Seltsam, wie Themen uns manchmal anspringen und dann allgegenwärtig sind. So geht es mir momentan mit der Klage über fehlende Anerkennung. In der Karriereberatung kann ich sie nutzen und ummünzen in einen Antrieb, z.B. aus der "inneren" eine echte Kündigung zu machen.
Aber von überall weht mich dieses Lamento an. Eine Personalmanagerin erzählt mir mit Zornesfalten von ihrem Vorgesetzten. Er sei ein Phantom, vergrabe sich hinter seinem Schreibtisch und kümmere sich nicht um seine Abteilung. Im "Angeben" aber sei er gross: Er schmücke sich gern mit fremden Federn, und deklariere die von ihr und ihrem Team erbrachte Arbeit flugs in seine um.
Und nochmal dasselbe Thema, wieder aus einer anderen Richtung: Vor ein paar Tagen führte der Auftritt der früheren Direktorin des Frankfurter English Theatre, Judith Rosenbauer, bei einer Premierenfeier zum Eklat. Sie forderte vor Beginn der Vorstellung die Anerkennung ihrer Aufbauarbeit: Ihr Foto solle im Foyer auf ihre fast 20-jährige Leitung dieses in Europa einmaligen Theaters hinweisen. Was geschah? Die ehemalige Prinzipalin, einst hofiert und hochgeschätzt, wurde ausgebuht und schliesslich "polizeilich entfernt".- Auch kein Beispiel für überzeugendes Krisenmanagement, aber das nur am Rande.
Jede Wette, dass Rosenbauer sich mit dieser Aktion eher selbst geschadet hat, und dass meine Bekannte erst aufatmet, wenn entweder sie oder ihr Chef "geht". Aber diese Fälle zeigen deutlich, was manche nicht verstehen: Anerkennung ist an Rollen gebunden. Ein Chef kann die Erfolge seiner Mitarbeiter prima als seine verkaufen, und eine ehemalige Theater-Prinzipalin ist im Bewusstsein des Publikums eben nur eins: ehemalig.
Was ist nun die Moral von der G?schicht? Sollte ich Ihnen einen Rat geben wie in diesen Rezeptbüchern , z.B. "geben Sie auch mal an mit Ihren Leistungen, damit andere Sie anerkennen", oder "machen Sie sich nicht abhängig von der Meinung anderer"? Nein, zu allgemein. An beidem ist was dran und auch wieder nicht, denn jeder "Fall" ist anders.
Nur eins ist klar: Anerkennung ist Balsam für die Seele, wir alle brauchen sie. - Hab ich das nicht schön geschrieben...?
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