9. Oktober, Deutschland hängt führungs- und wettertechnisch im Nebel, und ich lade Sie, meine lieben Posting-Leser, zu ein paar klaren Gedanken über den Wert eines Coachings ein.
Schnäppchenjäger sein ist gegenwärtig in. Die Kosten steigen, und wer sparen kann, tut's. Markenartikel werden gern als "Sonderangebote" ergattert, und überall scheint die einzige Frage nicht die nach Inhalten und Qualität zu sein, sondern "machen Sie's auch billiger?"
Parallel zum allgemeinen Preisdruck aber verändert ein fundamentaler Wertewandel die "gefühlte Realität": Knapp sind nicht mehr Autos, Champagnerflaschen, Schränke oder Fernseher. Die Sehnsüchte richten sich nach "transmateriellen Gütern":
Zeit, Aufmerksamkeit, Ruhe, Klarheit.
Wer täglich bis zu 10 Std. arbeitet, kommt kaum mehr zu sich selbst.
Zeit zum Nachdenken über sich und die eigene Lebensführung wie im Coaching muss man sich nehmen. Muss man sie auch bezahlen wie ein Luxusgut?
Wechseln wir mal die Perspektive: "Eine Ware ist soviel wert, wie Arbeit in ihr steckt," sagt Marx, der gern auf anderer Leute Kosten gelebt hat.
Ohne weiter auf den Begriff Ware einzugehen - wieviel Arbeit steckt in der Leistung eines Coaches? In meinem Fall sind es, abgesehen von meiner akademischen Ausbildung, bisher gut drei Jahre Ausbildung, oder vulgärmaterialistisch: Für den Gegenwert meiner bisherigen Coaching-und Berater-Ausbildungen wäre ein gut ausgestatteter Mittelklassewagen rüber gekommen. Ein Investment in mich, das auch weitergeht, um in meine Klienten Ideen und effektive Methoden investieren zu können. Und klar, abgesehen davon kommt noch die für den Klienten unsichtbare Arbeit der Vor-und Nachbereitung von Coaching-Sitzungen dazu.
Apropos unsichtbar.
Bei einer durchschnittlichen Autowerkstatt kostet den Kunden eine Arbeitsstunde 70.- Euro. Das schliesst ein: Sozialabgaben, bezahlten Urlaub, Kosten wie Werkstattmiete und -Ausstattung, etwas Gewinn. Eine Arbeitsstunde beim Zahnarzt kostet 300.- Euro. Und eine Coachingstunde?
Je nach Schwerpunkt, Zielgruppe und Renommee des Coaches kann das bei 100.- Euro anfangen, oberes Ende offen.
Aber: Die Werkzeuge in der Coaching-Werkstatt sind unsichtbar, das Auto, und besonders die Innenausstattung :-) zunächst auch, und ob der Karren ans Laufen kommt, zeigt sich erst noch ...:-)
Will heissen, wer sich coachen lässt, begibt sich erst mal ins "Unsichtbare". Da, im Unsichtbaren, braucht man Vertrauen, um Dinge sichtbar zu machen. Auch die angestrebten Veränderungen sind - trotz aller Anstrengungen, sie messbar zu machen - vielleicht nicht so greifbar wie etwa ein Satz neuer Reifen. Auf der anderen Seite: Ein neuer Job, eine neue Lebensstrategie, eine andere Karriere- oder Lebensperspektive - das sind schon deutliche, fühl- und erfahrbare Veränderungen.
Aber die wichtigste Frage zu unserer Wert-Schätzung ist doch:
Was ist es Ihnen wert, Ihr(e) Ziel(e) zu erreichen? Würden Sie sich für den Preis eines Coachings ebensogut einen Urlaub leisten, oder ein Theater-Abo, oder einen Laptop?
Wie würden Sie den Gegenwert für Ihre Zielerreichung beziffern? Ist die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit, Ihrer beruflichen Perspektiven ein guter "return on investment?"
Labels: Coaching, Werte