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7.2.10

Selbstmarketing: Wie wirke ich kompetent?

Sehe ich da ein Stirnrunzeln bei Ihnen, lieber Leser und liebe Leserin? Finden Sie, dass es nicht um Wirkung, sondern um Kompetenz an sich geht?

Wenn Sie das finden, wundern Sie sich sicher auch, wieso Anlageberater, Heiratsschwindler und Hochstapler so viel Erfolg haben. Erinnern Sie sich etwa an den Fall Gert Postel? Ohne jemals ein Medizinstudium absolviert zu haben, gelang es dem Mann in den achtziger Jahren, in Flensburg als stellvertretender Amtsarzt eingestellt zu werden, oder später in der Privatklinik von Julius Hackethal und als Stabsarzt bei der Bundeswehr zu wirken. Fachlich hatte er Null Ahnung, aber im Selbstmarketing war er klasse. Ein Mann mit gutem Eindrucksmanagement: Sein jeweiliges Gegenüber war von ihm und seiner Kompetenz überzeugt. Dabei hat Postel nichts weiter getan, als die Erwartungen seines Umfelds abzuholen und zu befriedigen.

Sie mögen das bedauern, aber in unsrer Marketing-Gesellschaft, in der auch Menschen zu Produkten werden, geht es darum, einen besonders guten Halo-Effekt zu haben. Erst in zweiter Hinsicht zählen Leistungen und Errungenschaften. Das ist nur für diejenigen eine schlechte Nachricht, die meinen, Ehrlichkeit sei immer und unter allen Umständen anzustreben. Im Gegenteil: Flunkern und Glänzen können sind die wahren Führungseigenschaften. Nicht immer, aber immer öfter. Und je öfter man sich darin übt, desto mehr Spass macht es - probieren Sie es doch mal in unverfänglichen Situationen aus! Überwinden Sie die Ehrlichkeits-Blockade und trauen Sie sich, Ihr Hochstaplergen zu entwickeln - ab und zu dürfen Sie auch noch ehrlich sein.

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11.10.09

Coaching-Thema Turbo-Alterung: Ende zwanzig und innerlich schon vierzig

Neulich im Zeit-Magazin schrieb Stefan Willeke über seine Generation, den Jahrgang 1964. Als 60er-Jahrgang kam mir das Rudelgefühl, mit dem er seinen geburtenstarken Jahrgang beschreibt, vertraut vor. Genauso das Damoklesschwert der prognostizierten Arbeitslosigkeit, das Einschreiben für vermeintlich unnütze Studiengänge, und daß sich trotzdem keiner fragte, was der nächste Karriereschritt ist. Dass manche Stunden auf dem Unicampus verbummelt wurden und dass sie jetzt, im Berufleben angekommen, der nächsten Unheilsprognose entgegensehen: Dem Rentnerberg.

Inzwischen steht die nächste Generation rund um den Jahrgang 1980 im Berufsleben. Coaching ist für sie ein selbstverständliches Unterstützungsangebot. Ich lerne einige von ihnen in meiner Beratung kennen. Auch sie sind mit der Prognose, daß Arbeitslosigkeit droht, aufgewachsen, aber ganz anders damit umgegangen. Mir sitzt regelmäßig das Modell Überflieger gegenüber: Junge Menschen um die dreißig, die sehr reflektiert über sich reden, steile Karrieren hingelegt haben, sich neben dem MBA-Studium für Umwelt-Technologien einsetzten, schon über zehn Mal umgezogen sind im Leben, und die Business-Lounges dieser Welt kennen. Ein Leben in Zeitraffer, unverwurzelt, in steter Bewegung. Ihre zwanziger Jahre sind so dicht, wie es unsere zwanziger und dreißiger zusammen nicht waren. Mit Ende zwanzig kriegen sie ihre Midlife-Crisis: Herz-Kreislauf-Probleme bei Frauen, Burnout bei Männern. Die Sehnsucht nach mehr Ruhe und einem anderen, erfüllten Leben eint beide.

Immer früher verbrennt unsere Leistungsgesellschaft ihre Leistungsträger. Einen Rentnerberg hat diese Generation wohl kaum zu befürchten.

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16.8.08

Gefühlte Wirklichkeit, medial vermittelt

Mein Buchhändler sagt immer, wir sind eine Molto-Fühl-Gesellschaft. Es gibt "gefühlte Temperaturen", und, nicht nur dank Horst Evers, auch "gefühltes Wissen". Für das gefühlte Wissen sind Menschen auf der Strasse zuständig, aber nur, wenn ihnen ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird. Die zucken dann mit den Achseln und kichern, wenn sie sagen sollen, welche Stadt in England mit "Lon" anfängt und mit "don" aufhört. "Gewusstes Wissen" muss es folglich auch geben. Auch das wird im Fernsehen gemacht, in Sendungen über Wissenschaft, also mit Experten und so. Und noch ein Format ist typisch gefühlt, Reality TV, zu Deutsch vielleicht "Gefühlte Wirklichkeit"?

Letztens rief jemand an von einer TV-Agentur. "Wir machen Berichte für ARD und ZDF und Pay-TV," stellte er sich vor und kam gleich zur Sache. Ich hätte doch als Coach mit dem Thema "Downshifting" zu tun, ob ich da wohl einen "Protagonisten" liefern könnte? Ich fragte, wie er sich das vorstellte. Ganz einfach, hörte ich, ich könnte doch mal einen meiner Downshifter fragen, ob er oder sie Interesse hätte, in so einem Dreh aufzutreten. Aber nur, fügte er hinzu, wenn das Protagonisten-Beispiel auch deutlich sei. Was er unter Deutlichkeit verstand, erklärte er sofort. Na, sowas wie "vom Top-Manager zum Schäfer", meinte er. Derart medial Wirksames hätte ich nicht im Bauchladen, entgegnete ich, und subito war das Gespräch beendet. Da hab ich mich echt gut gefühlt.

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