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27.7.08

Hilft das Internet bei beruflichen Entscheidungen?

"Da hatte ich die Wahl zwischen Pest und Cholera" ist eine beliebte Wendung. Vielen ist das tag-tägliche Entscheiden einfach zu viel - da geht man lieber gleich in ein Restaurant, das nur eine Mahlzeit anbietet, und findet das sehr entspannend.

Auch wenn um es die Gestaltung der Karriere geht, haben wir die Qual der Wahl. Bleiben oder gehen, wo sind die Entwicklungsmöglichkeiten am besten, oder ist weniger mehr oder soll es doch lieber gleich ab in die Selbstständigkeit gehen?

Nun gibt es laut FAZ auch einen "Digitalen Entscheidungsindex", in dem das Internet führt - die häufigste Entscheidungsart ist hier der Kauf von Flugtickets. Hilft das Net aber auch bei beruflichen Entscheidungen? Abgesehen von den Online-Stellenmärkten spielen da wohl die Bewertungsportale eine Rolle. Da gibt es beispielsweise Sites wie www.kunuru.de und www.yourcha.com/de/home, wo Arbeitgeber von Arbeitnehmern beurteilt werden. Inwieweit diese Meinungen zur Entscheidungsbildung von Bewerbern beitragen, ist freilich unentschieden...

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19.7.08

"gesucht: Zupackende Hands-On-Mentalität" oder Stellenanzeigen ohne Sinn

"Nee, wat hab ich jelacht," pflegte eine Bekannte aus Köln zu sagen, "et war der reinste Orjanismus." Zugegeben, die Frau hatte ein Problem mit Fremdwörtern, aber das tat der Fröhlichkeit keinen Abbruch und überhaupt sollte man sowas ja, nach Lothar Matthäus, nicht allzu sehr hochsterilisieren.

In den vergangenen Tagen musste ich verstärkt an die Frau mit den Lachsalven denken - mich hat?s auch geschüttelt, beim Lesen von Stellenanzeigen. Es ist uns ja mittlerweile klar, dass im SBU von Unternehmen TQM vorherrschen sollte, deren CFTs Produkte JIT verteilen und dabei natürlich von ständigem MBO begleitet werden. Noch Fragen? Wenden Sie sich bitte an unseren AHRM. Kurz und klein, die Anglo-Abkürzungs-Manie ist uns Professionals vertraut, wenn auch nicht unbedingt immer mit Bedeutung behaftet.

Inmitten dieser Bedeutungsvakanz fällt es folgerichtig nicht weiter auf, wenn Unternehmen Kandidaten mit "zupackender Hands-On-Mentalität" suchen. Weisse Schimmel sind allgegenwärtig, macht nix, merkt ja keiner. Auch manche Berufsbezeichnungen zaubern dem fachfremden deutschen Betrachter ein Lächeln auf die Lippen, wie etwa der "After-Market-Manager". Was soll's, wenn Rolls Royce schon vor Jahrzehnten nach dem "Silver Cloud" in der Namensgebung die Notbremse zog, als es um "Mist" und dessen Bedeutung am deutschen Markt ging. Im deutschen Berufsjargon, besonders in vor Wichtigkeit strotzenden Stellenanzeigen "macht das Sinn", gerade wenn es sinnentleert ist. Nee, wat hab ich jelacht, bis mir die Mühen der Bewerber einfielen, die sich auf so nen Mist mit einer "ordentlichen" und aufwändigen Bewerbung melden.

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13.7.08

Bewerbungsgespräch: Dumme Fragen, kluge Antworten

Eine sportliche Frau um die fünfzig sitzt mir gegenüber. Mit festem Blick und ebensolchem Händedruck und einem Lachen, das ein paar Oktaven durchklingelt. Sie weiss, was sie kann, sagt sie, deutlich und ausdrucksstark. Nur die andern, ob die das auch wissen, in ihrem Alter?

Ein paar Wochen später sehen wir uns wieder, sie hat den neuen Job in der Tasche, das Lachen klingelt hell und leicht. Aber was ihr bei der Jobsuche so alles begegnet ist, darüber, meint sie, könnte sie jetzt ein Buch schreiben.

Da war zum Beispiel dieser Personaler, der ihr dumme Fragen gestellt hat. Die seltsamste war, wie ihr Mann sie sehen würde. Was soll man auf sowas antworten?

Ich musste sofort an "Männer" von Doris Dörrie denken. Kennen Sie auch die Szene, wo Möchtegern-Aufsteiger Uwe Ochsenknecht vom arrivierten Heiner Lauterbach bei einem Wein "trainiert" wird für das Bewerbungsgespräch am nächsten Tag? Nimm mal die Zeitung, sagt der Arrivierte. Falt mal ein Schiffchen daraus. Setz es Dir auf und steig auf den Tisch. Als Ochsenknecht alles gemacht hat, zuckt Lauterbach mit den Schultern: "Siehste, kein echter leader würde sich so verhalten."

Es gibt viele Möglichkeiten, auf Fragen, die ins Private zielen, zu antworten. Mit Ironie, ohne, aber vage, oder mit dem deutlichen Hinweis, dass man gern beschreibt, wie die Kollegen und Vorgesetzten eine/n sehen. Aber klar, da muss man erst mal drauf kommen.

Schade nur, dass Personaler offenbar selbst gegenüber überzeugend auftretenden Kandidaten mit 1A Portfolio in ihre Mottenkiste greifen und Spielchen spielen. Bei guter Menschenkenntnis sollte man, finde ich, auf so einen Tanz auf dem Tisch verzichten können.

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