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18.5.09

Junge Führungskräfte - Offensive der Generation Doof?

Dass ich einen neuen Vorgesetzten bekommen würde, erfuhr ich so nebenbei erst
eine Woche vorher
, erzählte mir meine Klientin. Sie hat drei Abteilungen unter sich und beschreibt sich als gestandene Führungskraft, die seit 15 Jahren im Unternehmen ist.
Um genau diese fünfzehn Jahre ist der neue Chef nun jünger, genauso wie der Alte, das Unternehmen setze offenbar auf die Jung-Dynamischen, obwohl die keine Ahnung von Führung hätten, bemerkte meine Klientin verdrossen.

Einfühlung. Eine Fähigkeit im Repertoire der Persönlichen Entwicklung, die nicht jedem Menschen und nicht in allen Situationen gegeben ist. Wenn wir uns angegriffen fühlen, schon gar nicht. Meine Klientin fühlte sich angegriffen und konnte sich schon deshalb kaum vorstellen, warum ihr Chef sich so verhielt. Ihr Urteil: Diese Generation ist halt so - taktlos und rücksichtslos - und in dem Buch Generation Doof geben sie es ja auch noch zu.

Das Buch kann ich übrigens empfehlen - es ist gut recherchiert, mit Witz beobachtet und geschrieben, und liefert einen Einblick in das Daseinsempfinden der jetzt Anfang bis Mitte Dreissigjährigen - die Autoren sind im selben Alter. Ihre Generationsgenossen beschreiben sie abwechselnd als doof, ahnungslos, naiv oder ignorant. Einfühlung scheint zum Inventar dieser Generation nicht zu gehören.

Aber vielleicht können sie es ja lernen. Sowohl die Alten wie die Jungen. Dann sehen die Älteren möglicherweise mal, dass die Nichtachtung des Alters für die Jungen oft die einzige Möglichkeit ist, mit solchen gestandenen Führungskräften umzugehen. Und die Jungen, dass die doch noch Lernpotential haben....

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6.10.08

Glosse: Zeiten ohne Sinn, Karrieren für Frauen?

Sicher ist nichts in diesen Zeiten. Nicht der Arbeitsplatz, nicht die rollende SUV-Trutzburg, Beziehungen und alte Rollenschemata sowieso nicht und Finanzen auch nicht. Der Begriff "Vertrauen" wird nachhaltig umkonnotiert von Bankern, die eigentlich Spieler sind. Es wird gemunkelt von der "Psychologie" der Märkte und dass sowas erschreckendes ja sonst im Business nicht vorkommt.

Genau der richtige Moment, um sich der Psychologie der neuesten Stellenkampagne des Volkswagen-Konzerns zu widmen: Mit der Schlagzeile "Innovation ist weiblich" wird dort um Ingenieurinnen geworben, weil es angeblich an männlichen Vertretern dieses Berufs mangelt. Die "Psychologie" hinter diesem Karriereangebot: Wir finden keine Männer, also nehmen wir halt Frauen.

Ich schlage vor, dass die Bundesregierung einen Werbefeldzug mit dem Titel "Sicherheit ist weiblich" lanciert -aus Steuermitteln selbstverständlich- und sämtliche Vorstände in den Banker-Spielhallen mit Frauen besetzt. Neue Männer für diese Führungspositionen werden sie wohl kaum finden, aber halt: Es sucht sie ja auch keiner. Also, faites vos jeux, das Spiel geht weiter, oder, liebe Leser, geniessen Sie die Sinnfreiheit dieser Zeit. Immer "Sinn machen" ist ja auch eine Bürde. Machen Sie es zum Beispiel wie der Brite Ken Bannister, der 17000 Objekte sammelte, die mit Bananen zu tun haben - ist sowieso alles Banane.

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4.11.07

Coaching und Karriereberatung: Geschickte Männer

Eine Frau ist unterwegs in einer fremden Stadt und findet das Ristorante Picasso nicht. Was macht sie? Sie fragt nach dem Weg. Was macht ein Mann? Er kauft einen Stadtplan, orientiert sich am Moosbewuchs oder geht einen Burger essen.

Bei Frauen überrascht Orientierungslosigkeit nicht sonderlich, eine gewisse Hilflosigkeit zur Schau zu stellen, gehört zum tradierten Rollenrepertoire. Männer dagegen wissen, wo es lang geht, auch wenn sie einen in die falsche Richtung schicken. Gut, ich übertreibe. Aber ahnen Sie, worauf ich hinaus will, jenseits der Klischees?

Ab und zu rufen wohlmeinende Ehefrauen bei mir an und sagen: "Mein Mann braucht dringend eine Karriereberatung. Wann hätten Sie einen Termin frei?" Auch Geschenk-Gutscheine für Ehegatten-Coachings werden nachgefragt. Meine Gesprächspartnerinnen sind überrascht, wenn ich die von ihnen geschickten Männer nicht beraten will, weil sie nicht aus eigenem Antrieb in die Beratung kommen. "Doch, doch", heisst es dann, "er will schon, er weiss es nur noch nicht..." Wir gönnen uns ein verschwörerisches Lachen, aber vermutlich lacht sie auch aus anderen Gründen.

Beide, Frauen und Männer, sind in irgendeiner Situation der Unsicherheit, wenn ich sie als Klienten kennen lerne. Aber in ihrem Rollenverständnis sehen sich die meisten Frauen, die Beratung wollen, nicht erschüttert - manche Männer schon. Dabei passen Handlungen wie die Initiative zu ergreifen und einen geeigneten Berater suchen doch wunderbar zum Rollenbild des tatkräftigen Mannes, oder?

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30.6.07

Wie wirken "Karrierefrauen"?

Neulich im Aufzug einer Frankfurter Bank. Ich trage rote City-Loafer und einen dunklen Hosenanzug. Der Lift ist gestoppte voll mit dezent duftenden Bankern im grau-blau-dunklen Einreiher. Da höre ich aus der letzten Reihe ein gerauntes "Ist doch bemerkenswert, Frauen und ihre Affinität zu Schuhen..."

Berufstätige Frauen weichen von der Einreiher-Norm ab. Sie haben lange oder kurze Haare, tragen Rock (Thatcher) oder Anzug (Merkel), sind sexy oder jenseits der Menopause und dürfen dann auch mal einen handfesten Witz riskieren (Madeleine Albright, cojones).

Eine Studie untersuchte vor kurzem, wie erfolgreiche Frauen wahrgenommen werden; die Ergebnisse sind im Journal of Applied Psychology nachzulesen (Heft 1/2007).

Junge Männer und Frauen erhielten die Unterlagen fiktiver Bewerber um eine Führungs-position. Sie sollten Sympathieurteile abgeben und erklären, wen sie sich als Chef wünschen würden. Wenn es sich um männliche Kandidaten handelte, wurden Durchsetzungsfähigkeit, Effizienz und Leistungsorientierung positiv gewertet, nicht aber bei Frauen. Frauen wurden als Führungskräfte abgelehnt, weil sie als unsympathisch, feindlich, intrigant, hart und nicht vertrauenswürdig eingeschätzt wurden. Das Rollenklischee, dass Frauen verständnisvoll, sozial, freundlich und duldsam zu sein haben, wurde also voll und ganz bestätigt. Nur wer als weibliche Führungskraft auch einige dieser "typisch weiblichen" Eigenschaften im Umgang mit den Mitarbeitern zeigt oder Mutter ist, kann laut Studie diese Ablehnung überwinden.

Leider kann ich das Ergebnis aus Sicht meiner Beratungen nur bestätigen, auch wenn Sie jetzt unken, Humbug, meine Statistik fälsche ich selbst. Althergebrachtes Rollendenken ist allgegenwärtig. Es hindert berufstätige Frauen mit "maskulinen Eigenschaften" bei ihrer Karriere ebenso wie Männer mit sogenannt weiblichen Seiten.

Der Bewunderer meiner Fussbekleidung räumte übrigens auf Rückfrage ein, selbst eine Schwäche für Schuhe zu haben...

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