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30.8.08

Wie überstehe ich die Probezeit?

Der neue Arbeitsvertrag ist unterzeichnet, die Freude ist gross. Daran, dass das Arbeitsverhältnis schon nach kurzer Zeit enden könnte, mag man in dem Moment nicht denken.

Carte blanche für den florierenden Ratgebermarkt, online oder in Buchform: Berufseinsteiger, passt auf, sagen die Karriere-Experten, das Damoklesschwert Probezeit hängt über Euch! Macht Euch beliebt, kauft die richtigen Klamotten, seid nicht besserwisserisch, arbeitet auch mal länger...

Alles Rezepte, die irgendwie nach Muttern klingen. Eine Klientin von mir wollte alles richtig machen und hatte sich strikt an sie gehalten. Auch an den Ratgeber-Tipp, neue Aufträge von Vorgesetzten mitzuschreiben, damit sie nicht immer Rückfragen stellen müsste. Im Abschlussgespräch nach nicht bestandener Probezeit sagte man ihr, dass ihre Neigung zu Notizen irritieren würde, und warum sie nicht mal eine Frage gestellt habe?

Sie ahnen, worauf es ankommt, wenn Sie die Probezeit bestehen wollen? Vergessen Sie die Null-Acht-Fünfzehn-Ratschläge. Finden Sie heraus, wie der "psychologische Vertrag" in Ihrem Unternehmen aussieht: Welche Erwartungen hat man an Sie - in Bezug auf Ihre Leistung, Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten. Beobachten Sie aufmerksam die Firmenkultur und wie Sie dazu passen. Wenn zu wenig passt, können Sie ja innerhalb der Probezeit kündigen...

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24.8.08

Wie Sie aus dem Goldenen Käfig rauskommen

Mein Klient, knapp über dreissig, im mittleren Management einer Bank, hatte das "Goldene-Käfig-Gefühl": Er hatte einen Arbeitsplatz mit ausgezeichneten Rahmenbedingungen und guten Bezügen, merkte aber, dass seine Karriere wie eingefroren war, und dass er kaum mehr Spass an der Arbeit hatte. Er käme in dem Laden nicht mehr weiter, meinte er. Er hatte nun die Wahl, sich aktiv auf Jobsuche zu machen oder sich bei einem Online-Netzwerk wie Xing, experteer, LinkedIn o.ä. zu registrieren und abzuwarten.

Da er unter keinem akuten Zugzwang stand, entschied er sich für letzteres. Und siehe da, ein paar Wochen später rief ein Personaler an und bot ihm eine wie auf ihn zugeschnittene Stelle an, mit mehr Verantwortung - der erhoffte Karriereschritt war da. Die neuen Führungsaufgaben lässt er aber nicht "auf sich zukommen" - die bespricht er mit seinem Coach in einem Begleit-Coaching. Das Goldene-Käfig-Gefühl soll so schnell nicht mehr aufkommen.

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16.8.08

Gefühlte Wirklichkeit, medial vermittelt

Mein Buchhändler sagt immer, wir sind eine Molto-Fühl-Gesellschaft. Es gibt "gefühlte Temperaturen", und, nicht nur dank Horst Evers, auch "gefühltes Wissen". Für das gefühlte Wissen sind Menschen auf der Strasse zuständig, aber nur, wenn ihnen ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird. Die zucken dann mit den Achseln und kichern, wenn sie sagen sollen, welche Stadt in England mit "Lon" anfängt und mit "don" aufhört. "Gewusstes Wissen" muss es folglich auch geben. Auch das wird im Fernsehen gemacht, in Sendungen über Wissenschaft, also mit Experten und so. Und noch ein Format ist typisch gefühlt, Reality TV, zu Deutsch vielleicht "Gefühlte Wirklichkeit"?

Letztens rief jemand an von einer TV-Agentur. "Wir machen Berichte für ARD und ZDF und Pay-TV," stellte er sich vor und kam gleich zur Sache. Ich hätte doch als Coach mit dem Thema "Downshifting" zu tun, ob ich da wohl einen "Protagonisten" liefern könnte? Ich fragte, wie er sich das vorstellte. Ganz einfach, hörte ich, ich könnte doch mal einen meiner Downshifter fragen, ob er oder sie Interesse hätte, in so einem Dreh aufzutreten. Aber nur, fügte er hinzu, wenn das Protagonisten-Beispiel auch deutlich sei. Was er unter Deutlichkeit verstand, erklärte er sofort. Na, sowas wie "vom Top-Manager zum Schäfer", meinte er. Derart medial Wirksames hätte ich nicht im Bauchladen, entgegnete ich, und subito war das Gespräch beendet. Da hab ich mich echt gut gefühlt.

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9.8.08

Wie soll ich führen? Führungskräfte im Dilemma

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es für jede "Volksweisheit" eine Gegen-Weisheit gibt? "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" - "Man lernt nie aus". "Gegensätze ziehen sich an" - "Gleich und gleich gesellt sich gern". "Der frühe Vogel fängt den Wurm" "Am Abend wird der Faule fleissig" und so weiter und so fort. Volksweisheiten funktionieren nach dem Prinzip "sowohl als auch", sie sind je nach Situation anwendbar.

Ähnlich ist es mit den Erwartungen, die an Führungskräfte gestellt werden. Sie sollen durchsetzungs- und teamfähig, empathisch und charismatisch, mitarbeiter- und kundenorientiert sein, Rückgrat beweisen und sensibel sein, Biss haben und geduldig sein, unternehmerisch denken und handeln, und nach 2 Jahren weiter ziehen.

Für manche Führungskräfte ist das ein Tanz auf dünnem Eis. In meinen Beratungen höre ich dann die Frage, "Wie soll ich eigentlich führen? Autoritär oder demokratisch oder einfach mehr deligieren?" Der Führungs-Mythos verlangt einen Führungsstil. Entweder - oder. Dabei wäre "sowohl als auch" doch viel pragmatischer, oder?

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2.8.08

Ziele erreichen - vollautomatisch?

Als Autonarren haben wir Deutschen einen Trend mitgeprägt, der sich an den meisten Neuwagen zeigt: "Mehr Sicherheit" durch weniger Verantwortung. Das Navi erreicht sein Ziel automatisch, das Einparksystem steuert in die Parklücke, das ESP verhindert, dass der Wagen seitlich ausbricht, und Prallkissen aus fünf Richtungen dämpfen selbst das äusserste Unsicherheits-Szenario, den Un-Fall.

Auch für Karriere und Beruf gibt es automatisierte Luftsack-Einheiten. Immer mehr Unternehmen praktizieren eine neue Form der Verantwortung für ihre Mitarbeiter: Sie haben interne Fitness-Programme, um die "Performance" der MA zu sichern, sie entwickeln Gesundheitskonzepte. Längst werden den einzelnen Mitarbeitern jährlich Ziele gesetzt. Manche Firmen bieten vom Umzugs- zum Hemdenbügel-Service alles an, um den Mitarbeiter "zu entlasten".

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich frage mich manchmal, können die Menschen in diesen vollautomatisch sicheren Autos überhaupt noch fahren?

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