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13.7.08

Bewerbungsgespräch: Dumme Fragen, kluge Antworten

Eine sportliche Frau um die fünfzig sitzt mir gegenüber. Mit festem Blick und ebensolchem Händedruck und einem Lachen, das ein paar Oktaven durchklingelt. Sie weiss, was sie kann, sagt sie, deutlich und ausdrucksstark. Nur die andern, ob die das auch wissen, in ihrem Alter?

Ein paar Wochen später sehen wir uns wieder, sie hat den neuen Job in der Tasche, das Lachen klingelt hell und leicht. Aber was ihr bei der Jobsuche so alles begegnet ist, darüber, meint sie, könnte sie jetzt ein Buch schreiben.

Da war zum Beispiel dieser Personaler, der ihr dumme Fragen gestellt hat. Die seltsamste war, wie ihr Mann sie sehen würde. Was soll man auf sowas antworten?

Ich musste sofort an "Männer" von Doris Dörrie denken. Kennen Sie auch die Szene, wo Möchtegern-Aufsteiger Uwe Ochsenknecht vom arrivierten Heiner Lauterbach bei einem Wein "trainiert" wird für das Bewerbungsgespräch am nächsten Tag? Nimm mal die Zeitung, sagt der Arrivierte. Falt mal ein Schiffchen daraus. Setz es Dir auf und steig auf den Tisch. Als Ochsenknecht alles gemacht hat, zuckt Lauterbach mit den Schultern: "Siehste, kein echter leader würde sich so verhalten."

Es gibt viele Möglichkeiten, auf Fragen, die ins Private zielen, zu antworten. Mit Ironie, ohne, aber vage, oder mit dem deutlichen Hinweis, dass man gern beschreibt, wie die Kollegen und Vorgesetzten eine/n sehen. Aber klar, da muss man erst mal drauf kommen.

Schade nur, dass Personaler offenbar selbst gegenüber überzeugend auftretenden Kandidaten mit 1A Portfolio in ihre Mottenkiste greifen und Spielchen spielen. Bei guter Menschenkenntnis sollte man, finde ich, auf so einen Tanz auf dem Tisch verzichten können.

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10.5.07

Mentales Mobiliar: Verantwortung erst ab einem "gewissen Alter"?

Manchmal wundere ich mich über die Möblierung unserer deutschen Gehirne. Da ist so viel frischer Wind reingekommen in letzter Zeit und trotzdem sitzt noch einiger alter Mief drin.
Nehmen wir mal das Thema Verantwortung.

Was ist Verantwortung? Kann ein junger Mensch Verantwortung übernehmen?
Die meisten deutschen Unternehmen - immerhin 69 Prozent - scheinen das nicht zu glauben, denn sie bevorzugen ältere Mitarbeiter in den Führungsetagen:

Warum? Vermutlich, weil ältere Mitarbeiter hier wenig Kooperationsbereitschaft gegenüber einem jüngeren Vorgesetzten zeigen. Warum? Weil viele sich die Firma als Zweitfamilie denken, an deren Spitze nur Leitfiguren "gewissen Alters" sein können.

Im übrigen Europa ist das anders. Zum Beispiel in Grossbritannien sind 81 Prozent der Unternehmen bereit, jüngere Topleute einzustellen, wenn sie die entsprechenden Qualifikationen haben. Allerdings sollte sich die deutsche Skepsis gegenüber jüngeren Führungskräften mit dem seit letztem Sommer geltenden Gleichbehandlungsgesetz ändern.
Denn die Idee des "Ageism", also der "Diskriminierung aus Altersgründen", ist keine Einbahnstrasse nur zugunsten von Älteren, die wieder in den ersten Arbeitsmarkt kommen wollen.

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27.4.07

Karriereberatung: Gratulation zum neuen Job jenseits der 50!

Ab und zu, liebe Leser, läuft einem das Herz über vor Freude, und das würde man am liebsten ganz laut rausposaunen. So geht`s mir momentan - freuen Sie sich doch mit!

Gerade rief eine Klientin an, die ich als Karriereberaterin bei ihrer Stellensuche unterstützt habe. Es war das volle Programm: Vom Check der Bewerbungsunterlagen bis zum Video-Coaching für das Einstellungsgespräch. Und wie fing das Gespräch an? Sie sagte: "Frau Sponagel, gratulieren Sie mir mal!"

Sie hat ihren Traumjob in einer Firma mit prima Firmenkultur gefunden - und mir erlaubt, das hier mitzuteilen. Für sich besehen ist das natürlich noch nicht die grosse Glocke wert, an die ich es hänge, denn erfolgreiche Karriereberatungen gelingen mir durchaus öfters. Aber in ihrem Fall freue ich mich ganz besonders, denn sie hatte sich als Mittfünfzigerin als Problemfall gesehen und wollte meinen Beteuerungen, dass sich der Markt auch für diese Altersgruppe öffnet, nicht recht glauben.

Also, liebe Leser, die Nachricht, die es rauszuposaunen gilt, lautet: Es steht nicht nur in Studien und Statistiken, dass sich etwas tut für die sogenannten "Best Ager" - es passiert wirklich. Vorausgesetzt natürlich, die Mittfünfziger sind kompetent und haben "Schwung und Biss" wie meine Klientin - sonst nützt die beste Beratung nichts.

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