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30.11.08

Glosse: Sparsame Vorgesetzte

Es gibt ja nichts, was es nicht gibt. So erzählt man sich hin und wieder von Vorgesetzten, die so sparsam sind, dass sie morgens aufs Grüssen verzichten. Ist ja bekannt, dass die viersilbige Buchstaben-Kombination "Guten Morgen" einiges an Energie verzehrt, was anderswo effizienter eingesetzt werden kann. Führung ist schliesslich eine anspruchsvolle Aufgabe, ein Spiegel der Firmenkultur.

Neulich hörte ich von einem besonders energiebewussten Vorgesetzen aus der Finanzdienstleistungsbranche. Der ersparte sich gegenüber einem leitenden Angestellten, nennen wir ihn Christian S., das Kündigungsgespräch. Er schickte einen Kollegen zu Christian S., der am nächsten Tag seinen Urlaub antreten wollte, mit der Botschaft, er solle nach dem Urlaub nochmal einen Tag kommen und klar Schiff machen, er werde nicht mehr gebraucht. Jetzt werden Sie wahrscheinlich sagen, solche Chefs braucht auch keiner. Kannten Sie die Pointe schon? Christian S. kam drei Wochen später aus dem Urlaub zurück, um seinen Arbeitsplatz zu übergeben. Da war sein Vorgesetzter verschwunden - man hatte ihm gekündigt. Sparsamkeit lohnt sich wohl doch nicht immer....

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4.5.08

Ungenügend: Die Leistungsbeurteilung als Führungsinstrument

"Ich bin völlig falsch beurteilt worden", höre ich im Coaching. Nicht nur, dass dadurch die längst fällige Gehaltserhöhung wieder "verzögert" wird, auch der vom Klienten angestrebte Karriereweg scheint jetzt in den Sternen zu stehen.

Nirgendwo wird so gern und häufig zu Leistungsbeurteilungen als "Führungsinstrument" gegriffen wie in Deutschland. Ganze Abteilungen verwandeln sich in Klassenzimmer, aus Vorgesetzten werden Lehrer Lempels, alle beugen sich vor dem System und kaum jemand fühlt sich wohl dabei.

Das allerbeste ist freilich der "Leistungsvergleich", der veröffentlicht wird, um den "sportlichen Ehrgeiz" zu wecken. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie zeigt, dass die Qualität der geleisteten Arbeit signifikant sinkt, wenn solche Vergleiche allen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. Noch deutlicher: Die Produktivität eines Unternehmens wird durch die Bekanntmachung eines Leistungsrankings reduziert.

Was ändert es? Reinhard Sprenger ruft seit Ewigkeiten in den Wald deutscher Unternehmen, dass die Leistungsbeurteilung obsolet und nur ein Zeichen für fehlenden Kontakt ist. Gleich dem Liebhaber, der "danach" fragt, "war ich gut?" Und was schallt aus dem Wald der Unternehmen zurück? "Lasst uns das gerecht und objektiv beurteilen...."

Mal ganz unter uns, liebe Leser. Gerechtigkeit ist sowieso ein Kinderglauben. Aber da sind wir wieder, wo wir angefangen haben: Firmen verwandeln sich in Schulen, Mitarbeiter werden zu Kindern. Was bin ich froh, dass ich seit acht Jahren schwänzen darf...

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26.6.06

Coachingtrend "Störungen" - jenseits des Kanals

Was gibt's Neues im Heimatland des Coachings, frage ich mich ab und zu, und stöbere dann auf den Webseiten und -logs englischer Kollegen. Weshalb? Ganz einfach, weil viele dieser Trends mit etwas Verspätung in Deutschland als neues Geheimrezept ankommen.

So fand ich jetzt bei Tom Peters folgende Schlagzeile: "Re-Imagine. Business Excellence in a Disruptive Age". Aufhänger dieses Coaching-Konzepts sind die "disruptions", Störungen also, die von aussen oder innen kommen und den normalen Betriebsablauf vereiteln. Mehr noch, Peters nennt unser ganzes Zeitalter "disruptive", also mit Störungen durchsetzt.

Holla, welch ein kultureller Unterschied. Bei dem von der Kicker-WM verschriebenen Stimmungshoch hierzulande ist schon der Gedanke an Störungen störend. Politik? Streikende Ärzte? Hoher Krankenstand im Betrieb? Ineffiziente Prozesse im Projekt? Ehekrach? Stört alles. Nehmen wir ein paar Schlucke aus der Budweiser-Dose und geben wir uns der Fussball-Party hin.

Störungen als konstruktiv zu sehen und mit bzw. an ihnen zu arbeiten, davon sind viele von uns meilenweit entfernt. Störungen "gehören abgeschafft" - sie ins Daseins-Konzept zu integrieren, wäre hier wirklich neu. Na, mal sehen, was unsere Coaching-Gurus in ein paar Monaten verkünden, wenn die Sommerpause vorüber und business as usual ist ... vielleicht ein neues Coaching-Programm, das " Störungen als Plus im Leben" heisst?

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