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7.10.07

Karriere: Wohin mit dem Arbeits-Frust?

Mein Gegenüber blickt betrübt vor sich hin. Er habe sich eine dreimonatige Auszeit vom Job genommen, habe Überstundenabbau mit Urlaub verbinden können und eine wunderbare Zeit in England als "volunteer" bei verschiedenen Wohlfahrts-Organisationen verbracht. Mit anderen Worten: Der Mann hat in seiner Freizeit gearbeitet, für lau. Es habe ihm gut getan, mal "direkt für Menschen und mit Menschen" arbeiten zu können, das Klima bei den Insulanern sei so herzlich gewesen. Vor einer Woche sei er dann an den alten Arbeitsplatz zurück gekehrt und, was, glauben Sie, hat ihn erwartet? Missgünstige und übellaunige Kollegen, die ihn nicht mal fragten, wie es ihm ergangen sei. Die unausgesprochene Botschaft an ihn lautete: Du hast Dir drei Monate dolce-far-niente erlaubt, auf unsere Kosten. Der Mann schaut mich an und sagt "irgendwas läuft falsch hier in Deutschland."

Nun bin ich, was die Briten anbelangt, bekanntermassen parteiisch, denn ich habe sie mit all ihren Schrullen einfach ins Herz geschlossen. Vielleicht hätte mein Klient das Gleiche ja in Deutschland erlebt, im ehrenamtlichen Sektor, denn da liegt der Nutzen eben jenseits des Geldes. Aber an Deutschlands sonstigen Arbeitsplätzen scheint es, nach einer DGB-Umfrage unter 6000 Beschäftigten aller Branchen, duster auszusehen in Sachen Arbeitsklima. Nur zwölf Prozent der Deutschen haben an ihrem Arbeitsplatz nichts zu auszusetzen. Jeder dritte Angestellte ist mit seinen Arbeitsbedingungen sogar extrem unzufrieden. Bemängelt werden laut der Studie fehlende Aufstiegschancen, respektloser Umgang und schlechter Führungsstil. Klar, dass da jede Menge Frust geschoben wird.

Was machen Engländer, wenn Sie unzufrieden sind, z.B. im Restaurant? Sie gehen und kommen nie wieder. Von einem Deutschen, der in Berlin ein zähes Steak vorgesetzt bekam, erzählt man sich, er habe es widerwillig gegessen und sich anschliessend beschwert. Die kesse Kellnerin darauf: "Aba uffjefressn ham se?t." Vielleicht sollten wir einfach nicht alles verdrücken, was uns vorgesetzt wird?

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