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2.8.09

Coachingthema workaholic im Urlaub

Endlich Urlaubszeit. Entspannen, faul sein, einfach in den Tag hinein leben.
In Deutschland, dem Land der Arbeitssüchtigen, ein offenbar unbekanntes Phänomen. Laut Umfrage eines online-Hotelbuchungsportals können 66 Prozent der Deutschen auch in ihren Ferien nicht von ihrer elektronischen Post lassen. Ein-, oder mehrmals täglich überprüfen sie ihre e-mails und beantworten sie auch.
An die 250 Mio Stunden arbeiten die Deutschen angeblich aus dem Urlaub.

Als Coach, der fast täglich mit Downshifting-Anfragen zu tun hat, fällt mir dazu allerhand ein. Dass Arbeitssucht ein gefährliches und unterschätztes Leiden ist, an dessen Ende meist ein Burnout mit Zwangs-Urlaub steht. Dass Menschen mit Rund-um-die-Uhr-Kontakt zum Büro den Kontakt mit sich selbst verloren haben. Dass Arbeitssüchtige sich selbst verschenken, ohne überhaupt zu wissen, wer sie sind. Dass solche Geschenke meist nicht geschätzt werden.
Dass Zeit ein kostbares Gut ist.
Geniessen Sie Ihren Urlaub!

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26.4.09

An Stressgeplagte: Macht bloß kein Coaching!

Manche haben Kreislauf, andere haben Stress.
Als Coach mit Downhifting-Beratung im Angebot treffe ich regelmäßig auf Menschen der letzteren Kategorie. Immer die Uhr und diverse elektronische Spielzeuge im Blick, eröffnen sie mir im Stakkato ihre Stress-Situation und hasten weiter.

Sie möchten einen Ausweg finden aus ihren Zeit-, und Belastungsnöten, aber schnell stellt sich heraus: Der Coaching-Termin ist Stress!
Beim Coaching muss man körperlich anwesend sein und kann so gar nichts anderes gleichzeitig machen! Ausserdem gibt es je nach Absprache auch noch Hausaufgaben, irgendwelche Reflektionsfragen oder was auch immer - wann soll man das denn machen, bitteschön??

Coaching bei Stress ist eine Paradoxie. Wer meint, keine Zeit zu haben, will meist auch keine investieren, um irgendwann mal welche zu haben. Der Tunnelblick der Stressgeplagten verhindert, Prioritäten in eigener Sache zu setzen. Stressbetroffene sehen nicht mehr, was gut für sie ist. Da hilft nur eins: Der Zusammenbruch, der den Stress zwangsweise beendet.

Wilhelm Busch wusste schon vor über einem Jahrhundert, was da auf uns zukommt:

Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah,
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
War er richtig auch dabei.

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22.3.09

Downshifting: Ziele erreichen, die für Sie passen.

Führungsposition, Firmenwagen, Geschäftsreisen, irgendwie ist mir das alles gar nicht mehr wichtig, sagt mein Klient. Vor drei, vier Jahren wollte ich es noch allen beweisen, aber inzwischen brauche ich das nicht mehr. Was ich brauche, ist mehr Zeit für mich und Zeit für Freunde und Familie.

Eine klare Ansage. Geht es Ihnen auch so, dass Sie merken, meine Werte haben sich geändert, aber draußen im Alltag ist alles noch gleich? Dass Sie gern Ihr Innen und Außen wieder ins Gleichgewicht bringen möchten?

Im neuen Sprachgebrauch nennt man das Downshifting oder Runterschalten auf das Wesentliche. Es wird gern missverstanden als Mittel gegen Stress - was auch stimmt, aber nur im Nebeneffekt. Runterschalten bedeutet, dass Sie erkennen, was Ihnen im Leben wichtig ist. Sie fragen also nicht mehr, passe ich in diese Firma?, sondern umgekehrt, passt diese Firma und dieser Job zu mir? Wenn Sie dabei konsequent sind, werden Sie sowieso weniger Stress erfahren, denn dann ist Ihr Innen und Außen im Einklang und Sie haben mehr selbstgesteuerte Zeit.

Ein Luxusproblem in diesen Zeiten, sagen Sie? Man hat ja keine Wahl mehr? Genau das ist der Punkt. Wenn Sie das glauben, haben Sie auch keine andere Wahl mehr. Wer tagtäglich in der sogenannten Mühle steckt, hat einen Tunnelblick. Da ist es hilfreich, mal Abstand zu nehmen und auf die Suche nach dem eigentlich Wichtigen zu gehen. Sich Ziele zu setzen, die für Sie passen - gerade in diesen Zeiten!

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20.10.08

Mehr deligieren, aber wie? Downshifting mal anders.

"Mir wächst die Arbeit über den Kopf", diesen Satz höre ich oft. Wenn ich dann frage, warum deligieren Sie nicht mehr, bekomme ich manchmal dieses "Wenn-Sie-Wüssten-Lächeln". Falls mehr deligieren wirklich nicht möglich ist, sollten die Betroffenen Downshifting in Erwägung ziehen. Also raus aus der Mühle, einen anderen, weniger stressigen Job suchen.

Aber angenommen, es ist theoretisch noch möglich, einige Aufgaben abzugeben. Dann kommt das Dilemma "Vertrauen oder Kontrolle" ins Spiel. Aber wo es in die Kultur des Unternehmens passt, auf Ersteres zu bauen, lohnt sich das Deligieren - und ganz nebenbei schafft es tatsächlich neue Freiräume. Hier ein paar Tipps, damit die Führung Ihrer Mitarbeiter mit dem Führungsinstrument Deligieren gut klappt:
  • Fragen Sie sich zunächst, welche Kultur in Ihrem Unternehmen herrscht. Ist es eine Kultur des Vertrauens? Dann können Sie via Deligieren Vertrauen weiter geben - was nicht heisst, dass Sie die Ergebnisse nicht kontrollieren.
  • Fragen Sie sich, was Sie möglicherweise bisher gehindert hat, in mehr zu deligieren. Macht Ihnen die Arbeit einfach Spass? Das darf es, es sei denn, Sie arbeiten 10 bis 14 Stunden am Tag, um das Pensum zu schaffen. Picken Sie sich ein paar Rosinen raus, die anderen Rosinen können sie getrost weiter geben. Fürchten Sie, an Autorität zu verlieren? Fragen Sie sich mal, wie Sie dahin gekommen sind, wo Sie jetzt sind. Hat Ihnen nicht auch jemand etwas zugetraut? Hat diese Person in Ihren Augen an Autorität verloren? Wohl eher nicht.
  • Wenn Sie deligieren, denken Sie daran, viele Wege führen zum Ziel. Ihrer ist einer davon, aber nicht unbedingt der beste. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Raum, eigene Ideen zu entwickeln und geben Sie Ihnen klare Anweisungen und Informationen über das erwartete Ergebnis. Und kalkulieren Sie eine bestimmte Fehlerquote ein - nobody is perfect.

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7.9.08

Schlapper FAZ-Artikel über Arbeitgeber-Haftung bei Burnout

Bloss nicht schlappmachen, titelt die FAZ in ihrer Rubrik "Beruf und Chance" am Wochenende. Dass dem Arbeitgeber möglichst teure "Krankheits-Kosten" erspart, und dabei aber bitte Überstunden bis zum Anschlag geleistet werden sollen, ist ja nichts Neues. Aber dann heisst es in der Ankündigung des Artikels "Arbeitgeber können für die Folgen extremer Belastung haften." Nanu, fragt sich so mancher Stress-Geplagte da, wie geht denn das?

Wer sich also, auf einen juristischen Austieg aus dem Hamsterrad hoffend, durch den Vier-Spalter knabbert, ist nachher leider kein bisschen schlauer. Der Tenor des Artikels lautet: Arbeitnehmer, ihr könnt es gern probieren, aber besser ists, ihr lasst es. Man brauche vor Gericht gute Beweise. Der Zusammenhang beispielsweise zwischen hoher Arbeitsbelastung und Einschlafen am Steuer sei kaum nachweisbar - vielleicht war man ja auch am Vorabend in der Kneipe?
Fazit: Ersparen Sie sich den Artikel, gehen Sie lieber in die Kneipe - damit tun Sie vermutlich mehr gegen Ihren Burnout.

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16.8.08

Gefühlte Wirklichkeit, medial vermittelt

Mein Buchhändler sagt immer, wir sind eine Molto-Fühl-Gesellschaft. Es gibt "gefühlte Temperaturen", und, nicht nur dank Horst Evers, auch "gefühltes Wissen". Für das gefühlte Wissen sind Menschen auf der Strasse zuständig, aber nur, wenn ihnen ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird. Die zucken dann mit den Achseln und kichern, wenn sie sagen sollen, welche Stadt in England mit "Lon" anfängt und mit "don" aufhört. "Gewusstes Wissen" muss es folglich auch geben. Auch das wird im Fernsehen gemacht, in Sendungen über Wissenschaft, also mit Experten und so. Und noch ein Format ist typisch gefühlt, Reality TV, zu Deutsch vielleicht "Gefühlte Wirklichkeit"?

Letztens rief jemand an von einer TV-Agentur. "Wir machen Berichte für ARD und ZDF und Pay-TV," stellte er sich vor und kam gleich zur Sache. Ich hätte doch als Coach mit dem Thema "Downshifting" zu tun, ob ich da wohl einen "Protagonisten" liefern könnte? Ich fragte, wie er sich das vorstellte. Ganz einfach, hörte ich, ich könnte doch mal einen meiner Downshifter fragen, ob er oder sie Interesse hätte, in so einem Dreh aufzutreten. Aber nur, fügte er hinzu, wenn das Protagonisten-Beispiel auch deutlich sei. Was er unter Deutlichkeit verstand, erklärte er sofort. Na, sowas wie "vom Top-Manager zum Schäfer", meinte er. Derart medial Wirksames hätte ich nicht im Bauchladen, entgegnete ich, und subito war das Gespräch beendet. Da hab ich mich echt gut gefühlt.

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23.3.08

Neues vom downshifting?

Ostern. Wieder so ein Fest, von dem keiner genau weiss, worum es eigentlich geht. Irgendwie um Nikolausi oder Osterhasi halt, und einen freien Montag gibts gratis dazu. So viel Freizeit. Und weit und breit nichts zum Arbeiten...?

Sollten Sie, liebe Leser, sich diese Frage stellen, dann sind sie vermutlich reif, mal ein paar Gänge runterzuschalten, wenn Sie das noch können. Sie wissen ja, runterschalten heisst in Englisch "downshifting", seit ein paar Jahren ein Begriff für den Ausstieg aus dem Hamsterrad und für eine Bewegung von Individualisten, die genau das wollen.

Ich habe für Sie mal wieder auf der britischen Seite über "downshifting" vorbeigeschaut, um zu sehen, was es da Neues gibt. Anfang April rufen die Insulaner wie in jedem Jahr ihre "National Downshifting Week" aus. Sie machen Vorschläge, wie sich Einzelne oder Firmen daran beteiligen können. Die Liste für Unternehmen liest sich wie der Nikolausi-Wunschzettel eines Grünen-Anhängers: Firmen sollen ihren Müll trennen, den Mitarbeitern in der Kantine lokale Produkte anbieten und bei ihrer Firmenwagenflotte sparsamere Modelle anschaffen. Kein Wort von Arbeitszeitkonzepten, die Mitarbeiter entlasten könnten und langfristig sinnvoll wären, nichts von der Verantwortung der Unternehmen gegenüber "Burnout-Mitarbeitern" - das wäre wohl politisch unkorrekt.

Ähnlich harm- und arglos sind die Empfehlungen für Einzelne: Man solle eine Kreditkarte kleinschneiden heisst es da, sich einen halben Tag frei nehmen, um ihn mit einem geliebten Menschen zu verbringen und abends Spiele spielen statt zu glotzen. Ach ja, so einfach ist das mit dem Runterschalten. Warum stricken wir uns nicht einen von diesen meliert-bunten Wollpullovern aus den 70-ern, ziehen ihn an und fühlen nach, wie das war, als Zeit noch kein Luxusgut war. Nebenbei vergessen wir die "National Downshifting Week". Frohe Ostern.

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3.2.08

Downshiften auf Rezept: Gezeitenhaus für Burnout-Betroffene

"Ich konnte nicht mehr schlafen, hatte Magenkrämpfe und dann hat es "zong" gemacht und ich fand mich auf der Intensivstation wieder..." So hört sich das an, wenn workaholics von ihren Erfahrungen mit Burnout berichten. Jeder weiss es, aber keiner will es wahr haben, dass irgendwann Schluss ist mit dem Arbeiten bis in die Nachtstunden, weil der Körper nicht mehr mitmacht. Die Erscheinungsformen des Burnouts sind vielfältig: Depressionen, Tinnitus, Kreislauf-, Rücken-, und Magenbeschwerden, Panikattacken. In Deutschland dauert es durchschnittlich drei bis sieben Jahre - viel zu lang! - bis die Krankheit erkannt und therapiert wird, so eine Studie der FH Münster.

Ein flacher Backsteinbau am Waldesrand, drinnen viel Ruhe, Zeit für Erholung und Schlaf, ohne Stress durch Arbeit, Computer, Fernsehen und Zeitungen. Hier, im "Gezeitenhaus" in Bonn Bad-Godesberg, lernen ehemalige workaholics, ihr Leben zu entschleunigen. Es gibt sie also, die Möglichkeit, aus dem Hamsterrad auszusteigen und sich auf einen langsameren Lebenstakt einzulassen. Wenn Sie, liebe Coaching-Klienten und Leser, mehr dazu wissen wollen, lesen Sie dazu die Reportage der FTD zu diesem Thema.

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8.12.07

Weihnachtshype: Wie hoch ist Ihr Überstundenkonto?

Oh, Du gnadenlose Vorweihnachtszeit - das Hamsterrad in den Betrieben dreht sich schneller. Ich könnte für meine Klienten gut und gern Beratungs-Nachtschichten machen, denn, so höre ich immer wieder, "vor sieben komme ich nicht raus." "Noch vor Weihnachten" heisst das Motto, das die Überstundenkonten in deutschen Firmen nochmal richtig dick werden lässt.

Politisch ist wieder keine Lösung in Sicht für diese "freiwilligen" Zeitgeschenke an den Arbeitgeber. Zum nunmehr sechsten Mal haben es die europäischen Arbeitsminister vertagt, ein neues Rahmengesetz zur Arbeitszeit in der EU vorzulegen. Unter anderem Grossbritannien und Deutschland wollen - gegen den Willen der Südländer - unter bestimmten Bedingungen mehr als 60 Wochenstunden erlauben, lesen Sie mehr dazu hier:

Wie geht es Ihnen damit, liebe Leser, wünschen Sie sich auch mehr Zeit für sich? Aber vielleicht ist das ja genauso wie mit dem Lottogewinn: Wenn der Wunsch plötzlich in Erfüllung geht, weiss man mit der grossen Gabe nichts anzufangen. Fremdverwaltete Zeit ist Sicherheit - was für ein Glück, dass wir für Unsicherheit keine Zeit haben...

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19.10.07

Neuer Trend: Slobby sein und langsam arbeiten

Ich werde häufig gefragt, ob das "downshifting", also das Runterschalten in eine Tätigkeit mit weniger Geld und mehr Zeit wirklich soooo eine grosse Bewegung ist in Deutschland. Vielleicht nicht unter dem Titel, sage ich dann, aber mehr von ihrem Leben zu haben, das wünschen sich viele, nicht nur meine Klienten.

Genau in dieses Bild passt, finde ich, dieser neue Trend:

Es gibt jetzt angeblich Top-Manager, die sich "slobbies" nennen.."Slobby" steht für "slow but better working people" - diese Menschen stellen also die Grundfesten der Taylorisierung in Frage, das Effizienzprinzip. Sie wissen, was ich meine? Taylor hatte die Idee der "wissenschaftlichen Betriebsführung" 1899 in der Bethlehem Steel Company. Er beobachtete einen Arbeiter namens Schmidt dabei, wie er zwölfeinhalb Tonnen Roheisen schaufelte, mass die Geschwindigkeit der Bewegung, die Grösse der Schaufel und die Pausen und was glauben Sie, worauf er kam? Schmidt konnte mit weniger Pausen, anderem Gerät und anderer Technik viel effizienter arbeiten - Taylor brachte ihn dahin, statt 12,5 Tonnen 47 Tonnen zu schaufeln. Wann Schmidt daraufhin den Schauflern der grossen Grube anheim fiel, wissen wir freilich nicht...

Genau das ist aber der Ansatzpunkt der slobby-Bewegung. Ihre Anhänger sagen, die Hetze bei der Arbeit macht krank und ist deshalb auf längere Sicht gesehen ineffizient. Schön, dass wir für diese Einsicht jetzt ein schickes englisch klingendes Label haben, sonst liesse sich so eine Idee hierzulande wohl kaum vertreten...

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13.10.07

Zeitmanagement: Über Zeitfenster und anderen Blödsinn unsrer Zeitkultur

Bestimmt sind Ihnen auch schon diese Neusprechler begegnet, die, mit ihren BlackBerries verwachsen, klein und kleiner werdende Zeitfenster beklagen, oder sich bei der Terminabsprache nach Ihren "Zeitfenstern" erkundigen.

Was ist das eigentlich, so ein "Zeitfenster"? Sind wir schon Mutanten eines allgegenwärtigen Computerprogramms, die sich selbst morgens "anklicken" und wahlweise nach Icons funtionieren? Gibt es dann auch ein "Sinn-Fenster" und ein "Freizeit-Fenster?" Oder werden Zeitfenster gelegentlich geöffnet, um mehr Zeit einströmen zu lassen? Und wieso werden die eigentlich immer kleiner?

Sie meinen, das sind philosophische, also unnütze Fragen?

Finde ich nicht. Sprache spiegelt das, was in der Gesellschaft und der Arbeitswelt los ist. Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Zeitfenster. Da hatte man Zeit oder man hatte keine, was an sich ja auch Blödsinn ist. Schliesslich besitzen wir die Zeit nicht, eher umgekehrt. Die Uhr tickt. Wer früher stirbt, ist länger tot - erst dann "hat" man keine Zeit mehr.

Aber lassen Sie sich nicht irritieren, liebe Leser. Wenn Sie Zeit haben, prima: Dann machen was draus oder schauen Sie einfach mal zu, wie sie vergeht... oder brauchen Sie vielleicht dafür ein Zeitfenster?

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7.10.07

Karriere: Wohin mit dem Arbeits-Frust?

Mein Gegenüber blickt betrübt vor sich hin. Er habe sich eine dreimonatige Auszeit vom Job genommen, habe Überstundenabbau mit Urlaub verbinden können und eine wunderbare Zeit in England als "volunteer" bei verschiedenen Wohlfahrts-Organisationen verbracht. Mit anderen Worten: Der Mann hat in seiner Freizeit gearbeitet, für lau. Es habe ihm gut getan, mal "direkt für Menschen und mit Menschen" arbeiten zu können, das Klima bei den Insulanern sei so herzlich gewesen. Vor einer Woche sei er dann an den alten Arbeitsplatz zurück gekehrt und, was, glauben Sie, hat ihn erwartet? Missgünstige und übellaunige Kollegen, die ihn nicht mal fragten, wie es ihm ergangen sei. Die unausgesprochene Botschaft an ihn lautete: Du hast Dir drei Monate dolce-far-niente erlaubt, auf unsere Kosten. Der Mann schaut mich an und sagt "irgendwas läuft falsch hier in Deutschland."

Nun bin ich, was die Briten anbelangt, bekanntermassen parteiisch, denn ich habe sie mit all ihren Schrullen einfach ins Herz geschlossen. Vielleicht hätte mein Klient das Gleiche ja in Deutschland erlebt, im ehrenamtlichen Sektor, denn da liegt der Nutzen eben jenseits des Geldes. Aber an Deutschlands sonstigen Arbeitsplätzen scheint es, nach einer DGB-Umfrage unter 6000 Beschäftigten aller Branchen, duster auszusehen in Sachen Arbeitsklima. Nur zwölf Prozent der Deutschen haben an ihrem Arbeitsplatz nichts zu auszusetzen. Jeder dritte Angestellte ist mit seinen Arbeitsbedingungen sogar extrem unzufrieden. Bemängelt werden laut der Studie fehlende Aufstiegschancen, respektloser Umgang und schlechter Führungsstil. Klar, dass da jede Menge Frust geschoben wird.

Was machen Engländer, wenn Sie unzufrieden sind, z.B. im Restaurant? Sie gehen und kommen nie wieder. Von einem Deutschen, der in Berlin ein zähes Steak vorgesetzt bekam, erzählt man sich, er habe es widerwillig gegessen und sich anschliessend beschwert. Die kesse Kellnerin darauf: "Aba uffjefressn ham se?t." Vielleicht sollten wir einfach nicht alles verdrücken, was uns vorgesetzt wird?

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30.8.07

Kameratraining mal anders - mein ZDF-Interview über downshifting

"Die Palme etwas mehr links, jaaa, so... und gib mir mal ein bisserl Weiss..."
Der Tontechniker gähnt und hält ein weisses Blatt vor die Linse, der Kameramann ist hier zu Hause und gibt lässig Regieanweisungen. Die Journalistin vom ZDF rückt die Sessel zurecht und macht es sich bequem.

Nur ich fühle mich plötzlich unkommod und frage mich, ob das jetzt eine Neuauflage des Lindemann-Sketches von Loriot wird. Sie wissen schon, der Rentner mit dem Lottogewinn und der Boutique für die Tochter, der das Kamerateam zur Weissglut bringt, weil er sich ständig verhaspelt...

Aber da geht?s auch schon los. Frau Schmehl sagt aufmunternd "Interview?" - als wenn ich jetzt noch eine Wahl hätte! - und ich werde gefragt zu meinem Beratungsangebot für Berufstätige, die downshiften wollen. Ein paar Minuten später ist die Kassette voll, der Dreh ist fertig, alle Gerätschaften sind beseitigt und Hände werden jovial geschüttelt.

Der Beitrag ist am Dienstag abend im Heute-Journal gelaufen. Hier können Sie ihn im Internet sehen, wenn Sie vorher den "RealPlayer" aufrufen: www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Runterschalten_baut_auf/228/225702

Inzwischen steht die Palme wieder an ihrem Platz und der Kameramann wohnt nicht mehr hier. Ich mache wieder mein Bewerbertraining mit der kleinen Videokamera und meinen Klienten, die sich vielleicht ein wenig unwohl dabei fühlen...

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15.6.07

Es geht um Ihre Zeit - Neues zum Downshifting

Ich schalte das Radio ein, hr2 bringt einen Themenabend über "Meine Firma, mein Leben." Es geht um Unternehmen, deren Mitarbeiter von A bis Z gepampert werden - da gibt es eine Krabbelstube, eine Massage zwischendurch, günstige Fitness-, und Reiseangebote, gemeinsame "Events", Gesundheitschecks, einen Einkaufs-, Wasch-, und Bügelservice. Motto: Wir kümmern uns, verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit Nebensächlichem, geben Sie sie uns. Dieser Pakt, der eine totale Identifikation mit den Unternehmenszielen fordert, hat zwei Folgen: Die Mitarbeiter arbeiten bis zum Umfallen, weil sie meinen, sie hätten gegenüber soviel Freundlichkeit eine Bringschuld. Und ganz nebenbei verlieren sie ihre Urteilskraft, denn wer sich so umfassend identifiziert, hat keine Distanz mehr.

Andere Baustelle: Das OLG München (AZ 25 0 19798/03) urteilte kürzlich, dass eine Versicherung eine Berufsunfähigkeitsrente an einen Manager zu zahlen habe, der genau das getan hat: Arbeiten bis zum Umfallen. Nach 20 Jahren rund-um-die Uhr-Arbeit für einen Finanzdienstleister, der jährlich 14 Milliarden Euro umsetzt, erlitt er 2001 einen Zusammenbruch. Die Versicherung, bei der er eine Berufsunfähigkeits-Police abgeschlossen hatte, weigerte sich, zu zahlen. Die Sache ging durch die Instanzen, jetzt hat der Manager Recht erhalten: Er bekommt rückwirkend 148.00 Euro Rente ausbezahlt und 65.000 Euro Versicherungsbeiträge zurückerstattet.

Und schliesslich noch ein Puzzlestück zum Thema. Was, meinen Sie, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zur grössten Gesundheitsgefahr für das 21. Jahrhundert erklärt? HIV? Die Vogelgrippe, den Rinderwahn, sonstige Seuchen? Nein, die Antwort lautet Stress. Die volkswirtschaftlichen Folgen von stressbedingten Krankheiten und Ausfällen sind enorm. Und was lernt die Volkswirtschaft daraus?

Solange die Gleichung "je grösser der Zeitmangel, desto wichtiger die Person" gilt, recht wenig, fürchte ich. Aber viele haben erkannt, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist, und das nicht erst seit es das Label "Downshifting" gibt. Sie schalten zurück und nehmen weniger Einkommen in Kauf, für mehr Zeit, Selbstverantwortlichkeit und Sinn in ihrem Leben.
Auch ein Pakt, der eine Überlegung wert ist, finden Sie nicht?

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3.5.07

Teilzeit als Möglichkeit für Downshifting?

Es gibt viele Möglichkeiten des "Downshiftings", also runter zu schalten, um den beruflichen Stress zu minimieren. Eine davon ist theoretisch die Teilzeitarbeit, die freilich hierzulande überwiegend Frauensache ist:
88,2 Prozent unsrer Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Das liegt wohl an dem immer noch traditionellen Rollenverständnis (Frau = Familienbeauftragte) und an dem Angebot an Teilzeitstellen, das selten mehr als 20 Stunden umfasst.

Anders als beispielsweise in den Niederlanden, wo immerhin 16 Prozent Männer in Teilzeit arbeiten, ist der Ruf der Teilzeitarbeit hier schlecht, denn Teilzeit-Mitarbeiter haben oft schlechte Konditionen und kaum Aufstiegschancen. Dass sie jedoch nur mit halbem Einsatz arbeiten, glauben zumindest Personalmanager einer Studie zufolge nicht mehr: 56 Prozent der befragten Personalmanager in Deutschland finden, dass Teilzeit-Mitarbeiter genauso produktiv sind wie jene in Vollzeit.

Je nach Untersuchung wäre etwa ein Drittel der deutschen Vollzeitbeschäftigten bereit, die Arbeitszeit zu verkürzen und auf einen Teil des Gehaltes zu verzichten.
Am zufriedensten wären sie mit einer Reduktion auf 70-80 Prozent ihrer bisherigen Wochenarbeitszeit. Das entspricht einem klaren "Nein" zur klassischen Halbtagsstelle und ausserdem, bei allseits fetten Überstundenkonten, allemal noch "100 Prozent" Leistung.
Der Trend wird getragen von jüngeren Berufstätigen mit höherem Bildungsabschluss und grösserem Haushaltseinkommen. Wie lautet die Antwort unserer Unternehmen?

Stets fordern sie "Flexibilität" von ihren abhängig Beschäftigten. Jetzt endlich ist der Markt in Bewegung und Fachkräfte werden gesucht. Es ist also an der Zeit, seitens der Unternehmen Flexibilität und Entgegenkommen z.B. hinsichtlich der Arbeitszeit zu demonstrieren, um diese hoch qualifizierten Fachkräfte anzuziehen und leichter zu halten.
Behalten Sie das im Hinterkopf, liebe Leser, wenn Sie an Ihrer eigenen Stress-Reduktion arbeiten.

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5.4.07

Downshifting - einfacher leben als Wert

Machen Sie das auch so gern, einen heissen Espresso schlürfen und dabei Zeitung lesen? So einfach, so schön ist das, ein autoerotischer Moment, der anderswo in unserer Konsumwelt gnädig unter "Du darfst" firmiert.

Das Glück, sich etwas Einfaches zu gönnen, hat schon viele Namen bekommen, der Neueste heisst "downshifting" und kommt ? Sie erraten es, aus den Staaten. Dort hatte man im letzten Jahrhundert den "workaholic" erfunden, den Menschen, der zwanghaft arbeitet und nichts mehr kennt als Arbeit. Grund: Mit sich selbst kann er nur wenig anfangen - er oder sie weiss eigentlich nicht, dass Arbeitszeit Lebenszeit ist und wie man sie sinnvoll füllt.

48 Prozent der Amerikaner gaben laut DER SPIEGEL bei einer Umfrage an, dass sie eine Beförderung abgelehnt, eine Verminderung ihrer Arbeitszeit erwirkt oder gar vollkommen aussteigen sind aus der Überstundenmühle. Sie brechen auf in ein einfaches Leben, verzichten auf die vormals hohen Gratifikationen und nehmen sich Zeit. Sie erkunden, was für sie sinnvoll ist im Leben, bevor sich der Sargdeckel schliesst.

Gut, wenn workaholics auf die Art die Notbremse ziehen noch zu "Sinnen" kommen.
Bedauerlich allerdings, dass Zeit ein Luxusartikel geworden ist, den zu "besitzen" nur dem erlaubt sein soll, der vorher bis zur Selbstverleugnung gearbeitet hat.
Eine erholsame Osterzeit wünscht Ihnen
Wiebke Sponagel

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