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31.3.08

Stimmen aus dem Äther: Zu Gast beim WDR

Die Stimme ist rauchig und tief. Sie schufte sechzehn Stunden täglich, sagt sie, teils in der Imbissbude, teils in der Kneipe. Beides laufe nicht so recht, aber irgendwie müsse sie doch überleben. Eine anonyme Anruferin meint, sie habe als Klinikärztin so hart gearbeitet, dass sie jetzt arbeitsunfähig sei. "Trotzdem," sagt sie mit Nachdruck, "das war die beste Zeit in meinem Leben. Ich würde es heute wieder so machen." Und dann ist da der 62-jährige Selbstständige, der von seiner neuen Berufung schwärmt, die zwar viel Zeit koste, aber ihn viel glücklicher mache als in "angestellten" Zeiten.

Das könnte fast ein Telefon-Coaching sein, wenn da nicht zwanzig Zentimeter vor meinem Gesicht dieses Mikrofon hängen würde. Ausserdem sitzt ein Moderator mir schräg gegenüber, das Studio ist mit Leselampen und Monitoren beleuchtet und die rote Lampe zeigt, dass wir "auf Sendung" sind. Das, liebe Coaching-News-Leser, war letzten Dienstag, als ich abends beim WDR in Köln Studiogast zum Thema "workaholism" sein durfte. Den Auftakt lieferte das Hörspiel "Die Betelnuss im Kopf" von Alfred Behrens, ein Stück über Arbeitssucht und Arbeitszwang, dessen psychedelische Stimmung ziemlich unter die Haut geht. Mehr dazu: http://www.wdr5.de/sendungen/hoerspielserie/1067358.phtml

"Lampenfieber? - Brauchste nicht zu haben", hörte ich im Vorfeld, "die sind alle Profis beim WDR und schrecklich nett." Stimmt. Götz Schmedes (Regie), Moderator Thomas Guntermann und ihr Team taten alles, damit im Studio kein Stress entstand. Nachher gab es bei Kölsch und Frikadelle gegenseitiges Schulterklopfen - das sei prima gelaufen, obwohl alle ein bisserl Lampenfieber hatten, aber wir sind ja Profis...

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23.3.08

Neues vom downshifting?

Ostern. Wieder so ein Fest, von dem keiner genau weiss, worum es eigentlich geht. Irgendwie um Nikolausi oder Osterhasi halt, und einen freien Montag gibts gratis dazu. So viel Freizeit. Und weit und breit nichts zum Arbeiten...?

Sollten Sie, liebe Leser, sich diese Frage stellen, dann sind sie vermutlich reif, mal ein paar Gänge runterzuschalten, wenn Sie das noch können. Sie wissen ja, runterschalten heisst in Englisch "downshifting", seit ein paar Jahren ein Begriff für den Ausstieg aus dem Hamsterrad und für eine Bewegung von Individualisten, die genau das wollen.

Ich habe für Sie mal wieder auf der britischen Seite über "downshifting" vorbeigeschaut, um zu sehen, was es da Neues gibt. Anfang April rufen die Insulaner wie in jedem Jahr ihre "National Downshifting Week" aus. Sie machen Vorschläge, wie sich Einzelne oder Firmen daran beteiligen können. Die Liste für Unternehmen liest sich wie der Nikolausi-Wunschzettel eines Grünen-Anhängers: Firmen sollen ihren Müll trennen, den Mitarbeitern in der Kantine lokale Produkte anbieten und bei ihrer Firmenwagenflotte sparsamere Modelle anschaffen. Kein Wort von Arbeitszeitkonzepten, die Mitarbeiter entlasten könnten und langfristig sinnvoll wären, nichts von der Verantwortung der Unternehmen gegenüber "Burnout-Mitarbeitern" - das wäre wohl politisch unkorrekt.

Ähnlich harm- und arglos sind die Empfehlungen für Einzelne: Man solle eine Kreditkarte kleinschneiden heisst es da, sich einen halben Tag frei nehmen, um ihn mit einem geliebten Menschen zu verbringen und abends Spiele spielen statt zu glotzen. Ach ja, so einfach ist das mit dem Runterschalten. Warum stricken wir uns nicht einen von diesen meliert-bunten Wollpullovern aus den 70-ern, ziehen ihn an und fühlen nach, wie das war, als Zeit noch kein Luxusgut war. Nebenbei vergessen wir die "National Downshifting Week". Frohe Ostern.

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16.3.08

Neues vom Älter werden, Lesetipp

Immer muß man sich orientieren. In einer unbekannten Wohnung, in einer unbekannten Stadt, in einem unbekannten Land, neuerdings in unbekannten virtuellen Gegenden. (...) Das hört nie auf. Ich erinnere mich, daß mich der Wunsch nach verlässlichen Orientierungen in meinen Pubertätsjahren richtiggehend bedrängte. (...) Das heisst, ich suchte in dieser Zeit mehr oder weniger bewusst nach einem erhöhten Ort des Überblicks, einem festen Ort der Sicherung, von dem ich meine affektiven und intellektuellen Bezugsnetze hätte auswerfen können. (...) Ich wollte einen geistigen Halt finden. Ich wollte den gewaltigen Energien meines Gefühlslebens eine Richtung geben.

Eine packende Art, zu beschreiben, was uns stets auf Neue fordert: Die Orientierungssuche. Das Zitat ist Silvia Bovenschens Buch "Älter Werden" entnommen . Ich kann es Ihnen, liebe Coaching-interessierten Leser, ans Herz legen. Es geht um Erlebtes und Erfahrenes, ums Leben halt. Ohne Pathos, in kleinen essayistischen Häppchen geschrieben. Wirklich lesenswert, falls Sie noch nicht viel vorhaben an Ostern...

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9.3.08

Karriere und Kinderwunsch - geht das?

Immer wieder ist die Rede vom "Muttermythos" in Deutschland, der Frauen davon abhalte, Karriere zu machen und Männern ihre Karriere erst ermögliche. Mag das sein, wie es will - auf der Sachebene hat sich jedenfalls einiges getan: Die neue Elternzeit wird verstärkt von jungen Vätern wahrgenommen, das Rollenverständnis ist im Wandel.


Um es Mitarbeitern möglichst früh nach der familienbedingten Pause zu ermöglichen, wieder berufstätig zu sein, haben Bundesfamilienministerium und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft jetzt umfassende Informationen in einer Broschüre zusammengestellt. Erläutert werden viele notwendige Schritte, vom ersten Planungsgespräch über rechtliche Regelungen bis zur familienfreundlichen Arbeitsorganisation nach der Rückkehr.
Kostenloser download hier

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2.3.08

Indien - gut für die Karriere?

Die junge Frau, die mir gegenüber sitzt, hat, sollte man meinen, zwei Trumpfkarten im Ärmel: Sie ist Wirtschaftsinformatikerin mit "Indien-Erfahrung": Auf dem Subkontinent hat sie ein paar Monate Projektarbeit gemacht und weiss, wie dort die Uhren ticken. Die Angebote, die sie hier erhält, sind allerdings eher bescheiden. Schauen deutsche Unternehmen immer noch nicht über den kulturellen Tellerrand?

In England wäre das, schon aus historischen Gründen, anders. Schon im Jahr 1883 wurde in Oxford das "Indian Institute" gegründet, dessen Hauptanliegen der kulturelle und akademische Austausch zwischen UK und Indien war. Inzwischen ist das Geschäft mit Indien ein riesiger Wirtschaftsfaktor. Auch das hat man in Oxford erkannt: An der Said Business School wird ein eigenes "India Business Centre" der University of Oxford entstehen, das sich neben der Forschung auch um die Entwicklung besonderer Indien-Programme für Manager kümmert - übrigens auch für ausländische Führungskräfte. Mehr dazu hier: www.sbs.ox.ac.uk

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