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29.3.06

Coach-Suche: Traut keinem "Napoleon-Coach" oder woran erkennt man einen guten Coach?

Schon früher habe ich an dieser Stelle auf die Diskussion um Scharlatanerie in der Coaching-Branche aufmerksam gemacht, hier nun für meine lieben Leser die neueste Variante:

In seinem letzten Newsletter wirft ein Star-Coach, Christopher Rauen, einen kritischen Blick auf andere Star-Coaches, von ihm so genannte "Napoleon-Coaches". Über seine Motive mag man anderswo spekulieren.

Gemeint sind nicht etwa Coaches mit Alkoholproblem, sondern solche mit überdurchschnittlicher narzisstischer Prägung, denen eine Aura allseitiger Bewunderung vorauseilt. Die Kehrseite: Kritik verträgt ein Napoleon nicht. Die Fähigkeit aber, offen für Kritik zu sein und die eigene Beraterleistung immer wieder kritisch zu bespiegeln oder bespiegeln zu lassen, ist absolut notwendig für einen konstruktiven Beratungsprozess.

Rauen konstruiert einen Fall und benennt den Schaden, den so ein Napoleon-Coach anrichten kann. Hier die Kurzfassung: Das Coaching motiviert den Klienten zu zunehmender Skepsis gegenüber seinem Umfeld, was letztlich dazu führt, dass er seinen Posten verliert. "Napoleon" hat das natürlich kommen sehen, Coach und Klient sehen sich vereint im Kampf gegen die böse Welt. In anderen Worten, der Klient ist am Ende isoliert, hält aber immer noch grosse Stücke auf seinen Coach und dessen "seherische Fähigkeiten" und empfiehlt ihn ev. auch noch weiter.

Die Moral von der Geschicht? - Klar, traue keinem Napoleon nicht, oder:
Klient, falle nicht auf großspuriges Auftreten rein. Nanu, denkt mein aufmerksamer Leser da, das entspricht so gar nicht dem Credo unserer Zeit, das multimedial, für Vorstellungsgespräche und überhaupt ein "offensives Selbst-Marketing" empfiehlt. Aber dass allzu deutliche Selbstdarstellung blendet, wissen wir ja längst, und dass wir uns auch mal gern blenden lassen, auch...

Die implizite Frage, ob man als Klient denn nicht einmal mehr einer Empfehlung trauen kann, löst Rauen auf gewohnt elegante Weise: Er rät Interessenten, sich zu erkundigen, ob der Coach sich supervidieren lässt, also für seine eigenen (anonymisierten) Fälle selbst Beratung in Anspruch nimmt und feedback bekommt. So eine/r kann kein narzisstischer Coach sein, folgert Rauen.

Es sei denn, fällt dem nun wirklich skeptisch gewordenen (!) Leser ein, auch der Supervisor ist so ein Napoleon...

Ja Zapperlott, gibt's denn überhaupt kein objektives Erkennungsmerkmal für einen guten Coach, höre ich Sie jetzt fragen.

Es gibt eine Summe von Merkmalen, die einen guten Coach ausmachen. Die sind, zugegeben, nicht so offensichtlich wie das Verhalten eines Blender-Coaches. Dazu gehört in der Tat, sich supervidieren zu lassen, aber auch, einen Vertrag mit klaren Rahmenbedingungen anzubieten, sich am Markt zu behaupten, offen zu bleiben für Kritik, den Prozess transparent zu gestalten und einiges mehr.
Oder haben Sie da etwa Einwände, liebe Leser....?

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22.3.06

Karriere: Gute Perspektiven für IT-Freiberufler

Nach dem Einbruch Ende der neunziger Jahre stehen sie wieder hoch im Kurs, die Verwalter des digitalen Vergessens (denn gespeichert = vergessen). Wer plant, sich in der IT-Branche selbstständig zu machen, hat jetzt in zweierlei Hinsicht gute Karten:

Einerseits steigen die Honorare, wie eine Honorarauswertung von Freiberufler-Profilen ergeben hat. So konnten die selbstständigen IT-ler ihre Honorare leicht erhöhen, nämlich auf etwa 66 Euro pro Stunde. Am meisten verdienen Projektleiter mit 73 Euro, gefolgt von Beratern mit etwa 70 Euro. Administratoren haben schlechtere Stundensätze ? sie verdienen durchschnittlich 52 Euro in der Stunde.
Andererseits beginnt am 2. Mai der Gründungswettbewerb der IT-Branche "start2.grow", bei dem Existenzgründer zusammen mit Profis einen Businessplan erarbeiten können. Ausserdem winken Preise - wer gewinnt, kann 30 000 Euro Startkapital ins neue Unternehmen investieren.

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16.3.06

Coaching - nimmt Sie der Coach bei der Hand?

Neulich sass mir im Vorgespräch ein etwa 40-jähriger Familienvater gegenüber. Plötzlich erschien ein Runzeln auf seiner Stirn - er fragte, ob ich auch sicher während seiner gesamten Bewerbungsphase "für ihn da" sei?
Ich fragte zurück, ob er nun meine Urlaubszeiten wissen wollte oder wie ich das verstehen solle. Er müsse sich einfach hundertprozentig darauf verlassen können, dass er sich, falls sich ein Bewerbungstermin anbahne, jederzeit an mich wenden könne.

Ich grinste ihn an und antwortete, Coaching mache nicht abhängig, sondern befähige zum selbstständigen Handeln. Er könne also sicher sein, dass er durchaus eine Woche ohne mich erfolgreich überstehen könne. Das freilich war für ihn nicht akzeptabel.

Gut, dass wir darüber gesprochen haben, kann ich da nur sagen. Das Berufsbild "Coach" ist für viele vage, und weckt Erwartungen mit unzähligen Facetten. Und gerade gegenüber einem weiblichen Coach scheint manchmal die Hoffnung auf eine mütterliche Anleiterin, die eine/n bei der Hand nimmt, mitzuschwingen.

Und klar, manchmal würde ich meine Klienten auch gern aus ihrer momentanen Unsicherheit rausführen, die Vorstellung ist verlockend. Aber ich bin keine Schamanin oder Übermutter oder Zauberin, und meine Klienten sind keine Kinder mehr. Sie wollen selbst mit der grossen Herausforderung des Erwachsenenseins umgehen können, nämlich Krisen zu meistern und Unsicherheit auszuhalten. Dafür brauchen sie ab und zu, aber nicht rund um die Uhr, einen Ansprechpartner, der ihnen neue Wege zeigt. Gehen können sie schon allein.

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10.3.06

Karrierecoaching: Gehälter und der Weltfrauentag

Die Blumensträusse sind eingesammelt, die Protestplakate auch, Krawatten blieben diesmal unversehrt - der "Weltfrauentag" hatte sich kurz ins öffentliche Bewusstsein geirrlichtert und jetzt ist wieder business as usual.

Viele haben wieder öffentlich beklagt, dass Frauen in Deutschland nach wie vor bei gleicher Position weniger Gehalt bekommen und kaum in Führungspositionen vertreten sind.

Gründe dafür gibt es viele, rationale und emotionale, allgemeine und individuelle, auf letztere lohnt es sich besonders im Karrierecoaching einzugehen. Aber lassen Sie uns doch mal einen Augenblick phantasieren, was man mit so einem Weltfrauentag alles hätte anfangen können. Mit einer Aktion, die nicht nur sanft im Medienwald an uns vorbeirauscht . Schmunzeln Sie nur, liebe Leser - ich bekenne gern, dass ich als Kind der sechziger Jahre manchmal den Ideenreichtum und die Irritation vermisse, die "Protestaktionen" damals auslösen konnten.

Was wäre zum Beispiel, wenn am Weltfrauentag, ähnlich wie am WPIS-Day, Frauen überall auf der Welt bei ihren Vorgesetzten ein angemessenes Gehalt fordern würden? Eine weltweite DMP - Kampagne (demand more pay) würde die Aktion medial begleiten, den Frauen im Vorfeld Tipps für die Gehaltsverhandlung geben, Arbeitgeber an die Gesetzeslage zur Gleichstellung erinnern, nachher Fälle erfolgreicher Aktionen dokumentieren und so weiter...

Ach ja. Erst mal, wer würde die Kosten tragen? Für die intellektuelle Magerquark-Kampagne "Du bist Deutschland" mit Vorläufern in der Nazi-Zeit liessen sich 32 Mio Euro locker machen, aber für sowas? Da wirken Symptom und Ursache zusammen - es gibt keine weibliche Industriemagnaten-Lobby, die hier als Sponsor auftreten könnte. Überhaupt, sollten die Mütter der Nation den "Industriestandort Deutschland" auch noch zusätzlich gefährden? Und schliesslich, so eine Aktion in Deutschland, wo Gehaltstransparenz sowieso ein Fremdwort ist? Undenkbar.

Na dann, hören wir auf zu träumen und freuen wir uns auf den nächsten Weltfrauentag mit Blumensträussen und Protestplakaten.

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2.3.06

Coaching - was nutzt es?

Seit sich Anfang des Jahres Stefan Kühl, Soziologie-Professor und Organisationsberater, mit der Behauptung meldete, Coaching habe nur Placebo-Effekte, herrscht allerlei Aufregung in der Branche, an der ich Sie, liebe Leser, gern teilhaben lasse.
Diese und andere seiner Thesen zur Wirksamkeit von Coaching, die auf Interviews mit 25 Personen beruhen, sind durchaus lesenswert und können frei heruntergeladen werden. Freilich gibt es auch eine relativ neue Studie, die genau das Gegenteil, nämlich einen hohen Nutzen für Coaching postuliert. Diese Studie basiert auf der Zusammenfassung von 22 empirischen Forschungsarbeiten.

Wir wissen ja, für jede These gibt es eine Antithese, für jede Statistik eine Gegenstatistik. Wem nutzt nun diese Diskussion? Höchstwahrscheinlich Herrn Kühl und seinem Ruf als Provokateur und einigen anderen, die sich nun aufmachen, den Berufstand zu verteidigen. Das alles ist ja sehr ehrenhaft, selbst die Provokation ist das, denn sie bringt uns Vordenker zum Nachdenken. Nur - wen interessiert's?

Würden Sie als Coaching-Klient sich von einer Studie beweisen lassen wollen, dass Coaching wirksam ist?
Das Problem ist doch so alt wie die Menschheit: Der Streit um Glauben und Wissen.
Was können, was wollen wir wissen und was können, und wollen wir glauben?

Tertullian, (160 n.Ch.) der Schöpfer des Kirchenlateins, wird gern mit dem Satz zitiert "credo quia absurdum est" - ich glaube, weil es widersinnig ist. Nun will ich Coaching nicht in die Sphären religiöser Verzückung erheben - oder doch? Coaching kann ganz pragmatische Probleme lösen helfen, es kann aber auch ein bisschen zaubern, finde ich immer, wenn ich meine Klienten strahlen sehe: Sie schaffen etwas, was sie sich vorher nicht zutrauten, sie sind erfolgreich, und dann strahlen sie.
Ich brauche keine Studien, um das zu sehen.
Und im übrigen, wissen (!) wir nicht alle, dass Placebos die wirksameren Medikamente sind...?

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