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2.3.06

Coaching - was nutzt es?

Seit sich Anfang des Jahres Stefan Kühl, Soziologie-Professor und Organisationsberater, mit der Behauptung meldete, Coaching habe nur Placebo-Effekte, herrscht allerlei Aufregung in der Branche, an der ich Sie, liebe Leser, gern teilhaben lasse.
Diese und andere seiner Thesen zur Wirksamkeit von Coaching, die auf Interviews mit 25 Personen beruhen, sind durchaus lesenswert und können frei heruntergeladen werden. Freilich gibt es auch eine relativ neue Studie, die genau das Gegenteil, nämlich einen hohen Nutzen für Coaching postuliert. Diese Studie basiert auf der Zusammenfassung von 22 empirischen Forschungsarbeiten.

Wir wissen ja, für jede These gibt es eine Antithese, für jede Statistik eine Gegenstatistik. Wem nutzt nun diese Diskussion? Höchstwahrscheinlich Herrn Kühl und seinem Ruf als Provokateur und einigen anderen, die sich nun aufmachen, den Berufstand zu verteidigen. Das alles ist ja sehr ehrenhaft, selbst die Provokation ist das, denn sie bringt uns Vordenker zum Nachdenken. Nur - wen interessiert's?

Würden Sie als Coaching-Klient sich von einer Studie beweisen lassen wollen, dass Coaching wirksam ist?
Das Problem ist doch so alt wie die Menschheit: Der Streit um Glauben und Wissen.
Was können, was wollen wir wissen und was können, und wollen wir glauben?

Tertullian, (160 n.Ch.) der Schöpfer des Kirchenlateins, wird gern mit dem Satz zitiert "credo quia absurdum est" - ich glaube, weil es widersinnig ist. Nun will ich Coaching nicht in die Sphären religiöser Verzückung erheben - oder doch? Coaching kann ganz pragmatische Probleme lösen helfen, es kann aber auch ein bisschen zaubern, finde ich immer, wenn ich meine Klienten strahlen sehe: Sie schaffen etwas, was sie sich vorher nicht zutrauten, sie sind erfolgreich, und dann strahlen sie.
Ich brauche keine Studien, um das zu sehen.
Und im übrigen, wissen (!) wir nicht alle, dass Placebos die wirksameren Medikamente sind...?

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1 Comments:

Blogger Stefan Kühl said...

nur eine kleine Klarstellung. Placebos nutzen - ganz klar. Und sie haben noch nicht mal die üblichen Nebenwirkungen.

Die Frage ist bloss, wer behauptet, dass Coaching ein Placebo ist. Ich jedenfalls nicht.

Die These der "Scharlataneriestudie" ist, dass der Nutzen von Coaching nicht so sehr in der Veränderung von Organisationsstrukturen liegt, sondern in den versteckten, latenten Funktionen der Konfliktisolierung. Mit Placebo hat weder das eine noch das andere etwas zu tun.

Stefan Kühl

Mo Apr 03, 05:13:00 PM  

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