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28.10.07

Neue Zeiten, auch im Coaching: Über Berufseinsteiger und Kürbisköpfe

Na, leiden Sie morgen auch unter "Jetlag", weil die Uhren umgestellt sind? Dann tapsen die Berufsmaulwürfe wieder im Dunkeln zur Arbeit und nach Hause, vorbei an leuchtenden Plastik-Kürbisköpfen, die uns noch vor der Weihnachts-Lightshow sagen, es ist Kaufzeit für Pusemuckel-Kram.

Aber ich wollte ja auf etwas ganz anderes hinaus. Ich wollte Ihnen von neuen Zeiten im Coaching berichten, genauer gesagt, von einer Trendwende, die ich bei meinen Klienten beobachte. Als ich vor acht Jahren anfing, war meine Kundschaft überwiegend in meinem Alter, ein paar auch älter. Inzwischen sind sie jünger, viele um die Dreissig. Sie sind der "Generation Praktikum" um ein Haar entkommen, haben erste Berufserfahrungen und erleben, dass sie ausgenommen werden wie eine Weihnachtsgans: Überstunden noch und nöcher und dabei anspruchslose Inhalte, die nur langweilen. Vorgesetzte, die bei der Frage nach Feedback nur die Schultern zucken und sagen, ist doch alles in Ordnung. Erste Führungsaufgaben, die mit Elan angepackt werden, aber im Getriebe der innerbetrieblichen Unlust-Kultur versanden. Aus der Generation Praktikum ist eine Generation Arbeitsfrust geworden, scheint mir.

Woran liegts, am Umfeld oder an den Erwartungen? Vielleicht an beidem. Zum Schluss noch eine Meldung für diejenigen, die meinen - wie die meisten, die sich für das Lehramt entscheiden - als Lehrer ideal Beruf und Familie verbinden zu können: Es gibt jetzt eine Studie der Uni Potsdam, nach der viele Lehramtsabsolventen die falsche Entscheidung getroffen haben und als Lehrer schlicht untauglich sind. Um das fürterhin zu vermeiden, haben der Beamtenbund (?!) und die Tarifunion einen Fragebogen entwickelt, mit dem Interessenten angeblich ihre Eignung für den Lehrerberuf testen können.

Tja, dann kann ja nichts mehr schief gehen und wir können unsere Kürbisköpfe leuchten lassen...

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19.10.07

Neuer Trend: Slobby sein und langsam arbeiten

Ich werde häufig gefragt, ob das "downshifting", also das Runterschalten in eine Tätigkeit mit weniger Geld und mehr Zeit wirklich soooo eine grosse Bewegung ist in Deutschland. Vielleicht nicht unter dem Titel, sage ich dann, aber mehr von ihrem Leben zu haben, das wünschen sich viele, nicht nur meine Klienten.

Genau in dieses Bild passt, finde ich, dieser neue Trend:

Es gibt jetzt angeblich Top-Manager, die sich "slobbies" nennen.."Slobby" steht für "slow but better working people" - diese Menschen stellen also die Grundfesten der Taylorisierung in Frage, das Effizienzprinzip. Sie wissen, was ich meine? Taylor hatte die Idee der "wissenschaftlichen Betriebsführung" 1899 in der Bethlehem Steel Company. Er beobachtete einen Arbeiter namens Schmidt dabei, wie er zwölfeinhalb Tonnen Roheisen schaufelte, mass die Geschwindigkeit der Bewegung, die Grösse der Schaufel und die Pausen und was glauben Sie, worauf er kam? Schmidt konnte mit weniger Pausen, anderem Gerät und anderer Technik viel effizienter arbeiten - Taylor brachte ihn dahin, statt 12,5 Tonnen 47 Tonnen zu schaufeln. Wann Schmidt daraufhin den Schauflern der grossen Grube anheim fiel, wissen wir freilich nicht...

Genau das ist aber der Ansatzpunkt der slobby-Bewegung. Ihre Anhänger sagen, die Hetze bei der Arbeit macht krank und ist deshalb auf längere Sicht gesehen ineffizient. Schön, dass wir für diese Einsicht jetzt ein schickes englisch klingendes Label haben, sonst liesse sich so eine Idee hierzulande wohl kaum vertreten...

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13.10.07

Zeitmanagement: Über Zeitfenster und anderen Blödsinn unsrer Zeitkultur

Bestimmt sind Ihnen auch schon diese Neusprechler begegnet, die, mit ihren BlackBerries verwachsen, klein und kleiner werdende Zeitfenster beklagen, oder sich bei der Terminabsprache nach Ihren "Zeitfenstern" erkundigen.

Was ist das eigentlich, so ein "Zeitfenster"? Sind wir schon Mutanten eines allgegenwärtigen Computerprogramms, die sich selbst morgens "anklicken" und wahlweise nach Icons funtionieren? Gibt es dann auch ein "Sinn-Fenster" und ein "Freizeit-Fenster?" Oder werden Zeitfenster gelegentlich geöffnet, um mehr Zeit einströmen zu lassen? Und wieso werden die eigentlich immer kleiner?

Sie meinen, das sind philosophische, also unnütze Fragen?

Finde ich nicht. Sprache spiegelt das, was in der Gesellschaft und der Arbeitswelt los ist. Vor zwanzig Jahren gab es noch keine Zeitfenster. Da hatte man Zeit oder man hatte keine, was an sich ja auch Blödsinn ist. Schliesslich besitzen wir die Zeit nicht, eher umgekehrt. Die Uhr tickt. Wer früher stirbt, ist länger tot - erst dann "hat" man keine Zeit mehr.

Aber lassen Sie sich nicht irritieren, liebe Leser. Wenn Sie Zeit haben, prima: Dann machen was draus oder schauen Sie einfach mal zu, wie sie vergeht... oder brauchen Sie vielleicht dafür ein Zeitfenster?

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7.10.07

Karriere: Wohin mit dem Arbeits-Frust?

Mein Gegenüber blickt betrübt vor sich hin. Er habe sich eine dreimonatige Auszeit vom Job genommen, habe Überstundenabbau mit Urlaub verbinden können und eine wunderbare Zeit in England als "volunteer" bei verschiedenen Wohlfahrts-Organisationen verbracht. Mit anderen Worten: Der Mann hat in seiner Freizeit gearbeitet, für lau. Es habe ihm gut getan, mal "direkt für Menschen und mit Menschen" arbeiten zu können, das Klima bei den Insulanern sei so herzlich gewesen. Vor einer Woche sei er dann an den alten Arbeitsplatz zurück gekehrt und, was, glauben Sie, hat ihn erwartet? Missgünstige und übellaunige Kollegen, die ihn nicht mal fragten, wie es ihm ergangen sei. Die unausgesprochene Botschaft an ihn lautete: Du hast Dir drei Monate dolce-far-niente erlaubt, auf unsere Kosten. Der Mann schaut mich an und sagt "irgendwas läuft falsch hier in Deutschland."

Nun bin ich, was die Briten anbelangt, bekanntermassen parteiisch, denn ich habe sie mit all ihren Schrullen einfach ins Herz geschlossen. Vielleicht hätte mein Klient das Gleiche ja in Deutschland erlebt, im ehrenamtlichen Sektor, denn da liegt der Nutzen eben jenseits des Geldes. Aber an Deutschlands sonstigen Arbeitsplätzen scheint es, nach einer DGB-Umfrage unter 6000 Beschäftigten aller Branchen, duster auszusehen in Sachen Arbeitsklima. Nur zwölf Prozent der Deutschen haben an ihrem Arbeitsplatz nichts zu auszusetzen. Jeder dritte Angestellte ist mit seinen Arbeitsbedingungen sogar extrem unzufrieden. Bemängelt werden laut der Studie fehlende Aufstiegschancen, respektloser Umgang und schlechter Führungsstil. Klar, dass da jede Menge Frust geschoben wird.

Was machen Engländer, wenn Sie unzufrieden sind, z.B. im Restaurant? Sie gehen und kommen nie wieder. Von einem Deutschen, der in Berlin ein zähes Steak vorgesetzt bekam, erzählt man sich, er habe es widerwillig gegessen und sich anschliessend beschwert. Die kesse Kellnerin darauf: "Aba uffjefressn ham se?t." Vielleicht sollten wir einfach nicht alles verdrücken, was uns vorgesetzt wird?

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