"Es war ein Albtraum," berichtet mein Klient. "Soetwas ist mir noch nie passiert."
Der Mann, der mir gegenüber sitzt, macht einen bodenständigen und kompetenten Eindruck. Er ist, sagen wir, Ende dreissig und hat eine überzeugende Karriere in der IT-Branche absolviert. Er hat immer auf seine "
employability" geachtet, sich also trotz zeitfressender Projekte weitergebildet. Vor kurzem wollte er seiner Laufbahn die Krone aufsetzen und hat sich auf einen "Traumjob" beworben.
Ums kurz zu machen: Das Vorstellungsgespräch lief gründlich schief. Es wurden Fragen gestellt, die genau seine Achillesferse trafen - die Frage nach seinem Umgang mit Vorgesetzten war so eine. "Wissen Sie," erklärt er, "mit meinem momentanen Chef komme ich überhaupt nicht klar. Der ist menschlich einfach unfähig und als Führungskraft erst recht. Ich bin froh, dass ich ihm bei den Projekten kaum begegne." Da sei er dann ins Stottern gekommen wie ein Viertklässler und der Traumjob war geplatzt.
Auf der anderen Seite, sagt der Klient, habe er schon bei der Vorstellung "ein komisches Gefühl" gehabt - seine Ansprechpartner waren ihm so unsympatisch, dass er am liebsten "auf dem Absatz kehrt gemacht" hätte. Im Nachhinein ärgere er sich, dass er dem Impuls nicht gefolgt sei, und sich noch so eine Blösse gegeben habe.
Shit happens. Vielleicht ist es schon ungünstig, eine Stelle zum "Traumjob" hochzustilisieren. Hinzu kommt, dass man dummerweise ausser in der Karriereberatung kaum Gelegenheit hat, stressfrei so ein Gespräch zu "üben". Drum fehlt die Souveränität, in einem echten Bewerbunggespräch die "Notbremse" zu ziehen, wenn eine innere Stimme das empfiehlt.
"Das nächste Gespräch wird anders", sagt mein Klient jetzt. "Ich weiss, was ich kann und höre auf mein Bauchgefühl. Und um diesen "Traumjob" ist es nicht schad - hat nicht sollen sein."
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