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2.5.10

Bringt der Vertrauensvorschuss Vertrauen?

Grade eben war der Tag der Arbeit, da darf über die Arbeitswelt im Allgemeinen und Besonderen nachgedacht werden. Darf ich Sie zu einer Reflexion über das Wort ?Vertrauensvorschuss? einladen?

Manche Unternehmen behaupten, sie würden neu eingestellten Mitarbeitern allein durch diese Tat einen Vertrauensvorschuss geben. Ein Vorschuss wird gezahlt, und von dem zu erwartenden Grundgehalt abgezogen. So gesehen erhält der Empfänger nur vorzeitig einen Teil von dem, was ihm sowieso zusteht.

Fraglos steht Vertrauen jedem Mitarbeiter zu - die Realität allerdings sieht anders aus: Die meisten Betriebe haben eine Misstrauenskultur, in der zwar das eine verkündet, das andere aber praktiziert wird: Kontrolle. Das Fazit der Realitätsprüfung in Bezug auf den Vorschuss lautet also: Da wird behauptet, man gibt etwas, was einem eh gehört. Und was dann wirklich gegeben wird, ist das Gegenteil. Vollkommen widersprüchlich, das Ganze.

Das steigert sich noch mal, wenn wir den Begriff Vertrauen ins Spiel bringen. Vertrauen ist eine bemerkenswert nicht materielle Gabe, steht also dem zahlbaren Vorschuss schon mal grundsätzlich diametral gegenüber. Sie funktioniert nur dann, wenn die Möglichkeit eines Fehlschlags im Voraus eingeschlossen ist. Im Klartext: Nur, wenn ich riskiere, enttäuscht zu werden, bringe ich jemandem wirklich Vertrauen entgegen. Vertrauen funktioniert also ohnehin nur als Vorleistung, ohne das Ergebnis zu kennen. Mithin ist das Wort Vertrauensvorschuss so was wie ein weißer Schimmel ? aber auch die werden ja gebraucht...

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31.1.10

Wachsender Druck: Krisenrezepte ohne Sinn

In Wirtschaft geht es um Zahlen, nicht um Befindlichkeiten. Dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern sich dem ständigen Wandel und Erfolgsdruck nicht mehr gewachsen fühlt, wird ignoriert und führt zu weiter steigenden Kosten, die von der Gesellschaft zu tragen sind. Ein Teufelskreis, der scheinbar kein Halten kennt.

Eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Supervision in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz belegt einmal mehr, wie unsinnig dieser Automatismus ist: Gerade der in Krisenzeiten erhöhte Druck führt demnach bei den Betroffenen zu elementaren Vertrauensverlusten und Resignation. Von allen werde viel Einsatz, effizientes Arbeiten und Flexibilität gefordert, gleichzeitig aber gebe es keine Garantien für sichere Zukunftsperspektiven. Immer mehr Eigenverantwortung in allen möglichen Lebensbereichen werde vorausgesetzt, viele Menschen aber seien dazu aus Zeit-, oder Geldmangel gar nicht in der Lage. Da sind Bezugsanker wichtig, wie sie theoretisch verantwortliche Führungspersönlichkeiten liefern können, aber gerade an wertschätzender Führung fehle es zur Zeit.

Schwarz malt die Studie dann auch im Fazit: Der Wirtschaftskrise mit von der Politik verordnetem weiteren Wachstum zu begegnen führe nur zu einer weiteren Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas. Das mangelnde Vertrauen gelte es zu kurieren, und zwar mit grundlegenden Orientierungen. Nur woher die kommen sollen, darüber schweigt die Studie.

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22.6.09

Karrierethema: Falsche Versprechungen im Bewerbungsgespräch

Wenn ein Bewerber im Vorstellungsgespräch nachweislich lügt, kann das für ihn üble Konsequenzen haben. Was aber passiert, wenn dem Kandidaten vom Unternehmen falsche Versprechungen gemacht werden?
- Meistens nichts.
Es kommt gar nicht so selten vor, dass dem Kandidaten Zusagen gemacht werden, die sich nach der Einstellung nicht oder anders materialisieren: Der Dienstwagen fällt dann zwei Nummern kleiner aus, oder an zugesagte Boni kann sich keiner mehr erinnern. Die Gründe können vielfältig sein, Umstrukturierungen sind einer davon. Manchmal sind die Vorgesetzten, die solche Zusagen machen, wenig später schon nicht mehr im Unternehmen. Manchmal will man aber auch einfach nur Bewerber ködern.
Wie man kann sich als Bewerber davor schützen?
Einmal natürlich dadurch, dass er auf der Schriftform für solche Absprachen besteht. Es sind Ihre Ziele, und Sie legen Wert darauf, sie zu erreichen. Zum anderen, indem er bei der zweiten Runde des Vorstellungsgesprächs möglichst viele Fragen stellt, die solche Enttäuschungen ausschließen. Instant-Vertrauen gibt es schließlich nur bei Flirt-Portalen im Internet!

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8.3.09

Coachingfrage: Fehlendes Vertrauen bei der Arbeit - Schein-Kultur

Ein Unternehmen im Umstrukturierungsprozess. Es geht um die sogenannte Effizienz, also darum, noch mehr Arbeit auf noch weniger Menschen zu verteilen. Eine Abteilung ist besonders betroffen: Alle Mitarbeiter, auch diejenigen, die seit langem dabei sind, sollen ein Assessment Center durchlaufen. So wird die Zukunftstauglichkeit der Mitarbeiter festgestellt. Es gibt offenbar niemanden, der nach all der Zeit eine individuelle Leistungsbeurteilung machen kann .
Das Urteil über Bleiben oder Gehen wird auf ein für die Geprüften undurchsichtiges Verfahren geschoben. Objektiv soll es sein. Ein offenes Misstrauensvotum ist es und noch dazu ein Beleg für die Unfähigkeit der Führungskräfte.

Wir lassen uns nach Norm xy zertifizieren , höre ich von einem Sprecher eines Weiterbildungsunternehmens. Dann können wir die staatlichen Fördergelder für das xyz-Programm beanspruchen. Wieder ein Standard-Verfahren, das Qualität belegen soll, aber im Grunde nur wirtschaftlichen Interessen dient. Dabei sollte doch spätestens nach dem allgemein bekannten Desaster mit den triple-a-rankings bekannt sein, was von solchen über einen Kamm geschorenen Qualitäts-Einstufungen zu halten ist: Nichts. Mehr Schein als Sein.

Fragen Sie sich nicht auch manchmal, was diese Schein-Kultur eigentlich soll? Einmal erzählte mir ein Coaching-Klient aus dem Personalmanagement, daß er sich selbst nicht einstellen würde: Er mache einen Job, für den er gar nicht die geeigneten Scheine und Qualifikationen mitbringe. So what? , würde man in England fragen, wo sich Menschen durch Learning by doing beweisen dürfen. Er macht seinen Job gut. Aber bei einer Umstrukturierung hätte er vermutlich das Nachsehen.

Die globale Wirtschaftskrise ist eine Vertrauenskrise, heißt es allenthalben. Sie kommt aus dem Kredit-Sektor. Credo bedeutet ich glaube. Aber niemand glaubt irgendwem mehr, vor allem vertraut niemand mehr dem eigenen Urteil. Oder ist keiner mehr in der Lage, selbst zu urteilen? Menschen in Prozessen haben sich das Selber-Denken abgewöhnt, sie laufen auf Auto-Pilot. Sie übernehmen auch keine Verantwortung für das, was sie tun. Schade ums Vertrauen. Denn Vertrauen ist ein Kredit auf die Zukunft.

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