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27.1.06

Neue Gründerjahre?

Überall irrlichtern momentan Vergleiche mit den 50-er Jahren, auch die Kanzlerin hat die Wirtschaftswunderzeit zum Vorbild ausgerufen: Gründergeist im Deutschland des Jahres 2006? Brauchen wir jetzt Trümmerfrauen und Industrie-Partiarchen und das weisseste Weiss unseres Lebens?

Schauen wir doch mal, wie es steht mit dem Gründergeist. Eine Studie fand heraus, dass im Jahr 2004 in Deutschland 4,2 Mio Menschen selbstständig waren - mehr als je zuvor. Nehmen wir's positiv: Selbstständigkeit kann eine echte Perspektive für Orientierungssuchende sein. Allerdings standen 3 Mio Männern nur 1,25 Mio selbstständige Frauen gegenüber. Viele dieser Frauen verdienen sich laut Studie "ein Zubrot" mit der Selbstständigkeit - holla, da hat uns die Butterbrotsemantik der Fünfziger wieder! Schnell entsteht da die Gleichung "selbstständige Frau = semiprofessionell."

Im angestellten Erwerbsleben ist es ähnlich: Viele Frauen verdienen "etwas dazu", richten ihren Zeitplan nach Belangen der Familie, immer noch haben Frauen bei gleicher Beschäftigung kleinere Gehälter.

Na klar, liebe Leser, dafür gibt es allerhand Gründe und viele Menschen sind zufrieden mit der Zubrot-Rollenverteilung. Allerdings wird sie zum Hindernis für jede Gründerin, die es ernst meint mit ihrer Geschäftsidee: Sie muss einen doppelten Klimmzug machen, um ihre berufliche Kompetenz unter Beweis zu stellen. Da fällt mir gerade auf: Ein Mann ist ein Profi - und was ist eine Professionelle? Auch eine, die sich ein Zubrot verdient?

Mit herzlichen Grüssen aus der neuen Gründerzeit, Ihr Karrierecoach W. Sp.

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18.1.06

Ein Fall für Coaching ?

"Bin ich überhaupt ein Fall für Coaching," fragte mich neulich jemand mit banger Stimme am Telefon. Das klang wie "habe ich wirklich Krebs im fortgeschrittenen Stadium?"
Auf eine so wunderbare Suggestivfrage kann die Antwort ja nur lauten
"nööö, Sie doch nicht", worauf der Anrufer sich erleichtert bedankt und verabschiedet.

Aber so leicht, liebe Leser, gibt es keine Absolution, und schon gar nicht von mir! Und bei genauerem Hinsehen hat die Frage was - stellen wir sie doch mal anders: Wer kommt eigentlich für Coaching in Frage?

Da Coaching eine berufsbezogene Beratungsform ist, zunächst mal alle diejenigen, die ein berufliches Anliegen haben: Berufliche Veränderung oder Neuorientierung oder Konflikte oder Stress am Arbeitsplatz...Sie merken schon, da entsteht eine lange Liste.

Anders als Coaching, das Menschen in beruflichen Kontexten und Rollen sieht, betrachten klassische Therapieformen den Patienten überwiegend in familiären Rollenkonstellationen. Im Coaching gibt es Klienten, in der Therapie Patienten. Im Umkehrschluss heisst das: Ein Coachee sollte psychisch so gesund sein, wie man's eben ist im heutigen Berufsleben:

63 Prozent der deutschen Arbeitnehmer in Betrieben mit "Umstrukturierungen" klagen über Stress, in Unternehmen ohne Entlassungen sind es immerhin noch 52 Prozent (Fehlzeiten-Report für das Jahr 2004 ).

Aber vielleicht am wichtigsten ist: Die "Fälle für Coaching" sollten auf eigene Initiative Beratung suchen und nicht, was auch manchmal vorkommt, "geschickt" werden. Dann kann was dabei rum kommen: Eine Lösung, ein neues Ziel, eine neue Perspektive. Und, was meinen Sie: Sind Sie ein Fall für Coaching?

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11.1.06

Handschlag genügt - oder doch nicht? Verträge in der Beratung

Bei manchen Geschäften genügt ein Handschlag, und die Sache ist besiegelt. Einige Kollegen machen das in ihrer Beratung auch so: Der Klient erfährt mündlich, wie die Beratung abläuft, welche beiderseitigen Regeln gelten und damit ist's gut.

Ganz so gut nun doch nicht, wie eine Auseinandersetzung am Kamener Amtsgericht zeigt. Dort stritten sich im letzten Mai Coach und Klient ( wirtschaft & weiterbildung 1/06). Der Coach bestand darauf, dass eine geschäftliche Beziehung existierte und verlangte sein Honorar, während der Klient behauptete, beide Parteien hätten sich rein privat in den Tagungsräumen eines Hotels getroffen.

Der Haken war, dass ein Vertrag fehlte, der die Art der Beziehung definierte. Der Ort der Veranstaltung veranlasste das Gericht schliesslich, im Sinne des Coaches zu entscheiden, allerdings mit Abstrichen beim Honorar: Auch die Länge der Sitzungen konnte der Coach nicht belegen.

Dumm gelaufen, für beide Seiten. Der Klient braucht einfach Klarheit über grundsätzliche Abläufe und Rahmenbedingungen. Und ehrlich gesagt kapiere ich nicht, weshalb das nicht durch einen schriftlichen Vertrag geschehen soll. Im Artikel heisst es, Klienten seien manchmal nicht offen für die formale Regelung einer "sehr persönlichen Beziehung."

Nun frage ich Sie, was sind das für Klienten oder welche Berater meinen das von ihren Klienten? Meine Klienten haben den Vertrag bisher als Teil der gegenseitigen Qualitätsmanagements begrüsst. Er ist flexibel genug, um die Grundbedingung des Coachings - die Freiwilligkeit des Klienten - zu erlauben und individuell anpassbar.

Und schliesslich: Wieso "sehr persönliche Beziehung?" Reden wir hier von einem Ehevertrag? Eine Beratung ist eine professionelle Beziehung, die natürlich persönliche Inhalte haben wird. Und klar, diese professionelle Beziehung steht und fällt mit dem Vertrauen, das beiderseitig bestehen muss. Aber damit endet die Gegenseitigkeit - oder möchten Sie von Ihrem Coach das Neueste aus seiner Beziehungskiste hören?

Jaaaa? Na dann starte ich demnächst einen anderen Blog...

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5.1.06

Was bringt's?

Nun ist das neue Jahr fünf Tage alt, und manch eine/r würde gern vorhersagen können, was es uns bringt. Das Orakel unserer Tage heisst Trendforschung - für Sie, liebe Leser, habe ich ein paar Trendforschungsadressen besucht und bin auf Interessantes und Skurriles gestossen.

Zukunftsforscher Matthias Horx gibt sich optimistisch. Für das nächste Jahr hat er sich vorgenommen, mit dem Jammern aufzuhören...- was will uns das sagen?

Besonders unterhaltsam ist es, frühere Prognosen zu begutachten mit Blick auf das, was daraus geworden ist. Ich habe eine Studie von 2003 über den angeblichen Trend "Speed Wellness" für junge Frauen gefunden - ich sage Ihnen, was habe ich gelacht! Mal ehrlich, was halten Sie von Schlagzeilen wie "Wellness auf Knopfdruck" - "Outsourcing des Alltags" "Gefühltes Alter aus der Tube" und, der absolute Brüller! - "Power-Pampering als Glücks-Service"?

Klasse, nicht? Mir kommt das vor wie Dummheit aus der Tube, aber als 45-jährige habe ich auch gut Lachen. Ist am Ende ein Körnchen Wahrheit drin? Sicher arbeiten junge Frauen hart an sich selbst, und vielleicht bietet solch selbsthypnotisches Schaumwerk manchen dabei für's Erste Orientierung. Möglicherweise wollen auch irgendwelche Technokraten aus Management und Ratgeberindustrie einen Robo-Menschentyp am Werk sehen, die Idee ist ja nicht gerade neu. Aber was bringt das? Endlose Effizienz durch programmierte, also seelenlose Funktionsträger? Und wenn ja, wäre das wünschenswert?

Aber zurück zur Eingangsfrage. Zukunft ist, so scheint's, immer noch nicht vorhersehbar - höchstens planbar, wie in Coaching und Karriereberatung. Aber vielleicht war die Frage auch nicht richtig gestellt. Vielleicht sollte sie heissen, was kann ich tun, damit 2006 mir etwas bringt?

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