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20.4.10

Erfolgreich bewerben - was brauchen Sie?

Aus Sicht eines Karriereberaters scheint es gar nicht so schwer, Klienten beim Jobwechsel zu begleiten: Es ist nützlich, bei den Bewerbungsunterlagen ein paar Regeln zu beachten, das USP des Klienten herauszuarbeiten und das Vorstellungsgespräch gut vorzubereiten. Das bedeutet etwas Aufwand und Arbeit, ist aber meistens erfolgreich, wenn, ja wenn der Klient darüber hinaus weiß, was er mit der neuen Stelle bezwecken will und was er überhaupt beruflich braucht.

Viele Wechselwillige verbinden mit dem Jobwechsel so große Bewährungsängste, dass sie kaum darauf kommen, auf ihre eigenen Belange zu achten. Das betrifft beispielsweise Fragen wie diese: Wollen Sie einen neuen Karriereschritt machen oder wollen Sie andere Ziele mit dem Jobwechsel erreichen? Brauchen Sie ein Büro für sich oder reicht Ihnen Ihr Laptop unter dem Arm? Welche Boni/ welche Gehaltsvorstellungen brauchen Sie? Wollen Sie Überstunden, sind Sie an Stress gewöhnt? Wollen Sie reisen?
Vieles andere ist zu klären, bevor Sie auf Stellenangebote antworten. Erst dann können Sie im Bewerbungsgespräch die richtigen Fragen stellen, die Sie davor bewahren, beruflich in einer Fallgrube zu landen. Viel Erfolg dabei!

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11.11.09

Motivationstief: Kann ich oder will ich nicht mehr?

Meine Klientin hat tiefe Ringe unter den Augen. Eigentlich mag sie ihren Job, aber es ist viel in letzter Zeit und sie kann sich schlecht konzentrieren. Schlafprobleme hat sie, die Gedanken an die Arbeit lassen sie nicht los. Obendrein kommen ihr Zweifel, ob sie diesen Job wirklich weiter machen will. Aber woher soll sie wissen, ob sie einfach nur in einem Motivationstief steckt, oder ob ein wirklich grundliegender Wunsch nach Neuorientierung dahinter steckt?

Gute Frage. Eine Antwort zu finden ist schwer, denn Stressbetroffene können kaum mehr selbst entscheiden. Sie funktionieren nur noch. Ihnen fehlt der Abstand, um ihre Situation beurteilen zu können. Zudem sind Entscheidungen unter Druck schlechte Entscheidungen.

Da hilft nur eins: Abstand! In vielen Fällen passiert das ungewollt, wenn Stressgeplagte zusammenklappen. Ein Krankenhausaufenthalt kann für einige Stresssymptome heilsam sein. Auch wird er meist als Warnung verstanden, dass eine Neuorientierung hin zu weniger fremdbestimmter Arbeit nötig ist.

Aber angenommen, Sie haben die Fäden noch in der Hand und kommen nach einer Urlaubspause oder Kur erholt und voller Elan an Ihren Arbeitsplatz zurück. Kurze Zeit später haben Sie den Eindruck, Sie stecken in der gleichen Motivations-, und Energiefalle wie vorher. Dann sollten Sie, allein oder mit neutraler Unterstützung, Ihren Arbeitsplatz auf den Prüfstand stellen: Was bietet er Ihnen, was nimmt er Ihnen? Falls der Handel Gesundheit gegen Geld und Anerkennung lautet, wäre eine Neuorientierung mehr als nur einen Gedanken wert.

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7.6.09

Anregung: Mal wieder selber denken

Wissen Sie was, meinte neulich ein Klient mit zerfurchter Stirn, zum Nachdenken komme ich sonst ja gar nicht mehr. Ich arbeite lang, erledige meinen Haushalt und die Dinge, die sonst noch so anstehen, schalte abends noch den Fernseher an und lasse mich berieseln. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich mal ein Buch gelesen habe...

Vielen Menschen geht das so: Sie funktionieren nur noch, finden sich in einem vorgestanzten Leben, anstatt selbst zu leben. Die vita activa hat die vita contemplativa längst verdrängt. Innehalten für Selbstreflexion ist nur noch selten möglich - im Coaching zum Beispiel.

Für den Fall, dass Sie auch das Lesen und sich Gedanken machen vermissen, hier eine Empfehlung: Richard Münch, Globale Eliten, lokale Autoritäten, Edition Suhrkamp. Darin geht es um das Wissen und Nachdenken in Zeiten der Weltkultur, und wie die Managementrhetorik alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt. Sehr erhellend auch in Bezug auf die Frage, wie der Einzelne sich als Unternehmer seiner selbst im Spiel der globalen Wirtschaftskräfte durchschlägt.

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2.8.08

Ziele erreichen - vollautomatisch?

Als Autonarren haben wir Deutschen einen Trend mitgeprägt, der sich an den meisten Neuwagen zeigt: "Mehr Sicherheit" durch weniger Verantwortung. Das Navi erreicht sein Ziel automatisch, das Einparksystem steuert in die Parklücke, das ESP verhindert, dass der Wagen seitlich ausbricht, und Prallkissen aus fünf Richtungen dämpfen selbst das äusserste Unsicherheits-Szenario, den Un-Fall.

Auch für Karriere und Beruf gibt es automatisierte Luftsack-Einheiten. Immer mehr Unternehmen praktizieren eine neue Form der Verantwortung für ihre Mitarbeiter: Sie haben interne Fitness-Programme, um die "Performance" der MA zu sichern, sie entwickeln Gesundheitskonzepte. Längst werden den einzelnen Mitarbeitern jährlich Ziele gesetzt. Manche Firmen bieten vom Umzugs- zum Hemdenbügel-Service alles an, um den Mitarbeiter "zu entlasten".

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich frage mich manchmal, können die Menschen in diesen vollautomatisch sicheren Autos überhaupt noch fahren?

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17.5.08

Sich selbst coachen, wie geht das?

Haben Sie mein letztes Posting gelesen, da wo et um Aufschieberitis ging? Ich hatte meinen Lesern da u.a. die Empfehlung gegeben, eine Art individuellen Mantra-Spruch an den Spiegel zu kleben. Neee, kam bald darauf ein Einspruch von einer geschätzten und aufmerksamen Klientin: So geht das nicht. Sobald der Spruch ein paar Tage hängt, meinte sie, wird das Ding zur Dekoration. Man sieht es schlicht und einfach nicht mehr. Viel besser ist es, sagte sie, sich einen individuellen Strategie-Plan zu machen, und den jeden Tag oder bewusst zu einer bestimmten Zeit durchzugehen. Da ist was dran, oder?

Wenn Sie sich also selbst zu Ihren Zielen steuern oder coachen wollen, brauchen Sie zweierlei: Klarheit über Ihre Ziele und Vertrauen in Ihre Selbst-Steuerungskräfte. Das heisst ím Umkehrschluss, Sie dürfen auf Fremdsteuerung weitgehend verzichten. Also haben Sie mit einem Mal eine Menge Rechte:

  • Sie dürfen sich entscheiden, ohne sich zu rechtfertigen.
  • Sie dürfen Fehler machen, wenn Sie bereit sind, die Verantwortung für die Fehler zu übernehmen.
  • Sie dürfen Fragen nicht beantworten.
  • Sie dürfen sich vom guten Willen anderer unabhängig machen.
  • Sie dürfen "logische Argumente" ablehnen, wenn es um die Lösung Ihrer eigenen Probleme geht.
  • Sie dürfen darauf verzichten, auf Ansprüche oder Bedürfnisse anderer Menschen zu reagieren.
  • Sie haben das Recht, sich mit Ihren Charakterfehlern abzufinden und von Ihren Mitmenschen zu erwarten, dass sie das auch tun.

Und wenn ich all das tue, höre ich da einen Zyniker unter Ihnen sagen, bin ich am Ende allein. Tja, liebe Leser, ganz klar: Wie bei dem "Spiegel-Trick" oben geht es bei solchen "Selbst-Steuerungs-Regeln" immer auch um eine situativ angemessene Dosierung, sonst wird alles irgendwie zur sinnlosen Dekoration...

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3.2.08

Downshiften auf Rezept: Gezeitenhaus für Burnout-Betroffene

"Ich konnte nicht mehr schlafen, hatte Magenkrämpfe und dann hat es "zong" gemacht und ich fand mich auf der Intensivstation wieder..." So hört sich das an, wenn workaholics von ihren Erfahrungen mit Burnout berichten. Jeder weiss es, aber keiner will es wahr haben, dass irgendwann Schluss ist mit dem Arbeiten bis in die Nachtstunden, weil der Körper nicht mehr mitmacht. Die Erscheinungsformen des Burnouts sind vielfältig: Depressionen, Tinnitus, Kreislauf-, Rücken-, und Magenbeschwerden, Panikattacken. In Deutschland dauert es durchschnittlich drei bis sieben Jahre - viel zu lang! - bis die Krankheit erkannt und therapiert wird, so eine Studie der FH Münster.

Ein flacher Backsteinbau am Waldesrand, drinnen viel Ruhe, Zeit für Erholung und Schlaf, ohne Stress durch Arbeit, Computer, Fernsehen und Zeitungen. Hier, im "Gezeitenhaus" in Bonn Bad-Godesberg, lernen ehemalige workaholics, ihr Leben zu entschleunigen. Es gibt sie also, die Möglichkeit, aus dem Hamsterrad auszusteigen und sich auf einen langsameren Lebenstakt einzulassen. Wenn Sie, liebe Coaching-Klienten und Leser, mehr dazu wissen wollen, lesen Sie dazu die Reportage der FTD zu diesem Thema.

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