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31.1.10

Wachsender Druck: Krisenrezepte ohne Sinn

In Wirtschaft geht es um Zahlen, nicht um Befindlichkeiten. Dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern sich dem ständigen Wandel und Erfolgsdruck nicht mehr gewachsen fühlt, wird ignoriert und führt zu weiter steigenden Kosten, die von der Gesellschaft zu tragen sind. Ein Teufelskreis, der scheinbar kein Halten kennt.

Eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Supervision in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz belegt einmal mehr, wie unsinnig dieser Automatismus ist: Gerade der in Krisenzeiten erhöhte Druck führt demnach bei den Betroffenen zu elementaren Vertrauensverlusten und Resignation. Von allen werde viel Einsatz, effizientes Arbeiten und Flexibilität gefordert, gleichzeitig aber gebe es keine Garantien für sichere Zukunftsperspektiven. Immer mehr Eigenverantwortung in allen möglichen Lebensbereichen werde vorausgesetzt, viele Menschen aber seien dazu aus Zeit-, oder Geldmangel gar nicht in der Lage. Da sind Bezugsanker wichtig, wie sie theoretisch verantwortliche Führungspersönlichkeiten liefern können, aber gerade an wertschätzender Führung fehle es zur Zeit.

Schwarz malt die Studie dann auch im Fazit: Der Wirtschaftskrise mit von der Politik verordnetem weiteren Wachstum zu begegnen führe nur zu einer weiteren Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas. Das mangelnde Vertrauen gelte es zu kurieren, und zwar mit grundlegenden Orientierungen. Nur woher die kommen sollen, darüber schweigt die Studie.

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22.11.09

Anwalts Liebling Kundenorientierung?

Sorgenfalten auf der Stirn meines Gegenübers. So wie einst den Bergbau-Kumpels, so wird es bald auch den Anwälten gehen, meint er düster.

Er ist selbst Anwalt und bemerkt einen Wandel zu erschwerten Arbeitsbedingungen. Die Konkurrenz, inzwischen auch aus anderen EU-Ländern, wird stärker, die Rahmenbedingungen in Kanzleien werden schlechter, die Mandanten knausriger. In Großkanzleien haben als Folge der Krise immer weniger Anwälte immer mehr zu arbeiten. Überall wird um Mandate gekämpft und Junganwälte haben es besonders schwer. Es scheint, als ginge es einem ganzen Stand an den Kragen - die Verunsicherung ist spürbar, auch in meiner Coachingpraxis.

Dabei gibt es ein Zauberwort, das Wunder wirkt: Kundenorientierung! Auf meine Frage, was er darunter verstehe, winkt mein Klient erst mal ab: Kein Problem, das juristische Fach-Chinesisch kann er ins Allgemeinsprachliche übersetzen. Damit kann er ohne Zweifel punkten. Aber anzunehmen, das würde reichen, ist ein Denkfehler: Adressatenorientiert sprechen zu können, macht noch keinen nachgefragten Anwalt.

Was wünscht sich ein Mandant? Fachliche Kompetenz setzen wir mal voraus. Aber darüber hinaus einen Anwalt, der bei Unklarheiten auf einen zugeht und nicht ungefragt im Sinne des Mandanten handelt. Der den Auftrag klärt, bevor er etwas unternimmt. Der sich nicht scheut, zum Telefonhörer zu greifen und im Zweifel aktiv nachzufragen. Nicht ganz einfach, wenn man auf Prestige und Distanz wert legt, wie viele, die diesen Beruf ergreifen. Aber gerade deshalb ein Alleinstellungsmerkmal, das über den Erfolg der Geschäfte mit entscheiden kann.

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3.11.09

Selbstständig, ja oder nein? Gründe fürs Gründen

Wir Deutsche sind nicht gerade Vorreiter im Gründen. Im europäischen Vergleich liegen wir im unteren Drittel mit der Bereitschaft zur Selbständigkeit. Schade eigentlich. Denn die Selbständigkeit ist definitiv eine Chance, sich selbst zu verwirklichen und zu wachsen. Also auch Fehler machen zu dürfen und daraus zu lernen.

Aber offenbar sind viele zu verzagt dazu. Sie ziehen die Fremdsteuerung als Angestellte dem Selbst-Steuern vor, obwohl Angestelltsein auch kein Sicherheitsgarant mehr ist. Warum? Trauen wir uns nichts zu?

Ich glaube, einer der Gründe ist die Informationspolitik hierzulande. Viele ahnen so manches über die Selbständigkeit, aber Fakten sind das nicht, eher ein Gespinst aus Befürchtungen. Panikmache ist auch ein bisschen dabei, wie bei der Schweinegrippe. Wer über die Selbständigkeit nachdenkt, sollte sich erst mal gründlich darüber informieren. Eine Möglichkeit: Der KfW ZEW Gründungspanel, der seit 2008 Gründungen in Deutschland verfolgt und auch substantielles über Neugründungen in Krisenzeiten zu berichten hat.
Sie können ihn hier als download bekommen. Ich finde, er macht Laune fürs Gründen!

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31.5.09

Umgang mit der Krise - durch Angst und Mobbing?

In Deckung gehen ist ein bewährtes Krisenverhalten: Man macht sich klein, fällt nicht weiter auf, und taucht erst wieder auf, wenn die Bedrohung vorüber ist. Das kann lebensrettend sein. Schwierig wird es allerdings, wenn die geduckte Haltung in eine Gliederstarre übergeht, die einem das Blut abschnürt.

Ein Klient berichtete mir neulich von der, wie er es nannte, Schockstarre in seinem Arbeitsumfeld. Er arbeitet in einer Bank und beobachtet, wie seine Kollegen seit Monaten in Deckung gehen, um den allgegenwärtigen Umstrukturierungen zu entgehen. Selbst ein Großmaul, der sich gern mal mit seinen Vorgesetzten angelegt habe, sei momentan auffallend zahm nach oben. Mit seinen Kollegen und Mitarbeitern allerdings nicht, sagt er - die hätten zur Zeit allerhand auszuhalten. Wie lang, fragte er, ist so eine Atmosphäre noch zu ertragen?

Die Krise, die als Subprimekrise, dann als Finanzkrise und schließlich als Weltwirtschaftkrise daher kam, hält an. Jeder einzelne von uns spürt, wie sehr unser Einzelschicksal von dem komplizierten Netz der globalen Marktverhältnisse abhängt. Viele, die jetzt an ihren Arbeitsplätzen in Schockstarre verharren, kehren aus Angst vor einem Jobverlust Konflikte unter den Teppich oder suchen sich Unbeteiligte als Blitzableiter. Ein ideales Umfeld für Mobbing. Der Druck steigt, das Hauen und Stechen wird stärker.

Bedauerlich. Es gibt nämlich viele Möglichkeiten, mit innerbetrieblichen Konflikten umzugehen, vorausgesetzt, man schaltet das Gehirn wieder an und kommt aus der Schockstarre - Coaching ist eine davon.

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