gar Zufälligkeit passen nicht ins Bild eines "gradlinigen, zielstrebigen Bewerbers".

Meiner Erfahrung nach ist diese Gradlinigkeit beim Lebensentwurf ein Mythos aus der Managementliteratur. Menschen, die ihm nacheifern, fallen in ein tiefes Loch, wenn sie mal konfrontiert werden mit jenen Lebenskrisen, die sie nicht "einplanen" konnten. Ausserdem schneiden sie sich jede Menge Lebensfreude ab, die jeder kennt, der schon mal zufällig auf etwas "Unerwartetes" gestossen ist. Verspätete Züge sollen bei Wartenden ja schon manche Freund-, oder Partnerschaft "gestiftet" haben.

Aber zurück zu dem Wunsch nach einem eindeutigen Lebenslauf. Vor mir lag neulich ein wunderbar gradliniger Lebenslauf, der über zwei Jahrzehnte direkt in die Führungsetage eines Unternehmens mündete. Um diese Gradlinigkeit darzustellen, eignete sich ein chronologischer CV hervorragend. Nun sollte man meinen, die Botschaft eines solchen CVs sei klar: Da hat jemand zielstrebig die Karriereleiter erklommen. Aber halt, auch hier gibt es wieder eine Auslegungsvariante: Dieser jemand habe sich immer wieder "befördern" lassen, sei immer seiner Firma zu "treu" geblieben, ohne mal die Initiative zu ergreifen und sich auf dem Markt nach anderen Optionen und Herausforderungen umzuschauen. Fazit: Eindeutigkeit gibt's keine - am besten, Sie sind darauf vorbereitet.

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29.3.06

Coach-Suche: Traut keinem "Napoleon-Coach" oder woran erkennt man einen guten Coach?

Schon früher habe ich an dieser Stelle auf die Diskussion um Scharlatanerie in der Coaching-Branche aufmerksam gemacht, hier nun für meine lieben Leser die neueste Variante:

In seinem letzten Newsletter wirft ein Star-Coach, Christopher Rauen, einen kritischen Blick auf andere Star-Coaches, von ihm so genannte "Napoleon-Coaches". Über seine Motive mag man anderswo spekulieren.

Gemeint sind nicht etwa Coaches mit Alkoholproblem, sondern solche mit überdurchschnittlicher narzisstischer Prägung, denen eine Aura allseitiger Bewunderung vorauseilt. Die Kehrseite: Kritik verträgt ein Napoleon nicht. Die Fähigkeit aber, offen für Kritik zu sein und die eigene Beraterleistung immer wieder kritisch zu bespiegeln oder bespiegeln zu lassen, ist absolut notwendig für einen konstruktiven Beratungsprozess.

Rauen konstruiert einen Fall und benennt den Schaden, den so ein Napoleon-Coach anrichten kann. Hier die Kurzfassung: Das Coaching motiviert den Klienten zu zunehmender Skepsis gegenüber seinem Umfeld, was letztlich dazu führt, dass er seinen Posten verliert. "Napoleon" hat das natürlich kommen sehen, Coach und Klient sehen sich vereint im Kampf gegen die böse Welt. In anderen Worten, der Klient ist am Ende isoliert, hält aber immer noch grosse Stücke auf seinen Coach und dessen "seherische Fähigkeiten" und empfiehlt ihn ev. auch noch weiter.

Die Moral von der Geschicht? - Klar, traue keinem Napoleon nicht, oder:
Klient, falle nicht auf großspuriges Auftreten rein. Nanu, denkt mein aufmerksamer Leser da, das entspricht so gar nicht dem Credo unserer Zeit, das multimedial, für Vorstellungsgespräche und überhaupt ein "offensives Selbst-Marketing" empfiehlt. Aber dass allzu deutliche Selbstdarstellung blendet, wissen wir ja längst, und dass wir uns auch mal gern blenden lassen, auch...

Die implizite Frage, ob man als Klient denn nicht einmal mehr einer Empfehlung trauen kann, löst Rauen auf gewohnt elegante Weise: Er rät Interessenten, sich zu erkundigen, ob der Coach sich supervidieren lässt, also für seine eigenen (anonymisierten) Fälle selbst Beratung in Anspruch nimmt und feedback bekommt. So eine/r kann kein narzisstischer Coach sein, folgert Rauen.

Es sei denn, fällt dem nun wirklich skeptisch gewordenen (!) Leser ein, auch der Supervisor ist so ein Napoleon...

Ja Zapperlott, gibt's denn überhaupt kein objektives Erkennungsmerkmal für einen guten Coach, höre ich Sie jetzt fragen.

Es gibt eine Summe von Merkmalen, die einen guten Coach ausmachen. Die sind, zugegeben, nicht so offensichtlich wie das Verhalten eines Blender-Coaches. Dazu gehört in der Tat, sich supervidieren zu lassen, aber auch, einen Vertrag mit klaren Rahmenbedingungen anzubieten, sich am Markt zu behaupten, offen zu bleiben für Kritik, den Prozess transparent zu gestalten und einiges mehr.
Oder haben Sie da etwa Einwände, liebe Leser....?

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10.2.06

Coachingthema: Führungskräfte, soziales Gewissen und Studien

Was, liebe Leser, nützen uns Studien? Na, wie Sie sehen, geben sie mir Futter für meine Coaching-News - ich finde, sie eignen sich prima, um über aktuelle Trends im Berufsleben mit Auswirkungen auf Coaching zu berichten. Allerdings lohnt es sich, genau hinzuschauen, woher die Studie kommt.

Wenn eine Beraterfirma eine Studie erstellt, hat sie ein gleich zweifaches Benefit: Sie kann ein wissenschaftliches Interesse als Türöffner nutzen, um z.B. Führungskräfte zu interviewen. Ganz nebenbei kommt man ins Gespräch über die Services, die man sonst noch anbieten kann. Auch bei der Veröffentlichung ist man dann nochmal in aller Munde, nämlich als Unternehmen, das mit Fakten arbeitet - klasse PR.

Gerade bin ich wieder über so eine Untersuchung gestolpert, diesmal vom internationalen Beratungsunternehmen DDI zum Thema "Leaders on Leadership". Toll, was Englisch da wieder leistet - "Führungskräfte über Führung" klingt ja eher nach eingschlafenen Füssen. Befragt wurden 100 britische Chefs und je 50 deutsche und französische - eine Studie mit Schlagseite zugunsten der Britischen Top-Manager also.

Aber jetzt kommt das Beste: Lanciert wird das Werk hierzulande unter dem Titel "Deutsche Chefs mit sozialem Gewissen". Dazu heisst es im Pressetext: "Die Deutschen zeigen sich übrigens als die Nation mit dem am stärksten ausgeprägten sozialen Gewissen: Nahezu die Hälfte aller Befragten empfindet es als eine der drei unangenehmsten Eigenschaften ihrer Position, Entscheidungen treffen zu müssen, die anderen Personen schaden."

Nun frage ich Sie, liebe Leser, wo ist da der kausale Konnex?
24 deutsche Manager finden es unangenehm, anderen zu schaden - also vermutlich, Trennungsgespräche zu führen - haben die dann automatisch ein soziales Gewissen? Im Grunde heisst das, das soziale Gewissen ist ein unangenehmes Gefühl geworden in Deutschland. Man findet ja so manches unangenehm im Leben und macht es trotzdem.
Tja, liebe Leser, was bringt uns nun diese Studie? Irgendwie ein unangenehmens Gefühl, oder...?

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9.10.05

Wert-Schätzung: Was ist ein Coaching wert?

9. Oktober, Deutschland hängt führungs- und wettertechnisch im Nebel, und ich lade Sie, meine lieben Posting-Leser, zu ein paar klaren Gedanken über den Wert eines Coachings ein.

Schnäppchenjäger sein ist gegenwärtig in. Die Kosten steigen, und wer sparen kann, tut's. Markenartikel werden gern als "Sonderangebote" ergattert, und überall scheint die einzige Frage nicht die nach Inhalten und Qualität zu sein, sondern "machen Sie's auch billiger?"

Parallel zum allgemeinen Preisdruck aber verändert ein fundamentaler Wertewandel die "gefühlte Realität": Knapp sind nicht mehr Autos, Champagnerflaschen, Schränke oder Fernseher. Die Sehnsüchte richten sich nach "transmateriellen Gütern":

Zeit, Aufmerksamkeit, Ruhe, Klarheit.
Wer täglich bis zu 10 Std. arbeitet, kommt kaum mehr zu sich selbst.
Zeit zum Nachdenken über sich und die eigene Lebensführung wie im Coaching muss man sich nehmen. Muss man sie auch bezahlen wie ein Luxusgut?
Wechseln wir mal die Perspektive: "Eine Ware ist soviel wert, wie Arbeit in ihr steckt," sagt Marx, der gern auf anderer Leute Kosten gelebt hat.
Ohne weiter auf den Begriff Ware einzugehen - wieviel Arbeit steckt in der Leistung eines Coaches? In meinem Fall sind es, abgesehen von meiner akademischen Ausbildung, bisher gut drei Jahre Ausbildung, oder vulgärmaterialistisch: Für den Gegenwert meiner bisherigen Coaching-und Berater-Ausbildungen wäre ein gut ausgestatteter Mittelklassewagen rüber gekommen. Ein Investment in mich, das auch weitergeht, um in meine Klienten Ideen und effektive Methoden investieren zu können. Und klar, abgesehen davon kommt noch die für den Klienten unsichtbare Arbeit der Vor-und Nachbereitung von Coaching-Sitzungen dazu.

Apropos unsichtbar.
Bei einer durchschnittlichen Autowerkstatt kostet den Kunden eine Arbeitsstunde 70.- Euro. Das schliesst ein: Sozialabgaben, bezahlten Urlaub, Kosten wie Werkstattmiete und -Ausstattung, etwas Gewinn. Eine Arbeitsstunde beim Zahnarzt kostet 300.- Euro. Und eine Coachingstunde?
Je nach Schwerpunkt, Zielgruppe und Renommee des Coaches kann das bei 100.- Euro anfangen, oberes Ende offen.
Aber: Die Werkzeuge in der Coaching-Werkstatt sind unsichtbar, das Auto, und besonders die Innenausstattung :-) zunächst auch, und ob der Karren ans Laufen kommt, zeigt sich erst noch ...:-)
Will heissen, wer sich coachen lässt, begibt sich erst mal ins "Unsichtbare". Da, im Unsichtbaren, braucht man Vertrauen, um Dinge sichtbar zu machen. Auch die angestrebten Veränderungen sind - trotz aller Anstrengungen, sie messbar zu machen - vielleicht nicht so greifbar wie etwa ein Satz neuer Reifen. Auf der anderen Seite: Ein neuer Job, eine neue Lebensstrategie, eine andere Karriere- oder Lebensperspektive - das sind schon deutliche, fühl- und erfahrbare Veränderungen.
Aber die wichtigste Frage zu unserer Wert-Schätzung ist doch:
Was ist es Ihnen wert, Ihr(e) Ziel(e) zu erreichen? Würden Sie sich für den Preis eines Coachings ebensogut einen Urlaub leisten, oder ein Theater-Abo, oder einen Laptop?
Wie würden Sie den Gegenwert für Ihre Zielerreichung beziffern? Ist die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit, Ihrer beruflichen Perspektiven ein guter "return on investment?"

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3.10.05

Dritta Oktoba - rrrumms! Oder: Zur Schnelligkeit von Veränderungen

Menschenskinda, heut is dritta Oktoba, und det deutsche Volk feiat.
Allet kiekt nach Balin, und Balin kiekt uff uns.
Et jiebt Vasammlungen, allet janz schnieke, keener weeß, worum et jeht, irjendwie umme Einheit halt.
Denn steht da wieda eener oda gez ooch eene und hält ne Rede vonne Rummms, der durchet Land jehn soll.

Nee, allet wat recht is: Icke in mein' selbständjen Jemüseladen, ick merk nüscht davon.
Det deutsche Volk jeht bei mir aus und ein, kooft Jemüse, mault'n bissken über de Preise un' de blöde Politka und am nächsten Tach kommse wieda.
Ick sach denn, Tach, sahre ick, heut ham wa det un det, janz frische Waare, und ham Se wat vonne Rumms jemerkt?
Und denn sacht det Volk, nee, sachtet, da ha' ick jaa nüscht von jemerkt, ausser, det mein Nachbar vonnet Hochpachterre in mein Auto jerummst is, zwee Mille Schaaden, wat willste machen, na macht nüscht, Vasichrung zahlt.
Und denn kooft det Volk Jemüse, mault'n bissken über de Preise un de blöde Politika und, na Se wissen schon.
Jrüsse aus'n Jemüseladen, Ihre W.Sp.

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