Schwächen zeigen im Bewerbungsgespräch?
Dabei sollen die Stärken des Unternehmens in Bezug auf seine Arbeitskultur betont und in der Werbung bzw. in Stellenanzeigen "kommuniziert" werden. Der Zweck der Übung? Bewerber sollen wissen, was auf sie zukommt, und sich nur bewerben, wenn sie ins Unternehmen passen. Das wiederum will die mühselige Auswahlarbeit auf ein Minimum reduzieren.
Was dabei so alles publiziert wird, ist mitunter überraschend. Die Post zum Beispiel teilt in einer Broschüre über ihre Karrierechancen mit, dass nach einer Mitarbeiterbefragung zwei Drittel der Befragten mit ihren Vorgesetzen unzufrieden seien.
Kommentar des BWL-Professors Christoph Beck in managerseminare: Genauso suspekt, wie inzwischen ein gradliniger Lebenslauf sei, sei doch eine Firma ohne Makel. Schwächen einzugestehen sei doch charmant.
Naja, werden Sie sagen, wenn ein Riese wie die Post Schwächen zugibt, ist das bei genauem Hinsehen nicht verwunderlich - jeder Postkunde kennt die Horrorseiten des snailmail-Lieferanten. Aber kann ich das auch, als Bewerber?
Ich finde schon, freilich in Massen. Einer meiner Klienten beantwortete die Gretchen-Frage nach den Schwächen mit dem Eingeständnis, ein Langschläfer-Gen zu haben, dies aber abends ausgleichen zu können. Er wurde eingestellt und hatte bis 10 Uhr Zeit, am Arbeitsplatz zu erscheinen.
Aber was ich Ihnen eigentlich sagen wollte: Schneiden Sie sich ein Scheibchen ab vom employer branding. Nennen Sie es "employee branding" oder einfach "Profil" und arbeiten Sie vor dem Interview Ihre fachlichen Stärken und Schlüsselkompetenzen heraus.
Dann können Sie so richtig mit Ihren Pfunden wuchern, ohne zu "charmant" sein zu müssen...
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