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11.4.10

Tests als Erkenntnisbringer?

Sind Sie ein Cheftyp, fragt dieser Tage ein bekanntes Karriereportal verbunden mit einem Test und bietet auf der gleichen Seite einen Modetypen-Test und einen Freiberufler-Test an. Eine Klientin erzählte neulich, sie habe firmenintern einen Persönlichkeitstest machen müssen und sei dabei durchgefallen. Sechs, setzen.

Das Testen grassiert. Unternehmen testen langjährige Mitarbeiter, die sie eigentlich bestens kennen müssten. Menschen testen sich selbst, in der Annahme, etwas grundlegend Neues über sich zu erfahren. Irgendwo in unsrer schönen globalisierten Welt scheint die Urteilskraft auf der Strecke geblieben zu sein.

Dass Tests als Führungsinstrument vorgeschoben werden, um darüber zu entscheiden, ob ein Kandidat in einem Unternehmen Karriere machen kann, ist im Prinzip ein Armutszeugnis. Es heißt nichts anderes, als dass man den Führungskräften des Kandidaten kein Urteil über den Mitarbeiter und dessen Entwicklungsfähigkeit zutraut. Oder hat man diese Vorgesetzte etwa nie danach getestet, ob sie wirklich ein Cheftyp sind...?

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9.8.09

Wie setze ich die richtigen Prioritäten?

Es ist so schwer, den Überblick zu behalten, sagt mein Gegenüber. Tagtäglich landen duzende unterschiedlicher Vorgänge auf seinem Schreibtisch - das Ende seiner Urteilskraft? Nicht alles ist wichtig für seinen Arbeitsbereich, aber vieles ist mit höchster Dringlichkeitsstufe für andere gekennzeichnet. Beim Abarbeiten dieser Anfragen vergeht schon ein halber Tag oder mehr und für die eigenen Prios bleibt kaum mehr Zeit.

Freilich, mein Klient kennt die A-B-C-Methode.
A-Aufgaben sind solche, die am wichtigsten sind und nur von dem Betroffenen selbst ausgeführt werden können. Statistisch gesehen machen sie nur 15 Prozent der Aufgaben aus, mit denen man sich an einem Tag befasst.
B-Aufgaben sind von mittelmäßiger Wichtigkeit und können auch schon teilweise delegiert werden. Etwa 20 Prozent des Tagwerks belaufen sich angeblich auf diese Art von Arbeiten.
Der Rest - ungefähr 65 Prozent - ist Routinekram: Lesen, Telefonieren, Verwalten. Vieles davon kann auch mal abgegeben werden.

Aber der Deibel hockt ja bekanntlich im Detail. Es geht nicht nur um anonyme Aufgaben, sondern auch um persönliche Verpflichtungen und Interessen. Dem einen Kunden ist man eher zugeneigt, dem anderen weniger. Dem Vorgesetzten will man zeigen, wie effizient man arbeitet, um bei der nächsten Leistungsbeurteilung besser weg zu kommen. Einen Kollegen, der immer mit Informationen mauert, will man auch mal ausbremsen.

Und obendrein sind alle ja stets mit der Demonstration ihrer Wichtigkeit beschäftigt - wie kann es da sein, dass fünfundsechzig Prozent der täglichen Routine einfach nur Routine sind? Wichtig, wichtig - alles ist wichtig - da verliert man, wenn man dem Mehrheitsgetue Glauben schenkt, schnell mal den Überblick...

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8.3.09

Coachingfrage: Fehlendes Vertrauen bei der Arbeit - Schein-Kultur

Ein Unternehmen im Umstrukturierungsprozess. Es geht um die sogenannte Effizienz, also darum, noch mehr Arbeit auf noch weniger Menschen zu verteilen. Eine Abteilung ist besonders betroffen: Alle Mitarbeiter, auch diejenigen, die seit langem dabei sind, sollen ein Assessment Center durchlaufen. So wird die Zukunftstauglichkeit der Mitarbeiter festgestellt. Es gibt offenbar niemanden, der nach all der Zeit eine individuelle Leistungsbeurteilung machen kann .
Das Urteil über Bleiben oder Gehen wird auf ein für die Geprüften undurchsichtiges Verfahren geschoben. Objektiv soll es sein. Ein offenes Misstrauensvotum ist es und noch dazu ein Beleg für die Unfähigkeit der Führungskräfte.

Wir lassen uns nach Norm xy zertifizieren , höre ich von einem Sprecher eines Weiterbildungsunternehmens. Dann können wir die staatlichen Fördergelder für das xyz-Programm beanspruchen. Wieder ein Standard-Verfahren, das Qualität belegen soll, aber im Grunde nur wirtschaftlichen Interessen dient. Dabei sollte doch spätestens nach dem allgemein bekannten Desaster mit den triple-a-rankings bekannt sein, was von solchen über einen Kamm geschorenen Qualitäts-Einstufungen zu halten ist: Nichts. Mehr Schein als Sein.

Fragen Sie sich nicht auch manchmal, was diese Schein-Kultur eigentlich soll? Einmal erzählte mir ein Coaching-Klient aus dem Personalmanagement, daß er sich selbst nicht einstellen würde: Er mache einen Job, für den er gar nicht die geeigneten Scheine und Qualifikationen mitbringe. So what? , würde man in England fragen, wo sich Menschen durch Learning by doing beweisen dürfen. Er macht seinen Job gut. Aber bei einer Umstrukturierung hätte er vermutlich das Nachsehen.

Die globale Wirtschaftskrise ist eine Vertrauenskrise, heißt es allenthalben. Sie kommt aus dem Kredit-Sektor. Credo bedeutet ich glaube. Aber niemand glaubt irgendwem mehr, vor allem vertraut niemand mehr dem eigenen Urteil. Oder ist keiner mehr in der Lage, selbst zu urteilen? Menschen in Prozessen haben sich das Selber-Denken abgewöhnt, sie laufen auf Auto-Pilot. Sie übernehmen auch keine Verantwortung für das, was sie tun. Schade ums Vertrauen. Denn Vertrauen ist ein Kredit auf die Zukunft.

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