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30.5.06

Selbst-Coaching: Mit Problemen auf den Hund gekommen

Mittlerweile ist die deutsche Vorliebe, manches als Problem zu sehen, zum Bonmot geworden: "ich hätt emol gern e Problem mit Ihne", so die hessische Persiflage von "ich hab da ein Problem."

Ein Problem, so meint man, hat keiner gern - oder doch? Mir fällt immer auf, dass eine Affinität besteht zwischen dem Problem und dem Menschen, der es hat. Fast so, wie Hundebesitzer oft ihren Vierbeinern ähneln. Ich hatte zum Beispiel mal eine ausgesprochen mopsgesichtige Kollegin ... aber das würde jetzt zu weit führen.

Sollten Sie auch ein stolzer "Problembesitzer" sein und - bei aller Pflege!- manchmal nicht wissen, was Sie damit anfangen sollen, hier ein paar Anregungen:
  1. Bürsten Sie es mal gegen den Strich, schauen Sie es aus einem anderen Blickwinkel an.
    Hat es jetzt irgendetwas Unerwartetes, was Sie vorher nicht wahrgenommen haben?
  2. Wenn Sie das Problem so an der Leine führen, überlegen Sie sich doch mal, was es Ihnen nutzt. Auch wenn Sie glauben, Sie könnten gut darauf verzichten, denken Sie darüber nach, was Ihnen ohne Problem fehlen würde.
  3. Wie "füttern" Sie Ihr Problem? Welchen Beitrag haben Sie geleistet, damit es so gross geworden ist?
  4. Wem könnten Sie das Problem hin und wieder zum Gassi führen geben? Gibt es jemanden, der bei der Problemhaltung helfen könnte?
  5. Wenn Sie das Problem ab und zu "streicheln", und ihm zu verstehen geben, dass es bei Ihnen sein darf, wie verhält es sich dann? Wird es kleiner, wenn Sie es akzeptieren?

Viel Erfolg bei der artgerechten Haltung Ihres Problems wünscht Ihnen Wiebke Sponagel

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22.5.06

Karriereentscheidung: Lehre bevorzugt, Rentnerproblem gelöst

Nach Untersuchungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln bleibt die Lehre in Deutschland das beliebteste Ausbildungsmodell - wenn sie denn verfügbar ist, möchte man anfügen. Dagegen entwickelt sich unser Land zur Diaspora für Akademiker: Im Jahr 2003 hatte nur jeder dritte 19-jährige ein Abitur, in den OECD-Ländern dagegen jeder Zweite diesen Alters.

Was will uns das sagen?

Eine Menge über die Werteorientierung unserer Gesellschaft, aber sparen wir uns mal das Lamento zu diesem Thema.

Vor dem Hintergrund jedoch, dass Akademiker laut einer Schweizer Studie deutlich länger als geringer Qualifizierte leben, kam ich zu einem überraschenden Ergebnis: Ohne dass es jemand gemerkt hätte, haben die Deutschen eine Lösung für ihr demographisches Problem gefunden - jedenfalls für die Generation, die jetzt in den Beruf einsteigt: Viele von ihnen werden erst gar nicht alt genug, um die Rentenkassen über Gebühr belasten....

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8.5.06

Coaching: Zeitgeschenke an Arbeitgeber und die Sinnfrage

Am Wochenende traf ich bei einer Feier einen IT-Projektmanager, mit dem gut Plauschen war über die gegenwärtigen Wandlungsprozesse in deutschen Unternehmen. Es dauerte nicht lang, bis wir feststellten, dass wir vollkommen unterschiedliche Wahrnehmungen dieser Prozesse haben: Die Mitarbeitersicht und die des Unternehmens. Und was meinen Sie, wann der Streit so richtig losging?

Als ich meinte, Zeit ist zum Luxusgut geworden, und was dem Einzelnen meisten fehlt, ist sinnvoll gefüllte Zeit. Da schäumte mein Gegenüber, der vorher berichtet hatte, dass er bis Nachts um eins sein neues Notebook konfiguriert hatte. Da sei ja der Hund begraben - der Deutsche an sich sei einfach nicht motiviert, und Arbeit zu haben sei doch Sinn genug...!

Ist es nicht ulkig, dass ich nun heute über die Meldung stolpere, dass Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich zweieinhalb Stunden mehr pro Woche arbeiten als vertraglich vorgesehen?
Diese Überstunden werden meist nicht bezahlt: In 2005 sind nur noch 15 Prozent aller geleisteten Überstunden bezahlt worden, zu Beginn der 1990er Jahre waren es noch die Hälfte der Überstunden, auch Freizeitausgleich gibt es kaum. Kurz, wir schenken unseren Arbeitgebern das Kostbarste, was wir haben: Lebenszeit, denn Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Übrigens leiden Mitarbeiter der IT-Branche bis zu vier Mal häufiger als andere Beschäftigte an stressbedingten Beschwerden und Burnout. Ist es sinnvoll, soviel zu arbeiten, bis psychosomatische Erkrankungen uns endlich das Arbeiten "verbieten"?

Die Sinnfrage selbst scheint Luxus geworden sein - gut, dass immer mehr Menschen sie stellen...!

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