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3.11.09

Selbstständig, ja oder nein? Gründe fürs Gründen

Wir Deutsche sind nicht gerade Vorreiter im Gründen. Im europäischen Vergleich liegen wir im unteren Drittel mit der Bereitschaft zur Selbständigkeit. Schade eigentlich. Denn die Selbständigkeit ist definitiv eine Chance, sich selbst zu verwirklichen und zu wachsen. Also auch Fehler machen zu dürfen und daraus zu lernen.

Aber offenbar sind viele zu verzagt dazu. Sie ziehen die Fremdsteuerung als Angestellte dem Selbst-Steuern vor, obwohl Angestelltsein auch kein Sicherheitsgarant mehr ist. Warum? Trauen wir uns nichts zu?

Ich glaube, einer der Gründe ist die Informationspolitik hierzulande. Viele ahnen so manches über die Selbständigkeit, aber Fakten sind das nicht, eher ein Gespinst aus Befürchtungen. Panikmache ist auch ein bisschen dabei, wie bei der Schweinegrippe. Wer über die Selbständigkeit nachdenkt, sollte sich erst mal gründlich darüber informieren. Eine Möglichkeit: Der KfW ZEW Gründungspanel, der seit 2008 Gründungen in Deutschland verfolgt und auch substantielles über Neugründungen in Krisenzeiten zu berichten hat.
Sie können ihn hier als download bekommen. Ich finde, er macht Laune fürs Gründen!

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3.10.09

Coachingthema Schein-Kultur

Ziemlich oft lerne ich im Coaching Menschen kennen, die eine sagenhafte Karriere hingelegt haben, und dennoch überzeugt sind, einen Makel zu haben: Sie meinen, ihnen fehlten Scheine oder Qualifikationsnachweise.

Sie haben sich in einem mittelständischen Unternehmen hochgearbeitet, in kürzester Zeit, weil sie das Vertrauen des Inhabers hatten. Oder sie haben selbst eine Firma gegründet, die zu einem ansehnlichen Betrieb gewachsen ist. Aus irgendwelchen Gründen sind sie in eine Krise gekommen und fragen sich, ob sie jetzt nicht besser in den sogenannt sicheren Hafen des Angestellten-Daseins wechseln sollten. Und im gleichen Atemzug fragen sie: Aber wer nimmt mich da? Ich habe keine Nachweise für das, was ich kann.

Traurig, aber wahr: Deutschland ist eine Schein-Kultur geworden. Für alles und jedes werden - zum Schein? - Zertifikate verteilt, ein riesiger Markt ist das. Haben Sie genügend Führungs-Seminare belegt? Gratuliere, dann können Sie führen.

Wer Scheine vorlegt, genügt dem Schein der Misstrauens-Kultur, die solches verlangt.
Immerhin gibt es noch, vergleichsweise klein hierzulande, eine Gegenkultur mit anderen Werten: Die der Selbstständigkeit, in der eine gute Idee, ein gutes Konzept, Mut und Ausdauer und die Kräfte des Marktes darüber entscheiden, ob das Pflänzchen gedeiht oder nicht. Wer einmal die Luft dieser Kultur geschnuppert hat, wird anderswo kaum mehr Wurzeln schlagen können...

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15.6.09

Coachingthema Selbstständigkeit: Ein Weg aus der Krise?

Es sind Zeiten der Unsicherheit. Viele schrecken vor dem Jobwechsel in der Krise zurück. Aber in Folge von immer mehr krisenbedingten Umstrukturierungen erwägen einige die Selbstständigkeit als Alternative. Eine gute Wahl, wenn das Konzept und die Rahmenbedingungen stimmen, oder?

Eine Pressemeldung der KfW titelt: Krise treibt Deutsche verstärkt in die Selbstständigkeit. Au weia. Da haben wir es wieder: Die Deutschen, ein Volk von Getriebenen, Herdenviecher, die orientierungslos zur Schlachtbank rennen? Diesen Ruf nämlich scheint die Selbstständigkeit zu haben. Sie wird als Notlösung präsentiert, um noch ein paar Fördergelder mit zu nehmen, und eine länger dauernde Rückkehr ins Angestelltendasein abzufedern. Nur zehn Prozent der Deutschen sind selbstständig, im europäischen Vergleich liegen wir damit im unteren Drittel.

Weiter geht es im Text der Pressemitteilung: Da wird gewarnt, das Risiko sei hoch, mit einer Unternehmensgründung zu scheitern, denn ein Viertel der Unternehmen sei nach drei Jahren nicht mehr am Markt. Seltsam, seltsam. Man könnte ja auch sagen, drei Viertel der Gründungen gelingen und halten sich am Markt. Und ob dieses eine Viertel gescheitert ist, weiss man auch nicht - wie gesagt, oft wird die Selbstständigkeit auch als Übergangsphase in das erneute Angestelltendasein genutzt.

Warum wird die Selbstständigkeit von einer Bank, die Gründer unterstützt, mies gemacht ? Das Angestelltenverhältnis ist jedenfalls längst kein Hort der Sicherheit mehr, im Gegenteil. Selbstständigkeit dagegen, wenn sie gut geplant ist, kann ein Schuh sein, der passt. Ausserdem ist sie ein Programm für persönliches Wachstum. Wer sich nicht hineintreiben lässt, kann davon nur profitieren.

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2.8.08

Ziele erreichen - vollautomatisch?

Als Autonarren haben wir Deutschen einen Trend mitgeprägt, der sich an den meisten Neuwagen zeigt: "Mehr Sicherheit" durch weniger Verantwortung. Das Navi erreicht sein Ziel automatisch, das Einparksystem steuert in die Parklücke, das ESP verhindert, dass der Wagen seitlich ausbricht, und Prallkissen aus fünf Richtungen dämpfen selbst das äusserste Unsicherheits-Szenario, den Un-Fall.

Auch für Karriere und Beruf gibt es automatisierte Luftsack-Einheiten. Immer mehr Unternehmen praktizieren eine neue Form der Verantwortung für ihre Mitarbeiter: Sie haben interne Fitness-Programme, um die "Performance" der MA zu sichern, sie entwickeln Gesundheitskonzepte. Längst werden den einzelnen Mitarbeitern jährlich Ziele gesetzt. Manche Firmen bieten vom Umzugs- zum Hemdenbügel-Service alles an, um den Mitarbeiter "zu entlasten".

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich frage mich manchmal, können die Menschen in diesen vollautomatisch sicheren Autos überhaupt noch fahren?

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15.12.07

Sind Sie ein Gründertyp?

Wenn ja, dann können Sie sich über die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung freuen. Demnach lässt es sich nämlich in Deutschland mit etwa 6 Tagen Bearbeitungsdauer schneller gründen als im Durchschnitt der EU-Staaten, wo das Verfahren ungefähr doppelt so lang dauert. Allerdings führt Deutschland in Bezug auf die Kosten für eine Firmengründung: Fast 800 Euro sind dafür hierzulande zu zahlen, während der europäische Mittelwert bei 554 Euro liegt.

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7.9.07

Wie arbeitet es sich als Freiberufler? - Zufriedener!

Je nach Untersuchung tragen bis zu zwei Drittel der deutschen Angestellten ihre "innere Kündigung" mit sich herum. Das heisst, sie machen "Dienst nach Vorschrift", um ihren Arbeitsplatz zu erhalten, obwohl sie wenig bis gar keinen Sinn darin sehen.Wir Deutschen sind ja besonders sicherheitsbewusst und trotz der Hire-und-Fire-Mentalität, die sich auf der Arbeitgeberseite durchgesetzt hat, sind die meisten von uns noch immer davon überzeugt, dass das Angestellt-Sein dem freiberuflichen Arbeiten vorzuziehen sei.

Fragt man man aber die Freiberufler - ein webportal der Ludwig-Maximilians-Universität und der TU in München haben das getan (http://www.gruendungszuschuss.de/) - dann findet man heraus, dass sie erstaunlich zufrieden sind. 1200 Gründer, die Hälfte davon Freiberufler, wurden befragt und 96 Prozent von ihnen würden wieder gründen. Ihre Zufriedenheit, die sie auf einer Skala von 1 bis fünf (= sehr zufrieden) bewerten sollten, lag bei vier. Zwar kam heraus, dass die Gehälter stark schwanken, dass aber Freiberufler andere Prioritäten setzen: Sie sind unabhängig und haben keine launigen Vorgesetzten. Sie können ihre eigenen Ideen verwirklichen und selbst gestalten, wie lange und wann sie arbeiten.

So. Was meinen Sie: Soll ich jetzt, zur Deutschland-knoppert-Zeit, mal ein Stückchen spazieren gehen, oder doch lieber einen Espresso trinken und Zeitung lesen...?

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27.1.06

Neue Gründerjahre?

Überall irrlichtern momentan Vergleiche mit den 50-er Jahren, auch die Kanzlerin hat die Wirtschaftswunderzeit zum Vorbild ausgerufen: Gründergeist im Deutschland des Jahres 2006? Brauchen wir jetzt Trümmerfrauen und Industrie-Partiarchen und das weisseste Weiss unseres Lebens?

Schauen wir doch mal, wie es steht mit dem Gründergeist. Eine Studie fand heraus, dass im Jahr 2004 in Deutschland 4,2 Mio Menschen selbstständig waren - mehr als je zuvor. Nehmen wir's positiv: Selbstständigkeit kann eine echte Perspektive für Orientierungssuchende sein. Allerdings standen 3 Mio Männern nur 1,25 Mio selbstständige Frauen gegenüber. Viele dieser Frauen verdienen sich laut Studie "ein Zubrot" mit der Selbstständigkeit - holla, da hat uns die Butterbrotsemantik der Fünfziger wieder! Schnell entsteht da die Gleichung "selbstständige Frau = semiprofessionell."

Im angestellten Erwerbsleben ist es ähnlich: Viele Frauen verdienen "etwas dazu", richten ihren Zeitplan nach Belangen der Familie, immer noch haben Frauen bei gleicher Beschäftigung kleinere Gehälter.

Na klar, liebe Leser, dafür gibt es allerhand Gründe und viele Menschen sind zufrieden mit der Zubrot-Rollenverteilung. Allerdings wird sie zum Hindernis für jede Gründerin, die es ernst meint mit ihrer Geschäftsidee: Sie muss einen doppelten Klimmzug machen, um ihre berufliche Kompetenz unter Beweis zu stellen. Da fällt mir gerade auf: Ein Mann ist ein Profi - und was ist eine Professionelle? Auch eine, die sich ein Zubrot verdient?

Mit herzlichen Grüssen aus der neuen Gründerzeit, Ihr Karrierecoach W. Sp.

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