Coach-Suche: Traut keinem "Napoleon-Coach" oder woran erkennt man einen guten Coach?
In seinem letzten Newsletter wirft ein Star-Coach, Christopher Rauen, einen kritischen Blick auf andere Star-Coaches, von ihm so genannte "Napoleon-Coaches". Über seine Motive mag man anderswo spekulieren.
Gemeint sind nicht etwa Coaches mit Alkoholproblem, sondern solche mit überdurchschnittlicher narzisstischer Prägung, denen eine Aura allseitiger Bewunderung vorauseilt. Die Kehrseite: Kritik verträgt ein Napoleon nicht. Die Fähigkeit aber, offen für Kritik zu sein und die eigene Beraterleistung immer wieder kritisch zu bespiegeln oder bespiegeln zu lassen, ist absolut notwendig für einen konstruktiven Beratungsprozess.
Rauen konstruiert einen Fall und benennt den Schaden, den so ein Napoleon-Coach anrichten kann. Hier die Kurzfassung: Das Coaching motiviert den Klienten zu zunehmender Skepsis gegenüber seinem Umfeld, was letztlich dazu führt, dass er seinen Posten verliert. "Napoleon" hat das natürlich kommen sehen, Coach und Klient sehen sich vereint im Kampf gegen die böse Welt. In anderen Worten, der Klient ist am Ende isoliert, hält aber immer noch grosse Stücke auf seinen Coach und dessen "seherische Fähigkeiten" und empfiehlt ihn ev. auch noch weiter.
Die Moral von der Geschicht? - Klar, traue keinem Napoleon nicht, oder:
Klient, falle nicht auf großspuriges Auftreten rein. Nanu, denkt mein aufmerksamer Leser da, das entspricht so gar nicht dem Credo unserer Zeit, das multimedial, für Vorstellungsgespräche und überhaupt ein "offensives Selbst-Marketing" empfiehlt. Aber dass allzu deutliche Selbstdarstellung blendet, wissen wir ja längst, und dass wir uns auch mal gern blenden lassen, auch...
Die implizite Frage, ob man als Klient denn nicht einmal mehr einer Empfehlung trauen kann, löst Rauen auf gewohnt elegante Weise: Er rät Interessenten, sich zu erkundigen, ob der Coach sich supervidieren lässt, also für seine eigenen (anonymisierten) Fälle selbst Beratung in Anspruch nimmt und feedback bekommt. So eine/r kann kein narzisstischer Coach sein, folgert Rauen.
Es sei denn, fällt dem nun wirklich skeptisch gewordenen (!) Leser ein, auch der Supervisor ist so ein Napoleon...
Ja Zapperlott, gibt's denn überhaupt kein objektives Erkennungsmerkmal für einen guten Coach, höre ich Sie jetzt fragen.
Es gibt eine Summe von Merkmalen, die einen guten Coach ausmachen. Die sind, zugegeben, nicht so offensichtlich wie das Verhalten eines Blender-Coaches. Dazu gehört in der Tat, sich supervidieren zu lassen, aber auch, einen Vertrag mit klaren Rahmenbedingungen anzubieten, sich am Markt zu behaupten, offen zu bleiben für Kritik, den Prozess transparent zu gestalten und einiges mehr.
Oder haben Sie da etwa Einwände, liebe Leser....?
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